Hückeswagen: „Krötenkuss“ im Kolpinghaus
zuletzt aktualisiert: 26.05.2008Hückeswagen (RPO). Literaturkritiker Hellmuth Karasek saß im Fond der WDR 2-Limousine im unteren Island fest – kein Durchkommen. Eine beherzte Bürgerin: „Das ist doch der Professor Karasek, der muss ja ins Kolpinghaus!“ Sie stoppte den Wagen kurzerhand, Karasek stieg aus.
Die Hückeswagenerin nahm ihn ins Schlepptau. „Das ist gut“, meinte der international bekannte Schriftsteller und Theaterwissenschaftler „mit 74 wird man auch schon leicht tüttelig“. Davon war beim „Montalk“ im Kolpinghaus allerdings nichts zu spüren. Fast drei Stunden lang stand der Hamburger Entertainer in Sachen „Kultur auf hohem Niveau“ nicht, wie angekündigt, der Moderatorin Christine Westermann Rede und Antwort. Sie war krank. Interview- und Talk-Partner war deshalb Helmut Rehmsen vom „Morgenmagazin“.
„Hier ist vielleicht eine Sauna im Saal“, meinte Rehmsen. „Wir ziehen die Jacken aus, nicht?“ Karasek folgte dem Rat. Aber – zu keiner Zeit wurde es hemdsärmelig. Rehmsen: „Im Eilverfahren musste ich mich zwei Nächte durch einlesen.“ Gemeint war Karaseks Bestseller „Vom Küssen der Kröten“. Das Buch sei entstanden, als vor drei Jahren Schröder in hoher Selbstüberschätzung den Deutschen den Wahlabend verdorben habe, hieß es. Karaseks literarische Kostbarkeit ist als Generalabrechnung mit der modernen Bourgeoisie zu verstehen.
Dreimal las der prominente Gast kurz. Der Rest des ungemein angenehmen Abends gehörte dem selten vom Moderator unterbrochenen „Montalk“. Wenn Rehmsen eine heikle Frage anbrachte, erwiderte der gewiefte Experte mit: „Da weiß ich eine Geschichte“ oder „Dazu gibt es einen passenden Witz“. Oder er zitierte aus dem Krötenbuch: „Auch wenn sie unter Wasser sind, hören sie nicht auf zu quaken.“ Rehmsens Prädikat für seinen Talk-Gast: „Das ist Urgestein, das man sich aus der Medien-Kultur nicht wegdenken kann.“ Das war denn auch einhellige Meinung des großen, kundigen Publikums.
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