Hückeswagen: Harte Zeit für Forstwirtschaft
VON HEIKE KARSTEN - zuletzt aktualisiert: 22.02.2010Hückeswagen (RPO). Schadet dieser lange und harte Winter eigentlich dem Wald? Offenbar weniger als ein Orkan wie "Kyrill" von 2007, wie Revierförster Heiner Grüter erklärt. Den Forstunternehmen bereitet der Schnee jedoch logistische Probleme.
Heiner Grüter gibt Entwarnung: "Man kann wieder im Wald spazieren gehen", versichert der Revierförster. Durch das Tauwetter seien die Schneemassen der vorigen Wochen aus den Baumkronen verschwunden, so dass nicht mehr mit herab stürzenden Ästen oder gar umfallenden Bäumen gerechnet werden müsse. Und noch eine gute Nachricht hat Grüter parat: Die Schäden durch Astbruch oder Entwurzelungen seien überschaubar geblieben.
"Zum Glück folgte dem Tauwetter kein starker Frost", gibt er sich erleichtert. Sonst wäre der getaute Schnee in den Kronen zu Eis gefroren, und diese schwere Last hätte garantiert weitere Schäden zur Folge gehabt.
Regionalforstamt
Name Regionalforstamt Bergisches Land Sitz Gummersbach Gesamtwaldfläche 76 000 Hektar Waldbesitzer zirka 30 000 Durchschnittlicher Holzeinschlag rund 200 000 Kubikmeter pro Jahr Holzzuwachs etwa 350 000 Kubikmeter pro Jahr
Der Solinger betreut derzeit drei Forstbetriebsgemeinschaften: Hückeswagen, Wipperfürth und Wipperfeld. Die Aufräumarbeiten nach der Orkan-Katastrophe vom Januar 2007 seien nun abgeschlossen. "Das ist das erste Jahr, in dem wir wieder die normalen Pflegearbeiten aufnehmen können", berichtet Grüter. Da der Winter die Haupteinschlagszeit sei, seien momentan auch die Waldarbeiter im Einsatz.
Die Arbeiten werden jedoch durch logistische Probleme erschwert, da die Forstwirtschaftswege nicht vom Schnee geräumt sind. Erst kürzlich steckte ein Lkw, trotz Schneeketten, beim Abtransport der Baumstämme auf einer Eisfläche fest und musste durch die Seilwinde eines Forstschleppers aus seiner misslichen Lage befreit werden.
Keine Chance gegen die Natur
Grüter hat solche Schneemassen in seiner 15-jährigen Amtszeit als Förster im Oberbergischen Kreis noch nicht erlebt. Eine Woche pausierten alle Aktionen im Wald, da die Sicherheit der Arbeiter ansonsten nicht gewährleistet werden konnte. "Gegen die Natur kommt man einfach nicht an", stellt der Förster lapidar fest.
Dem Borkenkäfer hingegen, der große Schäden in den Wäldern anrichtet, bereitet die dauerhaften Minustemperaturen keine Probleme. Durch seinen Stoffwechsel kann er Temperaturen bis minus 40 Grad aushalten. "Und ein sehr trockenes Frühjahr würde eine Massenvermehrung begünstigen", erläutert Grüter.
Der lang anhaltende Winter hat zu gestiegenen Holzpreisen geführt: fünf Euro kostet der Festmeter nun mehr. Denn schließlich besteht derzeit eine rege Nachfrage nach frischem, sägefähigem Holz. "Die Nasslager, in denen das Holz bis zur Verarbeitung im Sägewerk zwischengelagert wird, sind alle geräumt", weiß der Förster.
Der Schnee hilft den Jungbäumen
Einen positiven Effekt hat der viele Schnee jedoch auch für den Wald: Die neu gepflanzten Jungbäume profitieren vom langsam abfließenden Schmelzwasser. Immerhin wurden seit "Kyrill" im Revier von Heiner Grüter allein 50 000 Jungbäume, hauptsächlich Buchen, angepflanzt.
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