Hückeswagen: Neues Lebensgefühl auf Peruanisch
VON FELIX SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 30.01.2010Hückeswagen (RPO). Viereinhalb Monaten verbrachte Mauricio Böhl in Peru. Im BM-Gespräch erzählte er jetzt nach seiner Rückkehr, wie er die Zeit dort verbracht hat. Der 16-Jährige besuchte deshalb das südamerikanische Land, weil dort sein Vater geboren wurde. In Lima lebte er bei seiner Oma (81).
Keine Frage: Mauricio Böhl hat Sonne im Blut. Während Hückeswagen im Schnee versinkt, sitzt der 16-Jährige, braun gebrannt von der Sonne Südamerikas, im kurzärmeligen T-Shirt in der BM-Redaktion; den dünnen Lederblouson hält er in der Hand. Die schwarzen Haare, die vor der Abreise im August noch kurz geschnitten waren, wuchern jetzt im peruanischen Afro-Look.
Der Schüler des Wipperfürther EvB-Gymnasiums war das erste Schulhalbjahr über in Lima, der Hauptstadt des Andenstaats. Dort lebte er bei seiner Oma Hilda Böhl-Gutierrez, der Mutter seines Vaters. Der deutsche Familienname hat sich über Generationen gehalten: Mauricios Ururgroßvater war vor etlichen Zeiten nach Peru ausgewandert. Sein Urenkel, Mauricios Vater, beschritt vor 25 Jahren den umgekehrten Weg. "In Lima leben auch mein Onkel und mein Großonkel, die sich sehr um mich gekümmert haben", berichtet der junge Hückeswagener, der im ATV Handball spielt. Diese Sportart ist in Peru aber unpopulär, weshalb sich der 16-Jährige dort aufs Tennis spielen verlegen musste.
Peru
Hauptstadt Lima
Amtssprache Spanisch, Quechua, Aimará
Einwohnerzahl 28,2 Millionen (zum Vergleich Deutschland: 82 Millionen)
Fläche 1,3 Millionen Quadratkilometer (Deutschland: 357 000)
Staatsform gemischt präsidial-parlamentarisches Regierungssystem
Währung ein Nuevo Sol (100 Céntimos), Wechselkurs: ein Euro entspricht 4,03 Sol
Bruttosozialprodukt je Einwohner 2020 Dollar (Deutschland: 23 000 Dollar)
Staatsoberhaupt Präsident Alan García Pérez
Regierungschef Ministerpräsident Javier Verlasquez Quesquen
Auch in der Alexander-von-Humboldt-Schule, der Deutschen Schule von Lima, hat er schnell Anschluss gefunden. Zu Anfang ging die Konversation hauptsächlich mit Händen und Füßen sowie ein wenig in Englisch vonstatten. Denn die Spanisch-Kenntnisse des Hückeswageners waren gleich null. Das änderte sich aber in den Wochen seines Peru-Aufenthalts. Am Ende konnte er sich mit seiner Oma, die nicht Deutsch sprach, seinen anderen Verwandten und seinen Freunden gut unterhalten.
"Vor meiner Heimkehr hatte ich, ehrlich gesagt, ein bisschen Angst", erzählt der Schüler der Stufe 11. Denn er wusste nicht, ob sich die Freunde verändert hatten und wie sie bei seiner Rückkehr reagieren würden. "Aber als ich nach Hause kam, sagten meine Eltern, sie hätten eine Überraschung für mich", berichtet Mauricio Böhl mit leuchtenden Augen. "Als ich im Wohnzimmer das Licht anmachte, saßen sechs meiner Freunde auf dem Sofa!" Das habe ihm seinen "Einstieg" in den deutschen Alltag extrem erleichtert.
Auf die Frage, ob er jetzt Deutschland oder Peru bevorzuge, antwortete der 16-Jährige: "Mittlerweile fühle ich mich zu beiden Ländern hingezogen. Mir gefällt die ruhige, spontane peruanische und die etwas hektische, planende deutsche Art gleichermaßen." Die Veränderungen sind ohnehin nicht nur sichtbar. Er sei durch den Aufenthalt selbständiger und flexibler geworden, hat der Gymnasiast festgestellt. "Die Peruaner leben den Moment, sie planen wenig voraus. Man muss flexibel sein, weil Dinge wie Feten oder Ausflüge spontan geplant werden."
Nach dem Abitur in zwei Jahren will Mauricio Böhl nach Peru zurückkehren. "Ich könnte mir sogar vorstellen, später dort zu leben", sagt er. Und das hat nicht unbedingt etwas mit dem Hückeswagener Winter zu tun.
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