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Staus nerven Autofahrer. Gibt es überhaupt noch etwas, was man dagegen tun kann? Wenn nicht, wie sollte man sich verhalten? Unsere Redaktion sprach mit dem Stauforscher Michael Schreckenberg, Professor für Physik von Transport und Verkehr an der Universität Duisburg-Essen. Seine Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen lesen Sie hier.
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1. Wann ist es am besten, in den Urlaub zu starten: Am Wochenende oder unter der Woche? Tagsüber oder nachts?
Die Frage stellt sich in vielen Fällen nicht. Denn Abreisetage in
Urlaubsquartieren sind klassischerweise Samstage. Habe Sie trotzdem die
Wahl, sollten Sie am Wochenende nachts fahren, wenn keine oder fast keine Lkw unterwegs sind und zudem kaum Pkw-Verkehr herrscht.
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2. Wie sinnvoll ist es, sich vorher Ausweichrouten für bekanntermaßen staugefährdete Strecken zu überlegen?
Das ist absolut sinnvoll, allerdings sollten Sie sich Alternativen heraussuchen, die es erlauben, Staus großräumig zu umfahren. Schauen Sie sich Karten mit Autobahnkreuzen und Himmelsrichtungen an, damit Sie richtig reagieren können, wenn es drauf ankommt.
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3. Wenn ich in einen Stau hineinfahre, lohnt es sich von der Autobahn abzufahren und über die "Dörfer" zu tingeln?
Nein, denn wenn nur zehn Prozent der Autofahrer das gleiche tun, sind die Bundes- und Landstraßen meist hoffnungslos überlastet.
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4. Lohnt es sich auf einen Parkplatz zu fahren und warten bis alles vorbei ist?
Nein. Die Parkplätze sind auch schnell überfüllt. Wenn Sie wirklich entfliehen wollen, fahren Sie von der Autobahn komplett ab und machen Sie einen schönen Spaziergang. Wenn es gar nicht geht, kann man auch übernachten Sie - es ist überraschend, welche schöne Gegenden es in Deutschland gibt.
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5. Auf welcher Spur geht es am schnellsten weiter?
Am Ende gleicht es sich immer aus. Die Deutschen neigen zwar dazu, ganz links zu fahren, weil sie unwillkürlich das Gefühl haben, dass es dort schneller geht. Aber das stimmt nicht.
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6. Lohnt es sich zu "springen", das heißt, durch häufigen Spurwechsel versuchen Boden zu gewinnen?
Nein. Die Antwort knüpft an die vorige Frage an. Übrigens haben Menschen im Stau immer das subjektive Gefühl, von mehr Autos überholt zu werden als umgekehrt. Das liegt daran, dass wir uns Fahrzeuge, die uns überholt haben, unbewusst besser einprägen.
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7. Wie hilfreich ist die TMC-Stauumfahrfunktion von modernen Navigationssystemen?
Die Informationen können nur so gut sein, wie die zugrundeliegenden Daten. Und die sind meistens noch immer schlecht. Die Technik zum Erfassen von Staus ist verbesserungswürdig. Die Polizeimeldungen sind häufig überholt. Außerdem will man eigentlich keine Staulängen wissen, sondern die Reiseverlustzeiten. Die Navigatoren wollen häufig ihren Wert dadurch beweisen, dass sie zum Umfahren raten, wo es gar nicht nötig ist. Ausnahme: Eine Vollsperrung.
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8. Wie aktuell sind Radiodurchsagen wirklich?
Radiodurchsagen und die TMC-Meldungen greifen meist auf die gleiche Datenbasis
zurück, deswegen gilt für beide im Grunde dasselbe. Die Staus bleiben häufig viel zu lange im Speicher. Übrigens hat Nordrhein-Westfalen im bundesdeutschen Vergleich die bei weitem beste technische Ausstattung.
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9. Wie kann man verhindern, dass sich im Stau unnötiger Stress aufbaut?
Der Verkehr ist geradezu beispielhaft für unkooperatives Verhalten,
wie man es sich im Privatleben kaum erlauben würde. Stress entsteht durch
die Angst, etwas zu verpassen, aber auch durch permanentes Lücke schließen, Bremsen, Beschleunigen etc. Tipp: Lernen Sie eine Sprache oder telefonieren Sie - natürlich nur mit Freisprecheinrichtung!.
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10. Wieviel Zeit wird jährlich in Staus auf deutschen Fernstraßen verschwendet und wie hoch ist der dadurch entstehende wirtschaftliche Schaden?
Die letzte Studie fand heraus, dass jeder Bundesbürger im Jahr durchschnittlich 58 Stunden im Stau steht, so dass eine Gesamtzahl von 535.000 Stunden pro Jahr zusammenkommt. Der wirtschaftliche Schaden soll sich auf rund 100 Milliarden Euro belaufen.