Hückeswagen: Kalauer mit Babyfon
VON NORBERT BANGERT - zuletzt aktualisiert: 20.10.2008Hückeswagen (RPO). Komiker und TV-Moderator Guido Cantz machte Station in Hückeswagen. Bewährt Bestandteile und Aktuelles waren Teile des Solo-Programms. Die Zuschauer waren größtenteils begeistert, nur zweimal gab’s Protest der Zuhörer.
Ein ausgemachter Theoretiker war am Samstagabend im Forum der Montanusschule in Hückeswagen am Werk. Was zunächst wie ein Vorwurf klingt, ist so aber nicht gemeint. Im Gegenteil: Der Comedian Guido Cantz hat sich intensiv seine Gedanken gemacht über das Vater werden. Dutzende von Verwandte und Bekannte hat er befragt, die alle schon im Stadium der Praxis des Elternseins angekommen sind.
„Ich will ein Kind von Dir“, hat er fast folgerichtig sein Programm genannt, mit dem er seit Herbst 2007 auf Tour ist. AntEvent hat ihn nun nach Hückeswagen geholt, wo er Gelegenheit hatte, seine gesammelten Erfahrungsberichte aus zweiter Hand unters Volk zu bringen. Unter anderem war er schon in den Nachbarstädten Wermelskirchen, Wipperfürth und Radevormwald unterwegs. Ausverkauft war das Forum zwar nicht, trotzdem war René Köhler vom Veranstalter AntEvent mit dem Zuschauerzuspruch zufrieden.„Die Resonanz ist ganz ordentlich“, meinte er. Schätzungsweise 250 Gäste sahen dann ein Programm, das durchweg unterhaltsam war. Immer mit dabei das Babyphon. Da könnten die Zuschauer toben wie sie wollen: Schreit das Kind in seinem überwachten Bett, muss Guido der an diesem Abend als Ersatzvater für einen Freund einspringen.
Überraschenderweise hatte sein Programm viele aktuelle Bezüge zu bieten, und in einigen Passagen wurde es auch mal ein wenig politisch. So verlor er ein paar bissige Bemerkungen zur Finanzkrise und auch zur Klimakatastrophe. Zwischendurch immer wieder Anspielungen auf seinen Kinderwunsch. Fast neidisch blickt er auf einen siebenfachen Vater, der im Märchenwald keinen Eintritt bezahlen muss. „Wer seine sieben Zwerge mitbringt, ist schon Bestandteil“, kalauerte er. Sehr gut auch seine Interaktion mit den Zuschauern. Ständig stand er mit einer fünffachen Mutter im Dialog, die ihm so manche Tip gab. Kurz vor der Pause in dem weit über zweistündigen Programm vergaloppierte sich Cantz, so dass die Stimmung kurzfristig zu kippen drohte. Mit einem üblen Witz über Tschernobyl-Kinder löste er kurz Betroffenheit und vereinzelte Missfallenskundgebungen auf, die er in einer Stadt mit einer aktiven und beliebten Tschernobyl-Hilfe auch verdient hatte.
Auch dass der Eisbär Knut bei der Beerdigung seines verstorbenen Tierpflegers nichts Schwarzes anzuziehen hatte, nannten einige „albern“ andere wiederum geschmacklos. Die Zuschauer aber verziehen ihm schnell und das Programm gewann vor allem im zweiten Teil an Fahrt.
Restlos begeistert waren die Hückeswagener, als Cantz über seine Erlebnisse bei der Fastfood-Kette „Subway“ berichtete. Je länger der Abend dauerte, desto lockerer und spritziger wurde der Entertainer. Der Dank des Publikums: Zugaberufe und ein Riesenapplaus.
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