Hückeswagen: Die Toten mahnen zum Frieden
VON NORBERT BANGERT - zuletzt aktualisiert: 17.11.2008Hückeswagen (RPO). Vertreter aus Politik, Verwaltung und Vereinen legten gestern zum Volkstrauertag Kränze am Friedhof und in Voßhagen nieder. Bürgermeister Uwe Ufer mahnte, Fehler aus der Vergangenheit nicht wieder zu begehen.
„Mutter Erde“
Sinnbild und Bedeutung Mythologischer Begriff aus der Vorzeit.
Kultischen Verehrung Die Natur schenkte den Menschen die lebensnotwendige Nahrung und bot außerdem Schutz in Form von Felsspalten oder Höhlen
Steinzeitfunde Weiblichen Skulpturen der jüngeren Altsteinzeit (etwa 40 000 bis 8000 v. Chr.). Die ältesten Funde sind zirka 30 000 Jahre alt.
Der Volkstrauertag ist in Deutschland der Gedenktag für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. So spielt sich jedes Jahr auf den Friedhöfen der Republik ein Ritual ab, bei denen Vertreter des öffentlichen Lebens an Soldatengräbern Kränze niederlegen. So auch gestern in Hückeswagen. Traditionell sind dabei zwei Orte Ziel der Delegationen: das Mahnmal der „Mutter Erde“ auf dem Friedhof Am Kamp und der russische Ehrenfriedhof in Voßhagen. Auf dem Friedhof in der Stadt befinden sich auf einem separaten Teil die Gräber von Hückeswagener Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Das Mahnmal „Mutter Erde“ erinnert dabei an die toten Soldaten. Unter den Klängen des Posaunenchors Scheideweg traf Bürgermeister Uwe Ufer, unter anderem begleitet von Vertretern des Stadtsportverbands, des Stadtkulturverband, des Sozialverbands VdK sowie der Feuerwehr und des Schützenvereins, an der Stelle ein.
Nach der Kranzniederlegung zitierte der Bürgermeister in seiner Ansprache einen Satz von Max Frisch: „Feindbilder sind sicher nicht die Ursache für einen Krieg; aber sie erleichtern das Marschieren.“ Einerseits zeigte sich Ufer in seiner Rede erleichtert, dass sich in Europa die „wenig heldenhaften Schusswechsel in Schützengräben auf einen unsichtbaren Feind“ nicht so schnell wiederholen werden. Doch dann mahnte er: „Dennoch darf nicht verkannt werden, dass auch in scheinbar aufgeklärten Zeiten immer noch viele Feindbilder existieren. Und erschreckenderweise kommen auch heute noch neue hinzu.“
Vor allem seien in den vergangenen Jahren besonders die Staaten des Nahen und Mittleren Ostens als neue Feindbilder auserkoren worden und nach den Anschlägen vom 11. September in den USA in vielen Fällen Muslime generell und unreflektiert als neue Feinde ausgemacht worden. „Hier werden bedauerlicherweise Fehler wiederholt, von denen man eigentlich gedacht hatte, sie wären durch die Lehren des Zweiten Weltkrieges überwunden“, betonte Ufer.
Dass der Verwaltungschef letztendlich doch ein Optimist ist, zeigte sich im letzten Teil seiner Rede. So stimme ihn froh, dass in der heutigen Zeit unqualifizierten Vorurteile und Feindbilder nicht mehr unwidersprochen geäußert werden könnten. „Die Gesellschaft ist wesentlich sensibler geworden und – von einigen ewig Gestrigen abgesehen – nicht mehr so leicht bereit, auf solch fehl geleitete Züge aufzuspringen“, zeigte sich Ufer überzeugt.
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