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Hückeswagen: Altes Handwerk entdecken

VON WOLFGANG SCHOLL - zuletzt aktualisiert: 22.08.2011

Hückeswagen (RP). Das westfälische Freilichtmuseum Hagen präsentiert als Erlebnis-Museum ein Ensemble von Handwerks- und Gewerbebetrieben aus zwei Jahrhunderten. Gewünscht ist ein Blick in mehr als 50 alte Häuser und deren Gewerke.



Kurzurlaub im Freichlichtmuseum Hagen

Hagen Rauch steigt aus dem Schornstein, innen wird mit dem Hammer geschlagen, ein Blasebalg faucht und hält das Feuer im Kamin am Leben. Stefan Austermann ist in seinem Element. "Ich zeige, wie ein Nagel geschmiedet wird", sagt er. Gebannt schauen 15 Augenpaare darauf, wie der Kunsthandwerker, der früher studiert und als PC-Experte gearbeitet hat, ein Kupferstück im Feuer glüht und an einem altertümlichen Maschinenhammer zu einem langen Stab formt.

Rundwanderweg mit 50 Häusern

Handwerkshäuser und -werkstätten und damit auch die Technik und Techniken sind aus dem ganzen Land nach Hagen gewandert und für einen modernen Museumsbetrieb aufbereitet worden. In vielen der 50 Häuser im Mäckingerbachtal in Hagen geht es um ausgestorbene Berufe oder die Ursprünge heutiger industrieller Produktion. Das Westfälische Freilichtmuseum zeigt ein Gewerbetal aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Info

LWL-Freilichtmuseum

LWL-Freilichtmuseum Hagen, Westfälisches Landesmuseum für Handwerk und Technik, Mäckingerbach, 58091 Hagen; Tel. 02331 78080.

Geöffnet 1. April bis 31. Oktober, außer montags; 9 bis 17.30 Uhr.

Eintrittspreise Familientageskarte 15 Euro; Schüler bis 17 Jahre zwei Euro; Erwachsene zahlen sieben Euro.

Museumspädagogische Werkstatt jeden Sonntag 14 bis 17 Uhr; kostenfreie Kinderführungen, am 2. Sonntag im Monat, 14 Uhr.

www.lwl-freilichtmuseum-hagen.de

Ein Video über das Museum finden Sie im Internet unter

www.rp-online.de/hückeswagen

Auf 40 Hektar können die Besucher während ihres drei Kilometer langen Rundgangs Handwerkern über die Schulter schauen. Gezeigt wird die Arbeit mit Nichteisenmetallen oder mit Eisen und Stahl wie in der alten Gesenkschmiede, in der Stefan Austermann jetzt mit einem Schmiedehammer schlägt. "Heute kann das fast keiner mehr. Um das Handgelenk zu schonen, bedarf es einer langen Ausbildung", sagt er, umfasst den Holzschaft spielerisch in der Mitte.

Nicht zu kurz kommt auch die Herstellung von Papier, der Druck auf Papier oder auf Stofftüchern und die Bearbeitung von Fasern, Ledern oder Fellen. In der fast 100 Meter langen Seilerei aus Niedersachsen sind "Doppelspinnbahnen" aufgebaut. Gezeigt wird auch, wie Arbeit und Wohnen früher zusammengehörten.

Oben, auf der Höhe des Tals steht die Museumsschreinerei. Mit einfachen Werkzeugen schnitzen Mitarbeiter Holzlöffel oder fertigen Holzschuhe. Dabei erfährt der Besucher, dass die Holzschuhe aus dem Münsterland nach Holland kamen, sie aber auch im Bergischen Land in der Frühindustrie sehr wichtig waren. Wer auf einem heißen Boden arbeitete, der trug Holzschuhe, wie auch der, dem schwere Werkzeuge oder Werkstücke auf den Fuß fallen konnten. Da auch Nahrungs- und Genussmittel von Hand produziert werden mussten und zum Teil heute noch produziert werden müssen, findet sich auf der Querstraße am Wendepunkt des Museums eine Bäckerei, eine kleine Hausbrauerei oder eine Räucherei. Verkauft wird zum Beispiel im Museumsofen gebackenes Brot – Stuten oder Graubrot.

In der alten Colonialwaren-Großhandlung Bommers & Schuchart ist die Zeit stehengeblieben. Es riecht nach frischem Kaffee, zu sehen ist aber auch die westfälische Senfproduktion.

"Handwerk macht Spaß"

In der Gesenkschmiede glüht wieder das kleine Werkstück. Stefan Austermann dreht den Nagelkopf und schlägt ihn so, dass der Zimmermann oder Dachdecker ihn später ins Holz schlagen kann. Kupfernägel spalten das Holz nicht. "Handwerker brauchen die Nägel für den Bau von Holzhäusern oder Holzbooten", sagt er.

Er gibt den jungen Besuchern mit auf den Weg, sich nicht nur über den PC Gedanken zu machen, sondern auch über das Handwerk. "Ich sage Euch, das macht Spaß", sagt er und legt den erkalteten Nagel in eine große Kiste.

Foto
Stefan Austermann produziert im Freilichtmuseum Hagen mit alter Technik und dem richtigen Hammerschlag für die Besucher besondere Nägel, die beim Bau von Holzhäusern oder Holzbooten eingesetzt werden können. Foto: wos
Quelle: RP
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