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Hückeswagen: Alte Heimat neu erfunden

VON THEA FORSTMER - zuletzt aktualisiert: 30.09.2008

Hückeswagen (RPO). Bergische Lieder, Bergische Orte: Das klingt nach Heimat-Tradition. Mit Musikantenstadl hatte das Konzert am Sonntagabend im Heimatmuseum aber nichts zu tun. Die Künstler zeigten Experimentierfreude.

Musikalisch und zugleich schauspielerisch in voller Aktion (v. l.): Sebastian Gramms, Jochen Bauer und Ute Völker bei ihrem Auftritt am Sonntagabend im Heimatmuseum.  Foto: RPO
Musikalisch und zugleich schauspielerisch in voller Aktion (v. l.): Sebastian Gramms, Jochen Bauer und Ute Völker bei ihrem Auftritt am Sonntagabend im Heimatmuseum. Foto: RPO

Ihre Auftrittsorte wählen die drei Musiker sehr bewusst. Fernab von konventionellen Konzertsälen und eng verbunden mit der Thematik der Konzertreihe „Bergische Lieder, Bergische Orte“ sollen sie sein. Der Ort der Wahl am Sonntag war das Heimatmuseum im Schloss. „Natur und Heimat“ hatten Akkordeon-Spielerin Ute Völker, Bassist und Komponist Sebastian Gramss und Bassbariton Jochen Bauer in diesem Jahr im Visier der speziell für das Bergische Land konzipierten Konzertreise.

Mit einem Abend nach Art lustiger Volksmusikanten hatte die Veranstaltung rein gar nichts zu tun. Mit ureigenen Interpretationen, Improvisation und einer guten Handvoll experimenteller Zutaten, dazu einer Prise Brahms, verrührt mit mittelalterlichen Klängen, serviert an alten und neuen Texten bergischer Provenienz kredenzten die drei studierten Musiker ein Stückchen Natur und Heimat nach ureigener, moderner Rezeptur.

Info

Die Konzertreihe

Mit „Bergische Lieder, Bergische Orte“ ist eine insgesamt dreijährige Konzertreihe überschrieben, die quer durch das Bergische Land führt.

Begonnen wurde sie 2006 mit dem Thema „Liebe und Familie“, danach folgte „Arbeit“. Abschließend steht nun das Thema „Natur und Heimat“ im Mittelpunkt der Konzerte.

Info zu weiteren Terminen im Netz: www.bergische-lieder.de

Das i-Tüpfelchen auf das eigens kreierte Menü, neu geschüttelt und experimentell gerührt aus zeitgenössischen und klassischen Adaptionen bergischer Lieder aus der Feder des Bassisten und Komponisten Sebastian Gramss, setzen die Akkordeonistin Ute Völkel mit ihrem Talent fürs freie Improvisieren und Bassbariton Jochen Bauer mit seiner ausdrucksstarken Stimme. Während sich die beiden Musiker ernst und konzentriert ihrer Spielkunst hingaben und ungeahnte Töne und Klänge aus ihren Instrumenten hervor holten, untermalte und „illustrierte“ der professionelle Sänger die Darbietungen des Trios zur Freude des Publikums mit kleinen schauspielerischen Glanzstückchen. Überzeugend war er als müder, gähnender bergischer Bauer nach getaner Arbeit auf dem Feld im Morsbachtal oder im mittelalterlich anmutenden Lied über das Werben eines jungen Mannes um ein Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen.

Eingestreut und eingebettet in die von Sebastian Gramss vertonten Texte der in Wuppertal geborenen Dichterin Else Lasker-Schüler, aus ihrem schwermütigen Gedichtband „Mein blaues Klavier“ oder zu den kritisch aufgeworfenen Fragen des Schriftstellers Max Frisch zum Thema Heimat, lieferte das Trio auch kurze Episoden zur Entstehung und Namensgebung von Elberfeld. Es erklärte die Existenz und den langen Fortbestand der Fachwerkhäuser in der Region oder verflocht einen Teil der Bachnamen mit bergischen Endungen zum sprudelnden neuen Text eines alten Wiegenliedes.

Für die meist älteren Zuhörer, die unter dem Titel „Bergische Lieder, Bergische Orte“ eher Traditionelles erwartet hatten, war das Konzert keine leichte Kost. Dennoch bot es einen spannenden und facettenreichen Blick in die neue, experimentelle heimatliche Küchenkultur.

Quelle: RP

 
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