Hückeswagen: Mettbrötchen zum Glücklichsein
zuletzt aktualisiert: 15.01.2011Hückeswagen (RPO). Der Kabarettist Konrad Beikirchner kommt am 17. Februar zum dritten mal nach Hückeswagen. Im Forum stellt er sein Programm "So schön ist es auch woanders..." vor. Im BM-Gespräch verrät der 65-jährige gebürtige Südtiroler, was er für schön hält.
Heute schon 3sat geguckt?
Beikircher Nee. Wieso?
Weil da morgens immer das Alpenpanorama zu sehen ist. Unter anderem gibt's auch Bilder aus Südtirol, Ihrer Heimat.
Beikircher Ich muss morgens unseren Kleinsten in die Schule bringen. Da hab' ich keine Zeit, um die Alpen zu gucken.
Wie alt ist Ihr Kleinster?
Beikircher 14.
Zurück zu Südtirol – vermissen Sie das eigentlich nicht?
Beikircher Doch, das tu' ich. Ich guck hier nämlich aufs Siebengebirge – es ist schon komisch, dass man etwas mit einer Höhe von 200, 300 Metern als "Gebirge" bezeichnet. Südtirol ist meine Heimat, hier im Rheinland bin ich zu Hause. Aber wenn ich denke, dass es hier keinen vernünftigen Topfen (alpenländische Quarkspeise, Anm. d. Red.) gibt, dann krieg' ich 'nen Hals.
Ihr neues Programm, mit dem sie auch in Hückeswagen auftreten, lautet "Schön ist es auch woanders. . ." Wo denn zum Beispiel?
Beikircher Sachsen ist schön. Bayern auch. Un des Hessische is aach schön. Wobei die Schönheit bei den Hessen eher im Inneren liegt. . .
Und wo ist es am schönsten?
Beikircher Das ist eine schwierige Frage. Hmm. Wunderschön sind etwa die Altstädte von Bozen und Padua. Innerhalb Deutschlands ist es das Rheinland – vom Gefühl her. Wobei Köln nun wahrlich keine schöne Stadt ist.
Also ist es eher die Mentalität der Menschen, die das Rheinland attraktiv machen?
Beikircher Absolut. Wie die Rheinländer die äußere Schönheit in die Hand nehmen, da würde ich am liebsten zur Maschinenpistole greifen. Die Schönheit des Rheinlands äußert sich in der Tat eher im Lebensgefühl.
Was muss eine Gegend haben, damit Sie sie als "schön" bezeichnen?
Beikircher Sie muss ästhetisch mit sich selbst umgehen.
Haben Sie Beispiele?
Beikircher Die geschwungenen Linien des Siebengebirges zum Beispiel wären perfekt für Landschaftsmaler, wie es etwa Caspar David-Friedrich einer war. Oder die Piazza della Signoria in Florenz oder die Piazza del Campo in Siena – da biste baff, wenn Du das siehst.
Nun waren Sie schon häufiger im Bergischen. Zuletzt in Lennep und bereits zwei Mal in Hückeswagen. Ist das Bergische in Ihren Augen schön?
Beikircher Es ist schön. Überhaupt keine Frage.
Was macht seine Schönheit aus?
Beikircher Es herrscht eine Harmonie zwischen der Landschaft und der Gestaltung der Orte. Und hier gibt es noch gewachsene Strukturen. Aber es ist zum Glück im Krieg auch nicht viel zerstört worden.
Was erwartet die Zuhörer am 17. Februar in Hückeswagen?
Beikircher Ich bringe die überarbeitete Geschichte vom Ei und erzähle, wie sich das Wort Ei verändert, wenn man es durch die Gegend kullern lässt. Und ich spreche etwa über die rheinische Zuversicht und die rheinische Ich-Bezogenheit.
Was muss man sich unter der rheinischen Ich-Bezogenheit vorstellen?
Beikircher Wenn die Leute hier im Rheinland etwas oder jemanden bewundern, dann finden sie das toll – und fügen immer an: "Ich könnt' dat nit". Das gibt's woanders einfach nicht.
Wie werden die drei Stunden vor Ihrem Auftritt im Forum aussehen?
Beikircher Auf der Fahrt im Auto höre ich Klassik oder ein Hörbuch, etwa von Schiller. Das sorgt für Ruhe. Spätestens eine Stunde vor Beginn bin ich da und mache einen Soundcheck. Am schönsten wäre es dann, wenn jemand mit lokalem Bezug da wäre, mit dem ich mich ein bisschen unterhalten könnte.
Bernd Stelter braucht vor seinen Auftritten ein halbes Pfund Spargel. Welche Wünsche haben Sie, damit Sie die Bühne glücklich betreten können?
Beikircher Ein halb' Pfund Spargel - ich glaub's ja nitt. . . Seit 1993, seit ich Diabetiker bin, hätte ich gerne ein Käsebrötchen. Getoppt wird das nur noch von einem Mettbrötchen.
Mit oder ohne Zwiebeln?
Beikircher Mit Zwiebeln natürlich! Wenn schon, dann auch die ganze Palette. Und dazu ein Gläschen Weißwein – das wär's.
Zum Schluss noch eine Frage. Was ist am schönsten: das Bergische, das Rheinland oder Südtirol?
Beikircher Es tut mir leid, aber für mich ist natürlich Südtirol am schönsten. Soweit kann's Geschäft ja nun auch wieder nicht gehen. Südtirol ist unwahrscheinlich abwechslungsreich – und ist meine Kindheit.
Stephan Büllesbach führte das Gespräch.
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