Hückeswagen: Unfallzahlen auf historischem Tief
VON STEPHAN BÜLLESBACH - zuletzt aktualisiert: 18.02.2009Hückeswagen (RPO). Gute Nachrichten hatte Landrat Hagen Jobi gestern bei der Präsentation der Verkehrsstatistik 2008 für den Oberbergischen Kreis: Die Zahl der Toten, Verletzten und Unfälle waren im Vorjahr weiter zurückgegangen. Doch weiterhin wird die Polizei Jagd auf Raser und Gurtmuffel machen.
Oberberg/Hückeswagen Ernst Seeberger freute sich sichtlich: "Willkommen beim erfolgreichsten Verkehrskommissariat in NRW", begrüßte der Sprecher der Kreispolizeibehörde gestern Mittag in der Polizeiwache Wipperfürth die oberbergische Presse. Was er damit meinte, belegte Landrat Hagen Jobi, Kraft seines Amtes Oberbergs oberster Polizist, anschließend mit Fakten: Die Zahl der Toten (11) war um sechs, die der Schwerverletzten (231) um 34, die der Leichtverletzten (922) um 50 und die der Verkehrsunfälle (6765) um 89 zurückgegangen; der dadurch entstandene volkswirtschaftliche Schaden reduzierte sich im Vergleich zu 2007 um knapp zehn Millionen auf rund 83 Millionen Euro. "Wir sind damit auf einem historischen Tiefststand angelangt", stellte Jobi fest. Seit der kommunalen Neugliederung 1975 habe es nie so wenige Unfälle mit so wenigen Toten und Verletzten gegeben. Damit ist die Kreispolizeibehörde zudem landesweit Spitze.
Kampf den Gurtmuffeln
Immer noch lehnen es viele Autofahrer ab, sich anzuschnallen. 7600 Autofahrer hielt die Polizei im vorigen Jahr kreisweit an, die den Gurt nicht angelegt hatten. Dazu kamen 400 Fälle, in denen die mitfahrenden Kinder nicht oder unzureichend angeschnallt waren. "Als Vater von vier Kindern kann ich nicht verstehen, dass jemand sein Kind nicht anschnallt", meinte Klaus Heller, Leiter der Führungsstelle Verkehr. Häufig seien es Mütter, die ihre Kinder in Zeitdruck zum Kindergarten führen und nicht anschnallten. Verwarngeld: 30 Euro.
Trotz der positiven Entwicklung steckt hinter den Zahlen immer noch jede Menge menschliches Leid. So wurde unter den Unfällen mit Todesfolge auf Oberbergs Straßen auch einer auf Hückeswagener Stadtgebiet registriert: Ende Mai starb auf der K 11 zwischen der Rader Straße und Mickenhagen ein 43-jähriger Motorradfahrer, den eine 23-jährige Autofahrerin bei einem Wendemanöver übersehen hatte. Immerhin war auch hier die Zahl rückläufig: Ein Jahr zuvor waren drei Menschen auf Hückeswagens Straßen bei Unfällen gestorben. Insgesamt verzeichnete die Polizei 380 Unfälle in der Schloss-Stadt. In 51 Fällen kamen Menschen zu Schaden; insgesamt registrierte die Polizei 62 Verletzte.
Hauptunfallursache war auch 2008 wieder das Abbiegen: Zwar sank die Zahl um elf auf 509, dennoch ist diese Ursache immer noch absoluter Spitzenreiter. "Die Unfälle beim Abbiegen sind von uns nur sehr schwer zu bekämpfen", bedauerte Klaus Heller, Leiter der Führungsstelle Verkehr. An zweiter Stelle liegen die Unfälle, die auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind – ihre Zahl stieg im Vorjahr sogar um 34 auf 478 an. Es folgen Vorfahrtsmissachtungen (274, plus sechs) und Unfälle unter Alkoholeinfluss (160, plus 17).
Einen landesweiten Spitzenplatz belegt die Kreispolizeibehörde bei der Unfallflucht: Die Aufklärungsquote liegt bei 54 Prozent – und die bei den Fällen mit Personenschäden sogar bei 80,5 Prozent.
Der Landrat machte "seiner" Polizei ein großes Lob für ihre geleistete Arbeit. Doch ausruhen werde sie sich nicht, versicherte er. "Wir werden weiterhin alle Möglichkeiten ausschöpfen, den Verkehrsraum sicherzustellen", betonte Jobi. Im Fokus habe die Polizei dabei vor allem drei Gruppen: die jungen Erwachsenen, die Motorradfahrer und die Kinder (siehe neben stehenden Artikel). Zum Schluss appellierte Jobi an alle Verkehrsteilnehmer: "Gehen sie bitte nicht leichtfertig mit der Gesundheit und dem Leben Anderer um!"
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