Hückeswagen: Ohne Angst nach Berlin
VON STEPHAN BÜLLESBACH - zuletzt aktualisiert: 31.12.2011Hückeswagen (RP). Jörg von Polheim ist ab Neujahr offiziell Bundestagsabgeordneter – als erster Hückeswagener überhaupt. Seit drei Wochen bereitet sich der Bäckermeister auf seine neue Aufgabe in der politischen "Schlangengrube" Berlin vor.
In der Provinz sind die Menschen pflichtbewusst. Deshalb wird Jörg von Polheim am nächsten Mittwoch auch noch bis 6.30 Uhr in seiner Backstube an der Kölner Straße stehen, ehe er sich auf den Weg zum Wuppertaler Hauptbahnhof macht.
Von dort startet der 52-Jährige in ein zumindest zweijähriges Abenteuer: Jörg von Polheim nimmt in der FDP-Fraktion den Abgeordnetenplatz von Dr. Werner Hoyer ein, der Präsident der Europäischen Investitionsbank wird.
Die politische Arbeit in der Bundeshauptstadt beginnt für den Hückeswagener Neuling auf der großen Politbühne – wie für seine 619 Kollegen – zwar erst in der dritten Januarwoche.
Die Zeit bis dahin vertreibt sich der FDP-Politiker aber damit, sich in Berlin einzurichten: Er muss eine Wohnung suchen ("zwei Zimmer, möbliert, mit U- oder S-Bahnstation in der Nähe, nahe am Bundestag, bezahlbar"), zwei Mitarbeiter für sein Abgeordnetenbüro einstellen und sich um Dinge wie den Hausausweis für den Bundestag und die Fahrkarte für die Berliner Verkehrsbetriebe kümmern.
"Gutgläubigkeit ist fehl am Platz"
"Zum Glück habe ich den Büroleiter von Werner Hoyer übernommen", sagt von Polheim. Markus Kaiser kennt sich in Berlin und im Bundestag aus und kann seinen neuen Chef sofort in so manches Geheimnis einweihen.
Zudem baut er das Büro des Hückeswageners im Jakob-Kaiser-Haus auf – einem "Riesenbau mit acht Innenhöfen, in dem etwa 450 Abgeordnete und deren Mitarbeiter arbeiten".
Angst vor Berlin hat der Bäckermeister, der im Stadtrat Vorsitzender der fünfköpfigen FDP-Fraktion ist, nicht. Er wolle aber vorsichtig sein. "Ich werde kein übergroßes Misstrauen haben, doch Gutgläubigkeit ist in der Bundeshauptstadt fehl am Platz", sagt von Polheim, der weiß, dass die politische Szene in Berlin eine "Schlangengrube" sein kann. Außerdem ist er sich im Klaren darüber, dass ihn bis auf den oberbergischen Kollegen Klaus-Peter Flosbach "kein Abgeordneter vom Koalitionspartner CDU kennen wird".
Hoffen auf Sitz in einem Ausschuss
Jörg von Polheim will sich in Berlin langsam vorarbeiten. Er hofft darauf, zunächst in zwei innerparteiliche Arbeitskreise zu kommen: Mittelstand und Wirtschaft sowie in den, in dem es um die Verknüpfung von Familie und Mittelstand geht. "Da gibt es ja auch hier in Hückeswagen Modelle", spielt er etwa auf die familienfreundliche Angebote der Firma Pflitsch an.
Da sei er persönlich vor Ort auch aktiv gewesen. Und natürlich möchte von Polheim, der neben einer Tischlerin der einzige Handwerker in der FDP-Bundestagsfraktion ist, auch in einen Ausschuss. Aber da müsse er erst einmal die "große Umrückaktion" in seiner Partei abwarten, sagt er.
Der neue Lebensabschnitt, der vor ihm liegt, lässt ihn seit Wochen natürlich nicht los. Wenigstens kann er aber problemlos schlafen. "Das gehört zur Stellenausschreibung eines Bäckers", sagt Jörg von Polheim – und schmunzelt.
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