Hückeswagen: Bever-Natur im Fernglas
VON NORBERT BANGERT - zuletzt aktualisiert: 09.09.2008Hückeswagen (RPO). Zur „Entdeckerwoche“ hatte das Wasserquintett in der vorigen Woche eingeladen, und viele sind der Einladung gefolgt. Am Samstag stand Tierbeobachtung an der Bever-Talsperrre auf dem Programm.
Fasziniert schauen die achtjährige Tabea und der elfjährige Nils mit ihren Ferngläsern zu der großen Wiese auf einer Anhöhe nahe der Bever-Talsperre. Bis zu 60 Gänse tummmeln sich dort in den Abendstunden. „Dort hinten seht Ihr die Wächter-Tiere. Das sind die Beobachter, sie warnen die anderen auf der Wiese, wenn natürliche Feinde wie ein Marder, ein Fuchs oder ein Habicht heranrücken“, erklärt Hans Hardt, ein passionierter Jäger, Forstwirt und Naturschützer. „Die Vögel sind auf dem Weg von der Neye- an die Bever-Talsperre. Sie kommen aus ganz Europa“, erklärt Hans Hardt weiter, und die Kinder staunen. Auch für den Fachmann ist die Artenvielfalt außergewöhnlich und faszinierend. Tatsächlich muss sich vor Kurzem eine Nilgans mit einer Kanadagans gekreuzt haben. Das Ergebnis steht nun auf der großen Wiese und ist selbst für einen Vogelkundler schwer zu definieren.
Die Besichtigung der Gänse war der Höhepunkt einer kleinen Entdeckerreise von Tabea und Nils. Ihr Vater, Kai Berger, hatte die beiden zu einer gemeinsamen Veranstaltung des Wasserquintetts und des Hückeswagener Hegerings mitgenommen, die am Samstag großen Zuspruch fand. „Alleine im Raum Hückeswagen/Wipperfürth haben am Wochenende elf Erwachsene und 16 Kinder an unserem Abend-ansitz teilgenommen“, freute sich Hans Hardt, der für die hiesige Jägerschaft die Tierbeobachtungen koordinierte.
Ziel der Aktion war es, vor allem den Kindern – aufgeteilt in kleine Gruppen – die Natur im Allgemeinen und den heimischen Naturraum rund um die fünf Talsperren des Wasserquintetts im Besonderen näher zu bringen. „Kinder, die das einmal erlebt haben, werfen keinen Müll in den Wald oder zünden darin ein Feuer an“, erläuterte Hardt das pädagogische Konzept.
Für Tabea und Nils begannen die Beobachtungen allerdings mit einer Geduldsprobe. Zuerst ging es nämlich auf einen Hochsitz, von dem aus sich normalerweise gut die Tiere des Waldes beobachten lassen. Diesmal blieb’s jedoch ruhig. „Das Einzige, was wir sehen konnten, war ein Schwarzspecht, sicherlich ein seltener Vogel“, berichtet Hardt. Von Rehen und anderen Wildtieren also keine Spur. Aber auch dieses „Frustrationserlebnis“ sei letztendlich wertvoll, so Hardt weiter. Denn die Natur arbeite eben nicht nach einem vom Menschen gemachten Zeitplan.
Immerhin gab es im Wald noch Bodenspuren von einem Wildschwein in Form einer umgeklappten Grasnarbe zu entdecken. „Diese Tiere können sehr gut riechen und suchen mit ihrer Spürnase Würmer und Insekten“, erklärte Hardt. Nach knapp zwei Stunden endete der Spaziergang für die kleine Entdeckergruppe. Und es blieb die Erkenntnis: Auch ganz in der Nähe kann man die kleinen Wunder der Natur genießen.
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