Hückeswagen: Kein Einwand gegen Urnen
VON NORBERT BANGERT - zuletzt aktualisiert: 11.03.2009Hückeswagen (RPO). Die Evangelische Kirchengemeinde wird womöglich in der Johanniskirche ein Kolumbarium einrichten. Die BM befragte drei Geistliche; einhelliger Tenor: Theologisch gibt es keine Bedenken gegen die Urnenbestattung.
Feuerbestattung
Christentum Jahrhunderte lang bestanden Bedenken gegen die Feuerbestattung. Erst im 19. Jahrhundert setzte dann ein Umdenken ein. Islam Die Feuerbestattung ist für den gläubigen Moslem nicht möglich. Für die Bestattung gibt es in dieser Religion feste Regeln. Hinduismus Bei den Hindus ist die Feuerbestattung der Verstorbenen die gängige Form. Diese erfolgt in der Regel unter freiem Himmel.
Etwas mehr als eine Woche ist es her, dass die Evangelische Kirchengemeinde ihre Pläne für ein so genanntes Kolumbarium in der Johanniskirche vorstellte (die BM berichtete). Dabei handelt es um eine Begräbnisstätte in Form einer Halle, in der Urnen mit der Asche Verstorbener beigesetzt werden. Im Rahmen der Vorstellung der Pläne wurden viele Aspekte eines solchen Projekts diskutiert, beispielsweise die Frage: Wie sehen eigentlich die Theologen eine Urnenbestattung?
Da die Kirchengemeinde in ihrer Präsentation ausdrücklich die Möglichkeit der überkonfessionellen Nutzung betonte, hat die BM bei drei großen Gemeinden in Hückeswagen nachgefragt. Generell hatten die Pfarrer und Seelsorger aus theologischer Sichtweise keine Bedenken, allerdings gab es in der persönlichen Betrachtung einige Unterschiede. Klaus-Peter Suder, Pfarrer der als Eigentümer der Johanniskirche initiativ gewordene Gemeinde, sieht dies wie folgt: "Die Verbrennung eines Verstorbenen schließen den Betroffenen nicht vom Heil Gottes aus." Dies sei auch das Verständnis des Presbyteriums und sicherlich Mehrheitsmeinung in der evangelischen Kirchengemeinde. Im persönlichen Umgang in der Arbeit als Seelsorger legt Suder dabei Wert auf das Gespräch mit den Ratsuchenden. Hier komme es immer darauf an, welche Hintergründe und Motive der einzelne besitze, stellt der Pfarrer klar.
Auch in der katholischen Gemeinde dürfte das Thema eher unstrittig sein. "Es gibt seitens der Römisch-Katholischen Kirche keine Vorbehalte gegen eine Einäscherung", lautet die klare Botschaft von Pfarrer Marc Dominikus Klein. Selbstverständlich können, so der Geistliche weiter, auch katholische Christen in der Johanneskirche ihre letzte Ruhe finden. "Es sollte jedoch nach Möglichkeit eine Segnung der Urnenwand möglich sein. Auf jeden Fall wird natürlich bei einer katholischen Beisetzung auch das individuelle Grab gesegnet."
Pastor Holger Heiden von der Kreuzkirche bestätigt in seiner Stellungsnahme das recht eindeutige Bild bei den großen Konfessionen. "Theologische Bedenken bestehen in diesem Sinn nicht", so der Geistliche von der Baptistengemeinde. Er verweist allerdings auf die historische Diskussion und die Ängste der einfachen Menschen in früherer Zeit. "Die Einäscherung hatte etwas Negatives anhaften. So wurden beispielsweise ja auch Hexen und Ketzer verbrannt", blickt Heiden zurück. In der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema brauche er noch etwas Zeit; zu frisch sei noch die Vorstellung des Projektes. "Ich will eine Bestattung in der Johanniskirche nicht ausschließen, der Gedanke ist aber durchaus diffizil", meint er.
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