Hückeswagen: Arbeit auf der Straße
VON BRIGITTE NEUSCHÄFER - zuletzt aktualisiert: 03.05.2007Hückeswagen (RPO). Sie warten nicht, bis die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit ihren Problemen zu ihnen kommen – sie gehen zu den jungen Leuten: Natalie Vesper und Andreas Pschibilinski arbeiten ab sofort als Streetworker für die Stadt.
Ab sofort hat die städtische Jugendarbeit eine zweite Säule neben dem Jugendtreff: „Aufsuchende Jugendarbeit“ heißt der offizielle Begriff für das, was Natalie Vesper (23) und Andreas Pschibilinski (39) tun. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass viele junge Leute aus der bunten Szene in der Stadt mit ihren Problemen nicht in feste Einrichtungen gehen, die Hilfestellung leisten könnten, sondern dass sie da gezielt angesprochen werden müssen, wo sie sich mit ihren Cliquen aufhalten: auf der Straße.
„Viele hungern geradezu nach der persönlichen Ansprache“, weiß Andreas Pschibilinski – aus eigener Erfahrung. Er selbst bewegt sich seit Jahren in der Szene, die jungen Leute kennen ihn, nennen ihn „Tschibi“. Über den früheren Stadtjugendpfleger Jost Belzer kam der heute 39-Jährige vor Jahren zum Team des städtischen Jugendtreffs. Er arbeitete intensiv mit und weiß seitdem, wie wichtig es ist, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Perspektiven aufzuzeigen. „Wir müssen Hilfe zur Selbsthilfe geben“, sagt „Tschibi“.
Die Streetworker
Die beiden Streetworker sind nicht bei der Stadt Hückeswagen angestellt, sondern arbeiten auf Honorarbasis.
Der Etat für die städtische Jugendarbeit wird dadurch nicht belastet, versichert Bürgermeister Uwe Ufer.
Der festgelegte Arbeitsumfang beträgt für beide Honorarkräfte 80 Stunden im Monat.
Seine Kollegin Natalie Vesper sieht es ebenso. Während Pschibilinski aus der Praxis kommt, ist sie Sozialwissenschaftlerin mit Studienschwerpunkt soziale Arbeit und Erziehung. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über die Entstehung von Gewalt, mit dem Themenkomplex Jugend und Gewalt hat sie sich intensiv befasst.
Zusammen werden beide nun erst einmal ein Konzept erarbeiten, nach dem sie in den nächsten Monaten ihre Arbeit auf der Straße strukturieren. Klar ist für die Streetworker eine wichtige Zielsetzung: „Wir müssen Akzeptanz schaffen unter den unterschiedlichen Gruppen in und außerhalb der Szene. Kommunikation ist das A und O.“
Die Verantwortlichen bei der Stadt sehen die Arbeit der Streetworker neben dem sozialen Aspekt durchaus auch als „ordnungspolitische Aufgabe“, wie Bürgermeister Uwe Ufer und Fachbereichsleiter Peter Schiebahn gestern in einem Pressegespräch unterstrichen. Weniger Provokationen, weniger Gewalt gegen Menschen und Sachen – darum geht es letztlich. „Das“, so Ufer, „können wir nicht nur mit Sanktionen erreichen. Wir müssen agieren und dürfen nicht nur reagieren.“
Die Streetworker bilden zwar eine neue Säule der städtischen Jugendarbeit, auf Kosten der Arbeit im Jugendtreff soll das aber nicht gehen. „Wir wollen weiterhin auch die vorbeugende Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in unserer Einrichtung“, unterstrich Ufer. Stadtjugendpfleger Michael Schmoldt und sein Team leisteten sehr gute Arbeit – Ufer: „Die machen da einen tollen Job.“ Die Streetworker werden es mit einer anderen Klientel zu tun haben, mit einer bunten Szene, die sehr vielschichtig ist. „Unsere Aufgabenstellung wird breit gefächert sein“, sagt Natalie Vesper. Bange ist ihr und Andreas Pschibilinski davor nicht.
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