Hückeswagen: König zerkratzt Hückes' Wagen
VON MAREN PANITZ - zuletzt aktualisiert: 16.05.2009Hückeswagen (RPO). Derbe Seitenhiebe auf das deutsche Konsumverhalten, den Überhand nehmenden Handy-Wahn und die moralischen Ansprüche an zwischenmenschliche Beziehungen sind das ironisch boshafte Markenzeichen des 36-jährigen selbst ernannten "Event-Entertainers" Johann König aus Köln. Betritt der Comedian mit seiner emotionsgeladenen Kabarett-Show die Bühne, fallen sämtliche Tabus. Fast schon selbstvergessen konfrontiert er sein Publikum mit frechen Fiesheiten und boshaften Pointen. Und so begrüßte der 1972 in Soest als René Otzenkoettel geborene Kabarettist bei seinem Auftritt in der Mehrzweckhalle am Donnerstagabend sein Publikum mit überzeugend dargestellter Langeweile: "Kennen Sie das Gefühl, gerade eben erst zur Arbeit zu kommen – und das Gefühl zu haben, es müsse jetzt endlich der Feierabend kommen?"
Für die 500 Zuschauer seiner Satire-Show hatte der Komödiant auch – wie vorige Woche im BM-Interview angekündigt – einen passenden Lokalkalauer parat: "Wenn ich nach Hückeswagen komme, sehe ich immer ein bestimmtes Bild vor Augen. In einem kleinen Haus wohnt der Herr Hückes. Vor dem Haus steht dessen Auto. Und dann kommen ein paar böse Jungs und zerkratzen Hückes' Wagen."
König wird als "Witzeschmied mit Seitenhieben" beschrieben. Unverfroren und verschmitzt bombardierte er sein aus Hückeswagen, Wuppertal, Solingen, Hagen und Köln angereistes Publikum mit derben Reimen und Spitzfindigkeiten. Er rezitierte arg zweideutig über Eheprobleme in der Antarktis und beendete das Gedicht mit der Bemerkung: "Eine Scheidung kann sich echt rentieren."
Mit seinem Publikum lag Possenreißer Johann König auf einer Wellelänge. Fast lehrerhaft maßregelte er die Resonanz der Zuschauer. Begeisterter Applaus auf seine Witze wurde zensuren-mäßig kommentiert: "Das könnte fast ein Hit werden." War der Entertainer mit der Reaktion unzufrieden, meinte er: "Der Witz bleibt morgen draußen."
Für die Zuschauer waren die teils verträumten Monologe, teils aggressiven Gefühlsausbrüche des Kabarettisten ein beeindruckendes Show-Erlebnis. Reinhard Meurer aus Remscheid empfand die Vorstellung als "gewöhnungsbedürftige, besondere Art des Humors – aber sehr unterhaltsam". Und die Hückeswagenerin Heidi Herzig fand: "Ich mag Königs Spontanität. Er hat einen deftigen Humor, in dem sich jeder wiedererkennt."
Die Veranstaltung mit Johann König wurde vom Lenneper Rotationstheater organisiert. Theateragentin Reintraut Schmidt-Wien erklärte: "Johann König tritt mit seinen Vorpremieren schon seit zehn Jahren im Rotationstheater auf und ist für uns mit seinem verschrobenen Schalk ein guter Bekannter."
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