Hückeswagen: SPD-Frau mit Berliner Wurzeln
VON NORBERT BANGERT - zuletzt aktualisiert: 22.12.2008Hückeswagen (RPO). Sibylle Rautenbach feiert heute ihren 80. Geburtstag. Die Hückeswagenerin hat ihre familiären Wurzeln in der deutschen Hauptstadt. Nach Beginn der Kanzlerschaft von Helmut Kohl (CDU) 1982 trat sie aus Protest in die SPD ein.
Berlin, 22. Dezember 1928: Im Lessingtheater der deutschen Hauptstadt wird das berühmte Theaterstück von Carl Zuckmayer „Katharina Knie“ erstmalig aufgeführt. Das Werk wurde mehrfach verfilmt, später entstand sogar ein Musical. Doch für die Würdigung dieses Höhepunktes in der deutschen Kulturgeschichte hat die Familie Mussehl aus Niederschönhausen im Berliner Bezirk Pankow keine Zeit, denn die kleine Marie-Sibylle erblickt das Licht der Welt.
Eine schöne Kindheit
Fast genau 80 Jahre später hält Marie-Sibylle Rautenbach ihre Geburtsanzeige in der Hand. „Hier fehlt ein ‚e’“, merkt sie an. Doch trotz dieses kleinen Druckfehlers gelang der neuen Erdenbürgerin der Start ins Leben. „Es war eine schöne Kindheit“ freut sie sich und immer wieder blättert sie in einem Familienalbum, das sich durch glückliche Umstände heute in ihrem Besitz befindet. Und dann erzählt sie Geschichten aus dieser Zeit – aus ihrer Zeit - in der die Berliner die Weimarer Republik erlebten. Von der heraufziehenden politischen Krise und den konfusen Verhältnissen der Parteienlandschaft bekommt sie damals nicht viel mit. Marie-Sibylle hatte andere Sorgen. „Da gab es den doofen Lehrer Zander. Von ihm habe ich meine erste Ohrfeige bekommen“, erinnert sie sich. Sie hatte damals ihre Meinung über den Lehrer in der Klasse kundgetan und eine Schulkameradin hatte sie prompt verpetzt. In Erinnerung ist ihr auch der berühmte Nachbar „Hänschen“ Frömming geblieben. Der Trabrennfahrer war Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und wurde so Mitglied der „Hall of Fame des deutschen Sports“. „Von seinem Tennisplatz flogen immer die Bälle auf unser Grundstück. Wir Kinder haben die immer zurückgebracht, doch nie gab es mal ein Bonbon“, erinnert sie sich. Folglich wurden die geschwisterlichen Übungen mit dem Luftgewehr immer in Richtung Wohnzimmerfenster des Sportlers abgehalten.
Viele Ämter
Politische Ämter und Aktivitäten von Sibylle Rautenbach: Stellvertretende Bürgermeisterin von 1994 bis 1999. Mitglied im Rat der Stadt Hückeswagen von 1989 bis 2001. Vorstandsmitglied im Unterbezirk der SPD von 1984 bis 1994. Regional und überregional – teilweise in leitender Funktion – tätig bei der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) und der SPD-AG 60plus.
Manch ein Schicksalsschlag
Die folgenden Jahre waren dann vom Zweiten Weltkrieg geprägt, und auch die Familie musste bis heute so manchen Schicksalsschlag ertragen. Doch umgeworfen hat das Marie-Sibylle Rautenbach nicht. Im Gegenteil: Sie ging ihren Weg, heiratete 1953 ihren Mann Bertold und zog nach Hückeswagen. „Zuerst die Familie, dann der Lebenserwerb, und dann das Ehrenamt, immer eines nach dem anderen“, fasst sie ihre Lebensphilosophie zusammen.
Bekannt ist sie den Hückeswagenern heute vor allem als engagierte Sozialdemokratin. Ihre Wurzeln aber liegen zweifelsohne in der Familiengeschichte. Einfluss nahmen unter anderem der Jurist und Solinger Richter Dr. Karl-Heinz Rewoldt, zwei ihrer Kinder, die bereits vorher der SPD angehörten, und ihr späterer Mentor Willy Stahl. Auch zu Jürgen Quass, den sie als Stellvertreterin in der Ratsfraktion unterstützte, hatte sie ein gutes Verhältnis.
Heute nun feiert Sibylle Rautenbach im Haus Kleineichen ihren 80. Geburtstag – und da wird sie ihren Gästen viel zu erzählen haben.
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