Hückeswagen: Stefanie Uhde entkam der Loveparade-Tragödie
VON STEPHAN BÜLLESBACH - zuletzt aktualisiert: 27.07.2010Hückeswagen (RPO). Es muss eine bizarre Situation gewesen sein auf dem Festivalgelände der Loveparade: Während am Samstag etliche tausend Techno-Fans bei wummernden Beats feierten, spielten sich wenige Meter entfernt tragische Szenen ab. Auch Stefanie Uhde tanzte vor der Bühne. Die ehemalige stellvertretende Leiterin der Hückeswagener Raiffeisenbank-Filiale, die im April zu einer Essener Bank gewechselt war und mit ihrem Lebensgefährten in Duisburg wohnt, erfuhr erst fast zwei Stunden nach der Massenpanik mit 19 Toten und mehr als 500 Verletzten von den Vorfällen.
Nachricht kam per SMS
"Wir hatten bis zirka 19.30 Uhr viel Spaß", erzählte sie gestern der BM. Dann habe ihre Nichte sie per SMS über die Tragödie informiert. "Es war viel Platz um uns herum, und wir blieben da, wo wir waren", sagte Stefanie Uhde. "Das erschien uns am besten." Es sei merkwürdig gewesen, dass so viele unbeschwert weiterfeierten. "Aber viele wussten ja auch von nichts."
Später gehörten sie und ihr Freund zu den Ravern, die zur parallel zum Gelände verlaufenden und inzwischen gesperrten A 59 hinab steigen und somit die Loveparade verlassen konnten. "Wir mussten aber noch zwei Stunden durch die eingezäunten Wege in der Stadt herum laufen, um nachts um eins endlich zu Hause anzukommen", berichtet Stefanie Uhde. "Erst da haben wir dann Bilder gesehen und wirklich erfahren, was passiert war." Allerdings seien sie auf der Autobahn an vielen Hubschraubern, Zelten und Krankenwagen vorbei gekommen, so dass das Ausmaß schon dort erahnt werden konnte. "Es war eine sehr beklemmende Stimmung", beschreibt sie.
Der Tunnel – beklemmend
Auch die Bankkauffrau, ihr Freund und zwei ehemalige Kolleginnen von der Raiffeisenbank in Hückeswagen hatten den Tunnel passiert. Allerdings war das gegen 13 Uhr, eine Stunde vor dem Start der Loveparade gewesen. "Da war noch nicht so viel los, aber wir wollten trotzdem schnell dadurch." Sie könne sich gut vorstellen, dass Panik ausbreche, wenn man sich "in dem dunklen Ding" nicht mehr bewegen könne.
Stefanie Uhde kritisiert die Veranstalter, dass viele Wege abgesperrt waren und es nur einen Zugang gab, der gleichzeitig Ausgang war. Außerdem hätten schon viel früher, an den ersten Absperrungen, keine Besucher mehr in den Tunnel gelassen werden dürfen. "Das hätte zwar auch Ärger gegeben, aber keine Toten."
Die Kolleginnen hatten die Loveparade gegen 18 Uhr verlassen. "Ich hatte Angst, dass die da hinein geraten sein könnten." Tatsächlich passierten sie den Tunnel Richtung Ausgang, als dort Verletzte versorgt wurden, kamen aber heil zu Hause an – nachdem sie sich im Gedränge einen Platz in einem der Busse richtig gehend erkämpft hatten.
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