Hückeswagen: Fernsehreife Kolping-Sitzung
VON FRANZ MOSTERT - zuletzt aktualisiert: 21.02.2012Hückeswagen (RP). Die Karten für die traditionelle Galasitzung der Kolpingsfamilie am Sonntag waren nach kürzester Zeit verkauft. Denn das Publikum weiß: Im Saal des Kolpinghauses wird jede Menge jecker Lokalkolorit präsentiert. Wie am Sonntag.
Seit präzise 80 Jahren ist die Kolpingsfamilie für den Sitzungskarneval in der Schloss-Stadt zuständig. Von Jahr zu Jahr fragen sich die Kenner der närrischen Szene, ob eine weitere Steigerung möglich ist. Dass die Antwort "ja" lautet, davon konnten sich die bunt kostümierten Jecken am Sonntagabend im Kolpinghaus-Saal überzeugen. Was sich dort zwischen 18 Uhr und Mitternacht unter der Moderation von Sitzungspräsident Tobias Bosbach und seinem Kleinen Rat abspielte, war in der Tat eine wie an einer bunter Perlenkette aufgereihten Serie von Pointen ohne auch nur den Anflug von "Niederungen".
Die Stadt aufs Korn genommen
Was seit eh und je zum Sitzungskonzept der Galasitzung gehört, ist "Heukeshowwer Lokalkolorit". Passiert war im vorigen Jahr reichlich von dieser "Spezies". Beispiele: Kaufkraft-Umlenkung via Ortsumgehung, Fledermaus-Luxus im Höhsieper Tunnel, Haus-Zach-Kultur, Schloss-Verkauf, permanente Stadt-Rettung durch den Bürgermeister, Schlosshagen-Kötteleien, Swap-Geschichten, Annäherungen an Baulemanien (Wipperfürth) und vieles Weitere mehr.
Sitzungs-Geschichte
Seit wann "Fasselowends-Sitzungen" der Kolpingsfamilie (früher "Gesellenverein") gibt es seit 1922. Unterbrechungen Im "Dritten Reich" gab es keine Galasitzungen; Grund: das Vereinsverbot. Zudem fiel die Sitzung 1962 im Angesicht der Hamburger Flut-Katastrophe aus. Künstler Vorwiegend vereinseigene Büttenredner und Kretzchen-Sänger. Programm Hauptsächlich kritische Betrachtungen örtlicher Begebenheiten. Leitung "Kleiner Rat" mit Präsident und Beisitzern.
Das ging los mit "ungeheuren" Stadtbütteleien, setzte sich beim "Knüppel-Johen" (Nordic Walken) fort, erreichte die eiskalte katholische Kirche, ging beim "Weber" vom Denkmal weiter und kam schließlich beim "Fall für Zwei" an. Dem allen setzte "Julchen Heilig" eine richtige scheinheilige "Gloriole" auf und fand beim "Paul Posthorn" zum raketengestützten Höhepunkt.
Die Würze für die Galasitzung bringen jedes Mal Kretzchen-Sängerinnen und -Sänger. Da gibt es den Bosbach/Pille-Gesang, und die absolut professionellen Hits der "Küttels vamm Morjenstern" setzen allem die Krone auf. Da lohnt es sich, das Repertoire aufzuschlagen: "Weg ist die ganze Kohle" (Städtischer Umgang mit Steuergeldern), "Schlossverkauf" (Bekloppter geht es nicht!), "Ufers Arbeitstag" (täglicher Gedanke: "Hückeswagen retten!") und "Vor dem Damenklo" (Schlange in der Sitzungspause).
Die Kolping-Jugend mischt mit Klasse-Gags tüchtig mit. Das tat auch Gerd auf der Köln-Bütten-Schiene, und das machte sich gut beim Auftritt der blau-weißen Nachwuchsgarden von der Neye. Auch das Männerballett muss sein.
Doppelter geistlicher "Beistand"
Die Kolpingsfamilie hatte am Sonntag während ihrer 80. "Gala" doppelten geistlichen "Beistand". Zum einen war Kaplan Dr. Johannes Wolter da, der staunte: "Die Sitzung ist ja fernsehreif! Das hätte ich nicht erwartet." Zudem war der ehemalige Präses, Pastor Werner Muthig, aus Lindlar angereist, der morgen, Aschermittwoch, sein goldenes Priesterjubiläum begeht.
Nach sechs Stunden Sitzung rief Präsident Tobias Bosbach dann in den Saal: "Die letzte Rakete gilt querbeet einem tollen Publikum – vom Bürgermeister herab bis zum letzten Steuerzahler."
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