Hückeswagen: Ruhe mitten im Herzen der Stadt
VON BRIGITTE NEUSCHÄFER - zuletzt aktualisiert: 02.08.2011Hückeswagen (RP). Hückeswagen ist schön. Die Stadt hat viele Plätze, im Freien und unter Dach, wo Menschen einfach gerne sind. Die BM stellt jetzt in den Ferien Hückeswagener und ihre Lieblingsplätze in der Stadt vor. Heute: Stefan Kammerer, Musiker, Musiklehrer und Kabarettist.
Ein bisschen verloren wirkt er, wie er da an einem Vormittag mitten in der Woche so ganz allein auf einer der Holzbänke in der Pauluskirche sitzt. Aber Stefan Kammerer fühlt sich nicht verloren, im Gegenteil: Die Pauluskirche ist ein Lieblingsplatz des Musikers, Musiklehrers und Kabarettisten (eine kleine Lichtung oberhalb der Karquelle ist ein weiterer).
Das mag an der geistigen Bindung zur Kirche liegen – Kammerer ist gläubiger und engagierter evangelischer Christ. Sicher aber auch an der Vertrautheit mit einem Ort, den er nicht nur zum Sonntagsgottesdienst gern besucht. Schon oft hat Kammerer, ein begnadeter Organist, die Orgel in der Kirche gespielt, in Gottesdiensten und in Konzerten, die häufig seine Frau Ingrid als Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde leitet. Vereinzelt unterrichtet er auch Schüler an den Kirchen-Instrumenten.
"Ungewöhnlich gelungen"
Von seinem an diesem Vormittag gewählten Sitzplatz auf einer der mittleren Bänke im Kirchenschiff blickt Stefan Kammerer direkt auf den Altar. Die Paramente daran gehören zu den wenigen Dingen in der Pauluskirche, die ihm weniger gut gefallen. Dutzendware sei das, sagt er, aber erlesene Paramente seien nun mal auch teuer. Den schönen Gesamteindruck des alten Kirchengebäudes schmälert der bescheidene textile Altarschmuck aus Kammerers Sicht nicht. "Einfach ungewöhnlich gelungen" sei die Kirche, sagt er. Der Kirchenraum fange das Licht ein, alles wirke hell, freundlich. Ein bisschen Goldfarbe in den Grautönen des Anstrichs setzt warme Akzente, in den Buntglas-Ornamenten in der Spitze der hohen Fenster bricht sich das Sonnenlicht.
Und dann ist da noch diese ganz besondere Akustik. Schwierig ist sie bei Konzerten; dafür kann jeder, egal vom welchem Platz in der großen Kirche aus, den Prediger auf der Kanzel hören. Und wenn die Kirche leer ist, dann ist sie ein Ort der Ruhe. Stefan Kammerer: "Man hört Vogelgezwitscher und natürlich auch Geräusche vom Leben in der Stadt, aber gedämpft. Ich fühle mich hier mittendrin in Hückeswagen, aber nichts lärmt." Es sei selten, dass eine Kirche so exponiert steht "und trotzdem nichts ringsum erdrückt".
Stefan Kammerer ist in Osterode im Harz aufgewachsen, vor 18 Jahren kam er mit seiner Frau und dem Sohn im Babyalter nach Hückeswagen. Die jüngere Tochter ist in der Schloss-Stadt geboren. "Ich habe noch nirgends so lange gelebt wie in Hückeswagen", sagt der 46-Jährige. Und: "Ja, Hückeswagen empfinde ich als Heimat." Die Pauluskirche ist für ihn Teil dieser (Wahl-)Heimat. Dass sie auf einem alten Friedhof steht, stört ihn nicht: "Kirche ist ein Ort, wo auch über das ewige Leben gesprochen wird. Dass das über Gräbern geschieht, hat doch eine gute Symbolik."
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