Hückeswagen: „Dramatischer Lebenslauf“
VON NORBERT BANGERT - zuletzt aktualisiert: 17.02.2007Hückeswagen (RPO). Um seinen Drogenkonsum zu finanzieren, hat ein 20-Jähriger aus Radevormwald mehrere Einbrüche verübt, auch in Hückeswagen. Zwischenzeitlich war er nach Spanien geflüchtet. Jetzt wurde sein Fall am Amtsgericht verhandelt.
Ohne Bewährung
Zu zwei Jahren Jugendstrafe ohne Bewährung ist der 20-jährige Radevormwalder vom Amtsgericht in Wipperfürth verurteilt worden.
Alle Prozessbeteiligten, auch der Verteidiger des Radevormwalders, sahen nur diese Möglichkeit, der Drogenkarriere des Mannes endlich ein Ende zu setzen.
In der Haftzeit kann der junge Mann eine Therapie beginnen.
Die Jugendgerichtshilfe sprach von einem „dramatischen Lebenslauf“, und selbst der Verteidiger des Angeklagten räumte die „Notwendigkeit eines Jugendarrestes“ ein. Verhandelt wurde vor dem Amtsgericht in Wipperfürth gegen einen mittlerweile 20-jährigen Drogenabhängigen aus Radevormwald. Er hatte Ende 2006 eine Serie von Diebstählen und Einbrüchen in Radevormwald und Hückeswagen begangen. Das Motiv: Finanzierung seiner Drogensucht.
Eine „schwere Kindheit“
„Ich habe versucht, die Anzahl der Einrichtungen aufzulisten, in denen er eine Therapie begonnen hatte – es ist mir trotz intensiven Bemühens nicht gelungen, Herr Richter.“ Dieser Ausspruch des Vertreters der Jugendgerichtshilfe sprach für sich. Der Angeklagte hatte „eine schwere Kindheit“ – und das sei, da waren sich die Prozessbeteiligten einig, in diesem Fall nicht nur eine Floskel. Bereits als Kind war der heute 20-Jährige von seiner drogenabhängigen Mutter zu den Großeltern gekommen. „Auch hier gab es ständig Konflikte“, berichtete der Jugendgerichtshelfer aus den Akten.
Die Drogenkarriere des jungen Mannes begann früh. Bereits mit zwölf Jahren nahm er Rauschgift, im Laufe der Jahre steigerte sich der Konsum immer mehr. Nach Angaben des Verteidigers benötigt der junge Radevormwalder mittlerweile zwei Gramm Heroin pro Tag.
Kritik übte Jugendrichter Dietmar Haag an der Radevormwalder Wohneinrichtung „Haus am Fluss“, wo der Drogenabhängige zuletzt untergebracht war. „Ich erinnere mich noch an eine vorhergehende Verhandlung, die genau zum Zeitpunkt der Diebstahl-Serie stattfand. Damals hatten der Leiter von ,Haus am Fluss’ und der Angeklagte noch von guten Aussichten auf Besserung gesprochen. Wie kann das sein?“, fragte der Richter. Selbst der Angeklagte, der bei der Verhandlung einen hellwachen Eindruck machte, bestätigte: „Ich war doch vielleicht nur vier bis fünf Stunden in der Einrichtung. Die Leitung wusste doch gar nicht, was ich sonst mache.“
Zwei Jahre Jugendarrest
Der Angeklagte verfolgte den Prozess und das anschließende Urteil relativ emotionslos. Als die Staatanwältin von den möglichen Chancen innerhalb der Jugendstrafanstalt sprach, grinste der 20-Jährige sogar ein wenig vor sich hin. Möglicherweise wird ihm das jetzt vergehen.
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