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Hückeswagen: Keine Zukunft für Landärzte?

VON SEMIHA ÜNLÜ - zuletzt aktualisiert: 12.03.2010

Hückeswagen (RPO). Eine Niederlassung auf dem Land hat für junge Ärzte wenig Anziehungskraft. Die Hausärzte Stephan Lode und Helmut Beckert sehen zurzeit kaum eine Perspektive, um Ärzte für Hückeswagen zu gewinnen.

Info

Landärzte in Zahlen

Durchschnittsalter 17,4 Prozent der Hausärzte sind über 60 Jahre alt. Das hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein ausgerechnet.

Prämien Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will mit einer Prämie von bis zu 50 000 Euro Hausärzte aufs Land locken. Das Geld wird für die Gründung oder Übernahme einer Praxis in Orten gezahlt, wo Hausärztemangel droht. Hückeswagen gehört noch nicht dazu.

Stephan Lode wurde nicht in Hückeswagen geboren, verbrachte hier nicht den Großteil seines Lebens und zog auch der Liebe wegen nicht hierher. Dennoch entschied er sich 1993 für eine Niederlassung als Hausarzt in der Stadt: "Mein Vater Egbert hatte bereits seine Praxis hier, in die ich einsteigen konnte. Und die Stadt hat dieses ländliche Flair, viel Natur, das gefällt mir. Die Bedingungen, um Kinder groß zu ziehen, sind gut." Doch mit den Vorteilen, die der Arzt und Vater von vier Kindern sieht, ist er fast allein. Denn junge Ärzte haben kaum Interesse, ihre Praxis auf dem Land zu eröffnen.

Das könnte langfristig die medizinische Versorgung in Hückeswagen gefährden. Für seine Praxis-Partnerin, die Internistin Dagmar Schröder, hat zum Beispiel Dr. Helmut Beckert jüngst vergeblich nach einem Nachfolger gesucht.

Stephan Lode ist erst 47 Jahre alt. Doch er hat sich schon Gedanken über einen Nachfolger gemacht. "Aber ich werde keinen finden", ist sich der Allgemeinmediziner sicher. Mehr Anreize müssten geschaffen werden, damit junge Ärzte sich in der Stadt niederließen. Schlechte Verdienstmöglichkeiten und hohe Investitionskosten für große Praxen: Das müsse man ihnen "schmackhaft" machen.

Ein Anreiz könnte laut Lode sein: Vergabe von Studienplätzen nicht nach Noten, sondern nach der Verpflichtung der Studenten, sich nach Studienabschluss für mehrere Jahre auf dem Land niederzulassen. "Aber das zwanghafte Regulieren ist eine sehr deutsche Art, mit der Landflucht umzugehen." Finanzielle Unterstützung für Ärzte sei eine gute Möglichkeit, denn das hohe Risiko, das mit der Gründung einer Praxis einhergeht, wirke auch wegen der verändernden Gesundheitspolitik abschreckend.

Eine andere Möglichkeit, um eine Landpraxis attraktiv zu machen, seien Gemeinschaftspraxen. Diesen Schritt will Lode selbst mit Beckert bald eingehen. Kosten sparen und gleichzeitig mehr Service für die Patienten, etwa durch Sprechstunden auch am Freitagnachmittag oder Blutabnahmen schon ab 7 Uhr – das zum Beispiel verspricht sich der Arzt davon.

Für Beckert, der seit 1993 im Ort praktiziert und mit Internistin Dagmar Schröder (noch) eine Gemeinschaftspraxis am Brunnenweg führt, ist die Kooperation ein wichtiger Schritt, um seine Existenz zu sichern. "Wir haben vergeblich einen Nachfolger für Dr. Schröder gesucht, die sich in einer Großstadt niederlassen wird", bedauert der 48-Jährige. Gemeinschaftspraxen sieht er als eine Möglichkeit, um auf dem Land langfristig und kostengünstig als Arzt zu praktizieren. Beckert: "Man muss aber auch darauf reagieren, dass immer mehr Frauen Ärzte werden. Und für die sind Teilzeitarbeit und eine flexible Kinderbetreuung wichtig."

Quelle: RP

 
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