Hückeswagen: Wenn Teenager Mütter werden
VON SYBILLE MÖCKL - zuletzt aktualisiert: 23.04.2011Hückeswagen (RPO). Seit zwei Jahren ist das Café Liebenswert im oberen Island Anlaufpunkt für junge Mütter. In den angeschlossenen Wohnungen erhalten bis zu vier Mütter Unterstützung. Die erste zieht jetzt in ihre eigene Wohnung.
Die erste eigene Wohnung ist immer spannend. Meist ist es eine – nicht unbedingt aufgeräumte – Bude oder ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Und es wartet eine aufregende Zeit auf den Bewohner: Partys, Freunde, Ausbildung, vielleicht eine neue Stadt.
Die erste eigene Wohnung direkt mit eigenem Kind zu beziehen, ist dagegen mehr als spannend: Es ist eine Herausforderung. Dominique Heinrich (19) hat sie mit ihrem bald dreijährigen Sohn Leon gerade bravourös gemeistert: Anfang April ist sie aus einer der insgesamt vier Wohnungen über dem Café Liebenswert ausgezogen.
Dort, an der oberen Islandstraße, können junge Mütter mit ihren Kindern in ein begleitetes Umfeld ziehen. Für Fragen und Hilfe stehen die beiden Leiterinnen des Cafés und Mitarbeiterinnen des Jugend- und Sozialwerks Gotteshütte, Denny Burmester und Christine Schiffer, bereit.
Knapp zwei Jahre hat die junge Mutter mit ihrem Sohn hier gelebt. Denny Burmester sagt: "Wir wollen den Mädchen zeigen, starke Mütter zu werden, um starke Kinder großzuziehen."
Dafür arbeitet die Sozialarbeiterin zusammen mit der Familientherapeutin Christine Schiffer täglich mit den Frauen, damit Mutter und Kind zu einer Einheit zusammenwachsen. "Teenager-Mütter müssen häufig zunächst einmal lernen, was es bedeutet, Mutter zu sein und auf ein Kind zu achten", betont Denny Burmester.
Im Café gibt es daher wöchentlich wechselnde Angebote: vom gemeinsamen Eierfärben und Basteln bis hin zur Ergotherapie, für die alle zwei Wochen eine Therapeutin in die Einrichtung kommt. "Wichtig ist, dass die Mütter mit ihren Kindern Zeit verbringen, in der Schönes passiert.
Und dass die Kinder nicht einfach nur nerven", erklärt Denny Burmester. Behutsam wollen sie und Christine Schiffer die Frauen an das veränderte Leben heranführen und ihnen zeigen, dass das Leben trotz – oder besser gerade wegen – eines Kindes lebenswert ist.
Dominique Heinrich sucht jetzt auch einen Ausbildungsplatz. Entweder zur Einzelhandelskauffrau, zur Floristin oder Friseurin. Trotzdem will die 19-Jährige weiterhin ins Café kommen.
"Ich habe hier auch Freunde gefunden", sagt sie. Außerdem hat sie die Patenschaft für Samantha übernommen, das Kind einer anderen Bewohnerin, die zur guten Freundin wurde.
"Im Schnitt kommen pro Öffnungstag fünf Mütter mit ihren Kindern ins Café", berichtet Denny Burmester. "Dazu kommen häufig auch noch Angehörige und Freunde der Mütter." Die Förderung der Aktion Mensch für das Café läuft noch bis April 2012. "Wir versuchen, eine Verlängerung zu beantragen. Aber wir machen uns trotzdem schon auf die Suche nach anderen Förderungsmöglichkeiten."
Der politische Wille, das Projekt weiterlaufen zu lassen, scheint auch beim Oberbergischen Kreis da zu sein, berichtet die Sozialarbeiterin. Was daraus wird, ist aber noch nicht sicher. Sicher ist: Teenager-Mütter wie Dominique Heinrich profitieren von dem Angebot – und ihre Kinder auch.
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