Hückeswagen: Flosbach hat gepunktet
VON BRIGITTE NEUSCHÄFER - zuletzt aktualisiert: 01.04.2011Hückeswagen (RPO). Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern? Das Bonmot wird Konrad Adenauer zugeschrieben. Derzeit scheinen sich bundesweit viele Parteistrategen daran zu orientieren. Dass ein Politiker seine Meinung zu einem wesentlichen Thema auch ändern kann, ohne die frühere Haltung als dummes Geschwätz selbst abzuwerten, bevor es andere tun, machte der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Flosbach am Mittwochabend in Hückeswagen deutlich. Dass sein Umdenken in Sachen Atomkraft durch die Katastrophe in Japan und nicht mit Blick auf Wahlergebnisse in Baden-Württemberg befördert wurde, kam, weil nachvollziehbar begründet, glaubhaft rüber. Und seine persönliche Stellungnahme zur deutschen Haltung im Libyen-Konflikt wurde im Saal ebenfalls als aufrichtig empfunden. Zumal sie nicht einher ging mit einer Verurteilung derer, die eine andere Entscheidung getroffen haben. Flosbach erntete Applaus bei diesem "Heimspiel" im CDU-Stadtverband. Auf anderen Bühnen und vor einem Publikum, das nicht nur aus Parteifreunden besteht, wird er es möglicherweise schwerer haben. Wenn es ihm auch dann gelingt, so authentisch rüber zu kommen wie im Kolpinghaus, dürfte er jedoch keine Gefahr laufen, in die derzeit lange Schlange der politischen Wendehälse einsortiert zu werden. Die eigene Meinung aufgrund neu gewonnener und neu bewerteter Erkenntnisse zu wechseln – und dazu auch zu stehen –, ist keine Schande. Eher ein Beweis für Lernfähigkeit. Flosbach hat in Hückeswagen gepunktet. Und das ist schon mal mehr, als mancher Bundespolitiker und Meinungs-Konvertit derzeit von sich behaupten kann.
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