Hückeswagen: Energiewende sieht anders aus
VON HARALD KNOOP - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012Hückeswagen (RP). Knapp 1892 Megawattstunden Strom werden jährlich in Oberberg verbraucht. Aus erneuerbarer Energie stammen gerade einmal 72 – das entspricht 3,8 Prozent. Der Kreis lässt prüfen, was noch möglich ist.
Mit seinem Anteil an regenerativ erzeugter Energie steht Oberberg ziemlich dürftig da. Landesweit wird immerhin bereits 5,9 Prozent des Stroms so produziert, im Bundesschnitt sind es sogar schon fast 17 Prozent. 35 Prozent sind Zielprojektion der Bundesregierung. Im Kreisentwicklungsausschuss legte jetzt Klaus Weber, Vorstand des Aachener Energieberatungsbüros Adapton, diese ernüchternden Zahlen seiner Untersuchung vor. Die Firma soll im Auftrag des Kreises als nächstes untersuchen, welche realistischen Möglichkeiten für regenerative Energieproduktion in Oberberg bestehen.
Um die Studie zum Ist-Zustand hatte es im Vorfeld viel Streit gegeben. Sie wurde als überflüssig kritisiert, weil alle für ein zukunftsweisendes Energiekonzept benötigten Daten bereits vorlägen. Man brauche sie nur zusammenzutragen. CDU und FDP im Kreistag sahen das anders. Es gebe bislang keine umfassende Datenerhebung, auf deren Basis man tatsächlich das Potenzial erneuerbarer Energien im Kreis abschätzen könne.
Was ist noch möglich?
Und darum geht es: Was ist eigentlich möglich an regenerativer Energieerzeugung in einem Kreis, der nicht so viel Wind hat wie die Nordsee-Anrainer und nicht so viel Sonne wie Mittelmeer-Länder? 19 Windkraftanlagen gibt es bislang im Kreis. Die meisten stehen in Radevormwald, zwei in Hückeswagen. Die 19 Windräder produzieren zusammen doppelt so viel Strom wie sämtliche 1800 Photovoltaikanlagen auf oberbergischen Dächern zusammen (Stand 2010, neuere Daten sollen folgen).
Die meisten Solaranlagen gibt es in Wipperfürth und Lindlar, die meisten Wasserkraftanlagen in Engelskirchen und Gummersbach. In Hückeswagen betreibt der Wupperverband eine an der Bever. Bei der Energiegewinnung aus Deponiegas und Biomasse liegt Lindlar mit der Zentraldeponie Leppe vorn. Dort ist auch der Sitz des Energie-Beratungszentrums.
Vom Tiger zum Bettvorleger?
Die Datensammlung für Oberberg will Weber bis zum Frühjahr komplettieren, um auf dem Status Quo aufbauend die Möglichkeiten und Empfehlungen für den Ausbau regenerativer Energiegewinnung abzuleiten. Für CDU und FDP steht schon fest: Oberberg zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie zu versorgen, wird in den nächsten 50 Jahren nicht gelingen. Für realisierbare Schritte hin zu mehr erneuerbarer Energie plädierte Ausschussvorsitzender Bodo Löttgen (CDU): "Wir wollen nicht als Tiger starten und als Bettvorleger landen."
Helmut Schäfer (Grüne) war das alles zu unambitioniert. Man müsse sich hohe Ziele stecken, um überhaupt voranzukommen, erklärte er. Und ergänzte: "Das nächste Fukushima kommt, mal sehen, wie Sie dann reden."
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