Hückeswagen: Gänsebraten schaumig-schön
VON HEIKE KARSTEN - zuletzt aktualisiert: 23.02.2012Hückeswagen (RP). Das Altenzentrum Johannesstift bietet Bewohnern, die unter Schluck- und Kauproblemen leiden, eine spezielle Schaumkost an: Selbst Braten und Brote können püriert und aufgeschäumt werden.
Mit der Zubereitung der Speisen geben sich die Küchen- Mitarbeiter im Johannesstift viel Mühe: Der Speiseplan ist abwechslungsreich, wobei beim Mittagsmenü auch noch zwischen zwei Vari-anten gewählt werden kann. Doch nicht alle Heimbewohner sind in der Lage, das Essen auch zu genießen.
Mit zunehmendem Lebensalter verändert sich vieles: Geruchs- und Geschmackssinn sind oft weniger intensiv, der Appetit lässt nach, Zahnstatus und Erkrankungen lassen das Speisen mühselig werden. Laut Statistik leiden 80 Prozent aller an Parkinson oder fortgeschrittener Demenz erkrankten Patienten an einer Schluck- oder Kaustörung.
Es geht um Lebensqualität
Smoothfood-Literatur
Seit drei Jahren kümmern sich Herbert Till und der Schweizer Koch Markus Biedermann um die kulinarischen Bedürfnisse von Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden. In ihrem Kochbuch stellen sie die nahrhafte Sonderkostform aus passierten, pürierten und geschäumten Speisen vor – für Heim, Klinik und Zuhause. Buch "Smoothfood – 5 Sterne für die Heimküche", Lambertus-Verlag, 25,90 Euro.
Genuss beim Essen bedeutet Lebensqualität. Und die will auch das Küchen-Team im Stift den Bewohnern erhalten, denn: "Dazu zählen nicht nur gute Pflege und ein frisch bezogenes Bett, sondern eben auch das Geschmackserlebnis", betont Küchenleiterin Patricia Bosbach.
Das Zauberwort heißt "Smoothfood". Dafür werden Ideen aus der Molekularküche aufgegriffen. Frische, gegarte oder gefrorene Lebensmittel werden durch Schneiden, Mixen, Pürieren und Aufschäumen in eine geschmeidige ("smooth") Form gebracht, ohne ihre ernährungsphysiologische Hochwertigkeit zu verlieren. Der Nährwert und das Geschmackserlebnis bleiben voll erhalten. Ein Verschlucken ist, auch für Patienten mit Schluckbeschwerden, mit Schaumkost nicht möglich.
Patricia Bosbach kann schon von ersten Erfolgen berichten: "Besonders Menschen mit schwerem Schicksal, die ansonsten nur noch über eine Sonde ernährt werden können, erhalten durch ,Smoothfood' ein Stück Lebensqualität zurück." Dabei geht das Küchen-Team auch gerne auf individuelle Vorlieben der Senioren ein. "Manche haben Appetit auf ein Leberwurstbrot oder möchten noch mal den Geschmack von Bier erleben", sagt die Küchenleiterin zu Wünschen der Bewohner.
Seit das Altenheim im April vorigen Jahres externe Leistungen wie beispielsweise "Essen auf Rädern" eingestellt hat, konzentriert sich das Küchen-Team noch stärker auf die Bedürfnisse der Bewohner. Zu den zwölf Mitarbeitern in der Großküche zählen ein Koch, eine Diätassistentin, vier Hauswirtschafterinnen, eine Wirtschafterin und eine Hygiene-Fachkraft.
Genuss auch im hohen Alter
Nach Fortbildung der Mitarbeiter und ersten Versuchen in der Smoothfood-Technik gehört die Schaumkost mittlerweile zum festen Speisen-Angebot des Altenzentrums. Und so kommen die Bewohner des Stifts auch im hohen Alter noch in den Genuss von Gänsebraten und Rotkohl zu Weihnachten oder Fisch an Karfreitag – entweder ganz traditionell gekocht oder in der geschäumten Variante.
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