Hückeswagen: EvB bleibt beim Nein
VON STEPHAN BÜLLESBACH - zuletzt aktualisiert: 26.02.2010Hückeswagen (RPO). Sollte in Hückeswagen eine gymnasiale Dependance für Schüler der Klassen fünf bis neun eingerichtet werden, wird das EvB-Gymnasium nicht daran beteiligt sein. Der stellvertretende Schulleiter Jürgen Thiel nennt die Gründe.
Im August hatte Matthias Fischbach-Städing der Stadt ein besonderes Angebot gemacht: Der Schulleiter des Radevormwalder Theodor-Heuss-Gymnasiums schlug vor, in der Schloss-Stadt eine Dependance der Sekundarstufe I seiner Schule einzurichten.
Dieses Thema steht am Montag, 1. März, 17 Uhr, im Mittelpunkt des Schulausschusses. Das THG wird wohl der einzige Bewerber sein, denn Jürgen Thiel lehnt eine solche Schullösung für das EvB-Gymnasium kategorisch ab. "Unterm Strich sehen wir die Vorteile nicht", betont der stellvertretende Schulleiter im Gespräch mit der BM.
"Wir können die Eltern gut verstehen, wenn sie ihre Kinder nicht mit dem Bus zur Schule schicken möchten", sagt Thiel. Würde aber das EvB – 1075 Schüler, davon 321 Hückeswagener – einen Teil seiner Sekundarstufe I auslagern, würde das die Angebote der Schule für die Schüler aus der Schloss-Stadt drastisch einschränken. So wäre in Hückeswagen aus logistischen Gründen kein bilingualer Unterricht möglich. Im sechsten Schuljahr wird die zweite Fremdsprache (Französisch oder Latein) gewählt: "Dann könnte es ein Aufteilungsproblem geben, wenn die eine Gruppe zu groß, die andere zu klein ist."
Jürgen Thiel
Jürgen Thiel ist seit 2003 am EvB-Gymnasium. Nachdem die langjährige Rektorin Marga Radermacher im vorigen Jahr zur Bezirksregierung Köln gewechselt ist, übernahm der stellvertretende Schulleiter die kommissarische Leitung des Gymnasiums. Die Ausschreibung der Rektor-Stelle ist bereits heraus gegangen, Thiel hat sich aber nicht beworben. "Ich bleibe stellvertretender Schulleiter", sagte er der BM.
Überhaupt sieht er für die Differenzierung Schwierigkeiten: Das gilt ab der Klasse 8, wenn unter einer dritten Fremdsprache, einer weiteren Natur- oder Gesellschaftswissenschaft gewählt werden muss, gleiche Probleme gäbe es auch beim Religionsunterricht und die Frage Kunst oder Textilgestaltung.
Eine Dependance müsste eine eigene Infrastruktur des EvB zur Folge haben. Dazu käme, dass die Lehrer zwischen den Städten hin und her pendeln müssten. "Dann stünden sie in dieser Zeit aber nicht mehr für Gespräche untereinander oder für die Eltern zur Verfügung, könnten kein Unterrichtsmaterial zusammenstellen oder Versuche vorbereiten", betont Thiel. Auch befürchtet er, dass sich dann noch weniger Lehrer am EvB bewerben würden. "Die Rheinschiene ist für viele ohnehin attraktiver."
Dass auch das EvB in den nächsten Jahren vom demografischen Wandel mit zurückgehenden Schülerzahlen betroffen sein wird, weiß auch Thiel. "Wir sind in einer verzwickten Lage: Bewerben wir um eine Dependance, machen wir das wider besseren Wissens. Sagen wir nein, riskieren wir, dass uns eine andere Schule Schüler abzieht." Das EvB lehnt dennoch ab, weil eine Sekundarstufe I in Hückeswagen nicht Existenz bedrohend sei.
Zudem würde eine eigene Dependance die Verschlechterung des Angebots bedeuten. So sieht das auch Wipperfürths Bürgermeister Michael von Rekowski: "Das hätte einen Qualitätsverlust zur Folge." Interne Berechnungen hätten zudem ergeben, dass der Bestand des EvB nicht gefährdet sei – selbst wenn die Sekundarstufe I von keinem Hückeswagener Schüler mehr besucht werden würde.
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