Hückeswagen: Landwirt und Sozialarbeiter
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 23.04.2010Hückeswagen (RPO). Konrad Gerards (Bündnis 90/Die Grünen) hat keine Chancen, in den Landtag einzuziehen. Deshalb kämpft er um die Zweitstimmen. Kümmern will er sich vor allem um soziale Themen. Der ÖPNV liegt ihm genauso am Herzen wie das Recht auf Ausbildung für alle Jugendlichen.
Konrad Gerards
Name Konrad Gerards
Alter 56.
Familienstand verheiratet, zwei Kinder, wohnt in Gummersbach.
Beruf Sozialarbeiter.
Politik kam vor 15 Jahren von der Friedens- und der Dritte-Welt-Bewegung zu den Grünen; seit über zehn Jahre im Rat von Gummersbach, seit fünf Jahren Fraktionssprecher, seit Oktober 2009 Kreissprecher der Grünen Oberberg.
Schwerpunkte Finanzen, Soziales, Klima.
Hobbys Garten, Bienen, Bewegung, Fahrradfahren, Wandern.
Wenn Konrad Gerards nach Rade fährt, dann fällt ihm sofort auf, dass es hier noch viel Landwirtschaft und unberührte Natur gibt. Das gefällt dem studierten Landwirt, "denn ich komme vom Hof", sagt der 56-Jährige mit dem markanten Gesicht, der sich für Bündnis 90/Die Grünen um ein Mandat im Landtag bewirbt.
Schon immer wollte Gerards Landwirtschaft und Sozialarbeit verbinden. Von 1984 bis 1992 arbeitete er für den Deutschen Entwicklungsdienst in Äthiopien, Tansania und an der Elfenbeinküste. Erst als seine Frau eine feste Stelle am Berufskolleg Dieringhausen bekam, wurde er sesshaft. Über ehrenamtliches Engagement und Honorararbeit landete er bei der Stadt Wiehl, war dort unter anderem für Asylbewerber zuständig. Später studierte er Sozialarbeit. "Mir ist wichtig, dass ich mitten im Leben stehe. Ich bin betroffen von den Problemen, die viele Menschen haben", sagt Gerards. Dafür sorgen auch seine Kinder. Die Tochter (22) studiert Chemie. "Sie ist nicht so grün wie ich", sagt er, "ich habe ihr geraten, zu Greenpeace zu gehen." Sein Sohn macht 2011 Abitur.
Gerards weiß, dass viele Politiker über den Dingen schweben, "sie sind nicht mehr an der Basis", sagt er. Persönliche Betroffenheit sei wichtig, um politisch aktiv zu sein – nicht für persönliche Entscheidungen, aber um richtungsweisend in der Politik zu agieren. "Wenn Deutschland die Milchquote erhöht, hat das konkret auch Auswirkungen auf die Bauern in Afrika, denn der Überschuss macht die Landwirte kaputt", sagt Gerards. Schade findet er, dass das Interesse an der Dritte-Welt-Arbeit nachlässt. Deshalb macht er Werbung dafür.
Soziale Themen im Vordergrund
Auf der Suche nach einer sinnvollen Freizeitgestaltung landete Gerards 1985 bei der Anti-Atomkraftbewegung und 1995 bei den Grünen. Seine Interessen gelten schon immer sozialen Themen. Heute beschäftigen ihn vor allem die Lehrerzuweisungen an Schulen oder die Studiengebühren ("die müssen auf jeden Fall weg"). Auch die Föderalismusreform gefällt Gerards nicht. Dass Bildung Ländersache ist, bezweifelt er. "Da wäre Bundeskompetenz besser", sagt er. Außerdem müsse es ein Recht auf Ausbildung geben. Es könne nicht sein, dass junge Menschen Angst davor haben müssten, auf der Straße zu stehen.
Als Landtagskandidat will er grünes Wählerpotential mobilisieren. "Wir wollen versuchen, die Kommunen des Nordkreises nicht zu vernachlässigen", sagt der 56-Jährige, der nach der Wahl mit der AL in Radevormwald in Kontakt treten und schauen möchte, "was da machbar ist". Ein offenes Gespräch führen, mögliche Kooperationen besprechen – "ich bin nicht der Typ, der von oben herab entscheidet. Ich möchte schauen, wie man gemeinsam vorwärtskommt und etwas erreichen kann", sagt Gerards, der sich in einer immer älter werdenden Gesellschaft verstärkt um den ÖPNV kümmern will. Bürgerbusse und Sammeltaxen – dafür will er sich starkmachen. Dörfliche Strukturen müssten vom Land mehr unterstützt werden.
Kompetent auftreten, das ist dem 56-Jährigen wichtig. "Ich will auf Sachebene mit den Menschen reden", sagt Gerards, der weiß, dass er keine Chance hat, in den Landtag einzuziehen. Deshalb kämpft er umso mehr um die Zweitstimme für die Grünen.
Podiumsdiskussionen mit Landtagskandidaten: Donnerstag, 29. April, 18.30 Uhr, reformierte Kirchengemeinde, Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Ludwig-Beck-Straße; Mittwoch, 5. Mai, 18.30 Uhr, Theodor-Heuss-Gymnasium, Hermannstraße.
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