Hückeswagen: Viel Aufregung um nichts?
VON BRIGITTE NEUSCHÄFER - zuletzt aktualisiert: 20.09.2008Hückeswagen (RPO). Der Einsatz der Lebensmittel-Kontrolleure beim Altstadtfest hat für viel Ärger bei den Vereinen gesorgt. Im Kreishaus herrscht Unverständnis: Die Kontrollen hätten sich in Grenzen gehalten, heißt es aus Gummersbach.
Die Wogen der Empörung schwappten hoch beim Altstadtfest vor einer Woche: Manche Vereine, die Speisen und Getränke anboten, fühlten sich schikaniert wegen der Auflagen des Lebensmittelüberwachungsamtes und der Überprüfungen durch die Lebensmittelkontrolleure des Kreises. War die Aufregung der Hückeswagener berechtigt? Sind die Mitarbeiter der Kreisverwaltung übers Ziel hinaus geschossen?
Peter Biesenbach, CDU-Politiker aus Hückeswagen, wollte es wissen. Gestern traf er sich deshalb zu einem Gespräch mit Landrat Hagen Jobi in Gummersbach. Ergebnis: „So schlimm war’s nicht mit den Kontrollen.“ Und: Sanktionen habe es auch nicht gegeben, versicherte der Landrat nach Rücksprache mit seinem Überwachungsamt.
Auch in früheren Jahren sei schon stichprobenartig kontrolliert worden, erfuhr Biesenbach. Diesmal waren zwei Lebensmittel-Kontrolleure bereits am Freitagabend, also vor dem offiziellen Beginn des Festes, unterwegs gewesen. „Rund 20 Stände wurden nach Auskunft des Kreises kontrolliert“, sagte der Hückeswagener gestern in einem Pressegespräch. Lediglich in vier Fällen habe es aus Sicht der Kontrolleure Grund zum Einschreiten gegeben.
Im ersten Fall, so geht aus den Akten hervor, stand eine Tiefkühltruhe im Stand eines Vereins auf einer verschmutzten Holzpalette. Außerdem fanden die Kontrolleure Schmutzrückstände und Schwarzschimmel in der Türdichtung eines Umluft-Kühlschranks. Sie ordneten an, die Mängel zu beseitigen und sprachen eine mündliche Verwarnung aus. Ein Verwarnungsgeld forderten sie nicht, weil zum Zeitpunkt der Kontrolle noch keine Lebensmittel in dem Kühlschrank waren.
Im zweiten Fall beanstandeten die Kontrolleure, dass es an einem Stand, an dem offene Speisen angeboten wurden, kein fließend heißes Wasser zum Waschen der Hände gab. Auch dafür gab’s zwar eine mündliche Verwarnung aber kein Verwarnungsgeld.
An zwei weiteren Ständen wurde bemängelt, dass Zusatzstoffe in den verkauften Würstchen und anderen Lebensmitteln gar nicht bzw. nicht vollständig und deutlich lesbar deklariert waren. „Diese Deklaration ist aber wichtig, wie mir gesagt wurde“, so Biesenbach gestern.
Grund: Wer unter Allergien leidet, muss wissen, ob ein Würstchen zum Beispiel Phosphat enthält, weil der Verzehr dieses Zusatzstoffes allergische Reaktionen auslösen kann. Biesenbach: „In diesen beiden Fällen wurden nach Auskunft des Kreises ebenfalls mündliche Verwarnungen ausgesprochen, und es wurde angekündigt, dass mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von 35 Euro zu rechnen sei.“
Nach seinen Informationen habe niemand gleich an Ort und Stelle zahlen müssen – „und laut Hagen Jobi werden die Verwarnungsgelder auch nicht mehr erhoben“.
Fazit für Biesenbach: „Wenn stimmt, was der Kreis mir gesagt hat – und das unterstelle ich mal –, ist von Schikane nicht auszugehen.“ Die Kontrollen hätten sich „im üblichen Rahmen“ bewegt.
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