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Hückeswagen: Auf den Spuren der Geschichte

VON HANNA KOCH - zuletzt aktualisiert: 16.10.2009

Hückeswagen (RPO). Durch den niedrigen Wasserstand der Wuppertalsperre liegen Bauwerke aus dem 19. Jahrhundert frei. Am Haus Hammerstein entdecken Heimatforscher ein altes Wehr, einen Wasserarm und die Grundmauern einer Filzfabrik.

Heimatforscher Wilfried Egerland ist sicher: Der künstliche Seitenarm der Wupper verlief früher durch einen Stollen im Berg, um auf der anderen Seite die Turbine der Filzfabrik anzutreiben. Foto: RPO

"Das habe ich noch nie gesehen", sagt Wilfried Egerland und klettert über das alte Wehr, das durch den Tiefstand der Wuppertalsperre begehbar geworden ist.

Der pensionierte Lehrer und Hobby-Historiker, der im Verein Bergische Zeitgeschichte (BZG) aktiv ist, beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte von Haus Hammerstein. "Aber sich mit den alten Bauwerken zu befassen, war gar nicht möglich, normalerweise steht hier ja alles unter Wasser."

Wie die BM am Mittwoch berichtete, ist der Wasserstand der Wuppertalsperre derzeit so niedrig, dass der ursprüngliche Flusslauf, von Hückeswagen bis Kräwinklerbrücke, wieder zu sehen ist. Und so tauchen Zeugnisse vergangener Zeiten auf, beispielsweise das Wupperwehr, das praktisch unbeschädigt geblieben ist. Auf einem der großen Steine aus Grauwacke ist zu lesen: "E von Meister Leopold Schmidt".

Info

Historische Daten

Um 1835 Das Wupperwehr wird durch Leopold Schmidt angelegt.

Um 1846 Die Fabrik wird als Spinnerei errichtet, später wird Filz hergestellt. 150 Menschen sollen dort gearbeitet haben.

1917 Die Bergischen Licht- und Wasserkraftwerke übernehmen die Firma und nutzen die Wasserkraft der Turbinen.

1933 Das Gebäude wird vom Freiwilligen Arbeitsdienst (ab 1935: Reichsarbeitsdienst) genutzt.

1939-1945 Nutzung als Kriegsgefangenenlager.

1967 Abrissarbeiten durch den Wupperverband, 1982-1987 Bau der Wuppertalsperre.

Der Buchstabe "E" steht für "erbaut", eine Jahreszahl ist nicht graviert worden. "Das Wehr muss in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt worden sein, denn zu dieser Zeit lebte und arbeitete der Baumeister Leopold Schmidt", erzählt Egerland, der sich nun weiter auf die Spitze des Wehrs vorwagt.

Dort sind alte Holzsparren zu sehen, gehalten von großen Nägeln aus Eisen. Die Nägel ragen hoch aus dem Holz hervor. "Ich vermute, das Wehr konnte mit zusätzlichen Holzbalken künstlich erhöht werden", sagt Egerland. "Die Eisenpflöcke dienten zur Stabilisierung."

Vor dem Wehr verläuft ein Wasserarm, der in Richtung Anhöhe vom Fluss abzweigt. "Der ist auf jeden Fall künstlich angelegt worden", sagt Egerland. "Dafür sprechen die seitliche Befestigung aus Stein sowie der sehr gerade Verlauf des Wasserarms."

Das alte Wupperwehr liegt derzeit auf dem Trockenen. Foto: RPO

Heute verläuft das Rinnsal ins Leere, Egerland vermutet aber, dass es hier im 19. Jahrhundert anders aussah: "Da muss es einen Stollen gegeben haben, der das Wasser auf die andere Seite der Anhöhe führte." Der Grund: Dort wurde um 1846 eine Spinnerei errichtet. Das durch den Stollen kommende Wasser wurde zunächst über eine Turbine geführt und dann in die Wupper abgeleitet. So wurde der Strom für die Fabrik erzeugt.

Der Stollen findet Erwähnung in einer Schrift von Albert Schmidt, dem Enkel des Wehrbauers Leopold Schmidt. Daher wissen Historiker von der Existenz des Durchbruchs. Heute ist von einem Weg durch den Berg keine Spur mehr zu sehen.

Dafür sind einige Grundmauern der Spinnerei, die später als Filzfabrik betrieben wurde, noch erhalten. Auch sie verschwinden bei höherem Wasserstand im See, liegen aber derzeit auf dem Trockenen. Viel ist nicht mehr erhalten: Einzelne Mauern aus Grauwacke stehen noch. Wo der Stollen gewesen sein mag, lässt sich nur noch vermuten.

"Ich habe mich bisher nur mit der Geschichte der Fabrik beschäftigt, die zur Zeit des Nationalsozialismus als Arbeitslager für sowjetische Kriegsgefangene diente", erzählt der Lenneper Wilfried Egerland. "Die Historie der Bauten war bisher nicht von großem Interesse." Wenn der Wasserstand so niedrig bleibt, will er aber weiter forschen: "Das hier ist Geschichte zum Anfassen."

Quelle: RP

 
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