Hückeswagen: Baby-Impfungen gesichert
VON SEMIHA ÜNLÜ - zuletzt aktualisiert: 12.02.2010Hückeswagen (RPO). Trotz des bundesweiten Lieferengpasses beim wichtigsten Impfstoff für Kleinkinder brauchen sich Eltern in der Schloss-Stadt keine Sorgen zu machen. Kinderarzt Dieter Bulle und das Kreisgesundheitsamt geben Entwarnung.
Kontakt für Impfungen
Örtliche Kinderarzt-Praxis Dieter Bulle, Etapler Platz 52, Tel. 851097, Sprechstunde montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr, montags und dienstags auch von 15 bis 17 Uhr, donnerstags zusätzlich von 16 bis 18 Uhr und freitags von 13 bis 14 Uhr.
Kreisgesundheitsamt in Gummersbach, Moltkestraße 42, Sprechstunden von 9 bis 11 Uhr und donnerstags von 14 bis 16. Eine telefonische Anmeldung unter Tel. 02261 885305 ist erforderlich. Infos im Internet:
Aufatmen bei Hückeswagener Eltern: Die für Säuglinge wichtige Impfung mit dem Sechsfach-Impfstoff "Infanrix Hexa" gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung, Keuchhusten, Haemophilus influenzae und Hepatitis B ist weiterhin gesichert. Mitte Januar, also vor knapp einem Monat bereits, hatte der Pharma-Großkonzern GlaxoSmithKline Lieferengpässe angekündigt. Beim hiesigen Kinderarzt am Etapler Platz und auch beim für die Schloss-Stadt zuständigen Gesundheitsamt des Oberbergischen Kreises können Eltern ihre Kinder aber weiterhin impfen lassen. Dennoch kritisieren einige Ärzte den Pharma-Hersteller.
Impfstoffe werden kombiniert
In der Praxis, die Kinderarzt Dr. Dieter Bulle seit 2003 in Hückeswagen betreibt, ist die Situation alles andere als besorgniserregend. "Als Kinderarzt-Praxis achten wir selbst auf einen Vorrat an Impfstoffen", sagt der 61-Jährige, "doch wir haben uns auch mit einigen aus der Apotheke eingedeckt". Er kalkuliert so: "Pro Woche impfen wir durchschnittlich acht Kleinkinder. Demnach reichen unsere Ampullen für die nächsten zwei bis drei Wochen. Akut ist die Lage bei uns also nicht." Auch das Kreisgesundheitsamt in Gummersbach hat Mitte dieser Woche Entwarnung gegeben.
Der Leiter des ärztlichen Dienstes im Gummersbacher Gesundheitsamt, Dr. Thomas Bauer, beschwichtigt Eltern. Der derzeitige Lieferengpass beschränke sich ausschließlich auf den Sechsfach-Impfstoff. Durch eine Kombination von Drei- oder Vierfach-Impfstoffen könne der Engpass überbrückt werden: "Genau das hat man vor zehn Jahren ja auch gemacht, als es noch keinen Sechsfach-Impfstoff gab."
Zudem habe eine Verschiebung der Impfungen um lediglich ein bis zwei Wochen keinen nachteiligen Effekt. Und länger wird wohl keiner warten müssen: In einigen Tagen, so kündigt das Pharmaunternehmen auf seiner Homepage an, werde der Impfstoff wieder lieferbar sein.
Der Wipperfürther Kinderarzt Jochen Herding sieht es skeptisch. Er bezweifelt, dass die Lieferungen vor Ende Februar in seiner Praxis ankommen werden. Grund: "Wir haben mit der uns beliefernden Apotheke gesprochen, und dort sagte man uns, dass mit den Ampullen erst Ende des Monats gerechnet werden kann." Dass der Impfstoff laut GlaxoSmithKline in Kürze wieder lieferbar sei, sage schließlich noch nichts über die Mengen aus. Herding: "Wie viele Ampullen wird das Unternehmen denn liefern können? 1000 oder 5000 oder noch mehr?"
Trotz der entspannten Situation in Hückeswagen verurteilt Dr. Bulle das Verhalten des englischen Pharma-Herstellers. Das Unternehmen, das in Dresden produziert, könnte – wie auch andere Pharma-Konzerne – wegen der Produktion an Schweinegrippe-Pandemie-Impfstoffen überlastet gewesen sein, heißt es.
Engpass "mindestens auffällig"
Das Unternehmen selbst weist den Vorwurf aber zurück. Dr. Bulle meint dennoch: "Ich hätte mir ein vorausschauendes Verhalten gewünscht. Es geht schließlich um Impfungen für Kinder." Und sein Wipperfürther Kinderarzt merkt ebenfalls kritisch an, dass der Engpass zu dieser Zeit "doch mindestens auffällig" sei.
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