Hückeswagen: Triumph des Tüftlers
VON NORBERT BANGERT - zuletzt aktualisiert: 07.07.2008Hückeswagen (RPO). Wenn am kommenden Wochenende die Bobs durch Hückeswagen rollen, ist einer ganz besonders gespannt. Jürgen Schreiber ist der Chef-Konstrukteur des Rollensystem. Seine „Babys“ erleben dann die Feuertaufe.
Die Termine
Der Countdown zum Bob-Event: Freitag, 11. Juli, vormittags: Die Rollen werden unter den Bobs montiert. Freitag, 11. Juli, mittags: Die Teams starten zu den ersten Testfahrten. Freitag, 11. Juli, abends: Oktoberfest in der Pflitsch-Arena, Auftritt der Alpenstürmer aus Österreich, bayerische Speisen Samstag, 12. Juli, mittags: Das Rennen beginnt.
Jürgen Schreiber ist Rollen-Experte. Vor 40 Jahren hat der 53-Jährige bei der Firma Rhombus-Rollen angefangen. „25 Jahre lang habe ich in Rollen gemacht“, sagt der verheiratete Radevormwalder mit ein klein wenig Stolz in der Stimme. Vor einem Jahr hat er in seiner Garage und in der Werkstatt seines Zweiradgeschäftes dann mit der Entwicklung eines ganz speziellen Rollensystems begonnen: Räder für Bobs. „Die Grundidee hatte mein Bruder Sven. Er wollte den Bob in der Stadt zum Fahren bringen“, erinnert sich Jürgen Schreiber. Der Anfang war jedoch mühselig, denn kaum einer, so Schreiber weiter, hätte sie für Voll genommen. Doch nach viel Überzeugungsarbeit war der Durchbruch geschafft. „Der Bobrennfahrer René Spies hat uns dann einen Bob zur Verfügung gestellt. Sofort habe ich erste Entwürfe und Skizzen gemacht“, berichtet er weiter.
Drei Monate Arbeit
Eine wesentliche Forderung stand von Anfang an im Raum. Der Bob musste seine Eigenschaften, zum Beispiel seine Stabilität, behalten. Kein Loch durfte gebohrt werden, nichts durfte an dem Sportgerät selber verändert werden. Für den Ingenieur eine Herausforderung, gab es doch jede Menge zu bedenken. So spielte der Schwerpunkt des Gefährtes eine wichtige Rolle. Der Bob muss beispielsweise flach auf dem Boden gehalten werden. Ein anderes Problem waren die kleinen Räder mit ihrem geringen Durchmesser, der starken Krafteinwirkung durch die hohen Geschwindigkeiten. „Besonders die Lager werden beansprucht und müssen auf jeden Fall halten“, erläutert Schreiber. Um in der Praxis arbeiten zu können, hat der Tüftler schließlich einen Zwölfersatz Rollen von Rhombus-Rollen zur Verfügung gestellt bekommen. Die wurden nachträglich mit einem zusätzlichen Klebstoff verstärkt. Ende März war dann der erste Mustersatz fertig. „Mit dem haben wir schon 70 bis 80 Stundenkilometer erreicht. Und es gab keine Probleme damit mit“, sagt Schreiber.
Die Aufhängung wurde extern bei der Radevormwalder Firma Robert Wagner nach Skizzen von Schreiber gefertigt. Insgesamt stecken drei Monate Arbeit in dem System. „Alles nebenher“, betont Schreiber. Donnerstag vergangener Woche war der Produktionsprozess abgeschlossen. Auch der Bob, der bei dem Weltrekordversuch verunglückte, ist in der Zwischenzeit wieder hergestellt. Das Emblem der Rheinischen Post glänzt auf der neuen weißen Lackierung. „Die Rollentechnik hat nicht versagt. Da haben andere Faktoren eine Rolle gespielt“, betont Schreiber.
Am Freitagmorgen reisen die Teams an, um die Sätze mit Unterstützung von Jürgen Schreiber zu montieren. „Bis Samstagmittag muss alles fertig sein, denn dann beginnt das offizielle Rennen“, sagt Schreiber.
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