Hückeswagen: Präsident begeisterte
zuletzt aktualisiert: 07.10.2008 - 22:16Hückeswagen (RPO). Herzlich wurden der Bundespräsident und seine Frau Eva Luise Köhler gestern von der Gefährdetenhilfe am Scheideweg willkommen geheißen. Herzlich war auch die Art, in der Horst Köhler auf die Menschen zuging.
Für Bürgermeister Uwe Ufer ist es „eine große Ehre, dass Sie bei uns sind“. Für Viktor Klassen ist es, rein gefühlsmäßig, noch ein bisschen mehr: „Herr Bundespräsident, das ist einfach genial, dass Sie wirklich gekommen sind“, sagt der 24-Jährige. Und strahlt.
Uwe Ufer hat den Bundespräsidenten und seine Frau bereits um 11 Uhr vor dem Metallbetrieb der Gefährdetenhilfe an der Bockhackerstraße offiziell begrüßt. Viktor Klassen schüttelt ihm eine Stunde später in der Baumschule in Unterscheideweg die Hand. „Ich hätte nie gedacht, dass Herr Köhler wirklich kommt“, sagt der 24-jährige, der nach seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Pflanzenpark Scheideweg arbeitet. Aber der Bundespräsident hält, was er verspricht – „ich versuche es zumindest“, sagt er später im Begegnungszentrum.
Die Vorgeschichte: Am „Tag der Begegnung 2006“ waren Viktor Klassen und sein Freund Michael Frahm, ebenfalls Mitarbeiter der Gefährdetenhilfe, zusammen mit vielen anderen jungen Leuten in Berlin gewesen. Auch ein kurzer Besuch beim Bundespräsidenten stand auf dem Programm. Die jungen Hückeswagener ließen Material über die Gefährdetenhilfe und ihre Arbeit in der christlichen Straffälligenhilfe zurück; eine Sekretärin versprach, sie an den Bundespräsidenten weiterzugeben. Wochen später schrieb Klassen einen Brief an Horst Köhler. Der dankte und antwortete, dass er sich die Gefährdetenhilfe gerne einmal ansehen würde. Gestern war nun der Tag, dieses Versprechen einzulösen.
Ob im Metallbetrieb, in der Baumschule, in der Wohngruppe von Andreas und Silke Ertel oder im Begegnungszentrum: Horst Köhler ließ sich Zeit zum persönlichen Gespräch und stellte das in den Mittelpunkt seines Besuchs. Genug Prominenz reiste zwar mit im Tross – darunter NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter, der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Flosbach und Landrat Hagen Jobi –, der Bundespräsident konzentrierte jedoch seine Aufmerksamkeit auf die Mitarbeiter der Gefährdetenhilfe. Freimütig erzählten sie aus ihrem Leben, über Drogenmissbrauch, Abrutschen in die Kriminalität, Jahre im Gefängnis.
Köhler erwies sich als guter Zuhörer. Eben das, sagte er, sei Ziel seiner Herbsttour durch NRW. „Der Zweck der Reise ist der Versuch, möglichst den Menschen zu begegnen. Und auch damit klar zu machen, dass sich gute Politik nicht nur in Hauptstädten, in politischen Parteiprogrammen vollzieht, sondern vor allen Dingen in der Begegnung, im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern“, unterstrich der Bundespräsident. Weitere Gelegenheit dazu fand er beim abschließenden Mittagessen in großer Runde im Begegnungszentrum.
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