Hückeswagen: West 3 in der Diskussion Sammeln für Kunstrasen Umgehung: Es geht voran Alkoholverbot kommt
zuletzt aktualisiert: 30.12.2008Hückeswagen (RPO). Den größten Widerstand gab’s aus den Reihen der Einzelhändler. Ein neuer Einzelhandelsstandort auf der „grünen Wiese“ in Wiehagen? Für die überwiegende Mehrheit des örtlichen Einzelhandels stand fest: „West 3 wollen wir nicht!“ Denn weniger durch die geplante Ansiedlung einer Tankstelle und eines Fast-Food-Imbisses auf dem brach liegenden Gelände zwischen Kammerforsterhöhe und Junkernbusch sehen sich die Händler in der Innenstadt bedroht, vielmehr durch einen Discounter und weitere Geschäfte, die dort ebenfalls eröffnen sollen. So startete die Werbegemeinschaft im Februar einen plakativen Feldzug gegen West 3, als in vielen Geschäfte auf großen, farbigen Aushängen zum Ausdruck gebracht wurde, dass „West 3 die Innenstadt tötet“.
Genutzt hatte es nichts. Ebenso wenig, dass die CDU als größte Ratsfraktion sich ebenfalls vehement gegen die Pläne der Verwaltung stemmte. Am 11. März stimmte der Rat mit knapper Mehrheit aus SPD, FDP, UWG, Grünen, FaB und Bürgermeister Uwe Ufer für die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 72.
Nun könnte es im Frühjahr losgehen. Das Gesicht im Westen der Stadt wird sich dann stark ändern. Nicht zuletzt durch die neue Verkehrsführung. So soll etwa die Kurve im Bereich der Einmündung Schmalbeinsweg begradigt werden; auch ist ein Kreisverkehr in Planung.
Der Fußball in der Schloss-Stadt boomt. Allein rund 330 Kinder und Jugendlichen kicken in den beiden Hückeswagener Vereinen FC 04 und RSV 09. Letzterer feiert im nächsten Jahr sein 100-jähriges Bestehen – und würde das am liebsten auf Kunstrasen tun. Denn alle Fußballer in der Stadt haben ein großes Problem: der Sportplatz. Im Sommer ist es so staubig auf dem Aschenplatz, dass der Ball mitunter im dichten Nebel verschwindet, und sobald es länger regnet, verwandelt sich der gesamte Platz in eine Matschwüste. Der Spaßfaktor am Fußballspielen lässt somit arg zu wünschen übrig.
Grünen-Sprecher Egbert Sabelek war es, der im Sommer vorigen Jahres einen Kunstrasenplatz ins Gespräch brachte. Eine Idee, die bei allen Beteiligten auf großen Zuspruch stieß – bei den Fußballvereine, beim Stadtsportverband, bei der Politik, in der Verwaltung und auch in der Bevölkerung. So werden seit Monaten kräftig Spenden gesammelt. Schließlich hat der SSV 300 000 Euro der Gesamtkosten für den Umbau aufzubringen (die andere Hälfte kommt von der Stadt). Etwas mehr als 160 000 Euro sind an Spenden bereits herein gekommen. Bis zum Baubeginn im Mai dürfte der Betrag noch höher sein, ist sich SSV-Chef Jürgen Löwy sicher. Was dann noch nicht über Spenden abgedeckt ist, soll finanziert werden. Dann kann der Raspo sein Jubiläum auf Kunstrasen feiern – und nicht im Staubnebel.
August
Vom Sturm gebeutelt Eine Windhose erfasst das Zelt des Circus’ Rondell, der im Gewerbegebiet Winterhagen-Scheideweg Station macht. Der Schaden ist hoch. Minister auf der Durchreise Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) macht sich zwei Stunden lang ein Bild von der Stadt und dem Konzept des Bürgerbads.
September
Postdieb gefasst Die Polizei nimmt einen 44-jährigen Wuppertaler fest. Er arbeitet für ein Subunternehmen der Post, das die Briefkästen leert. Dabei hat er offenbar viele Briefe unterschlagen. Blau, schön, Stahl Die neue Brücke über die Vorsperre wird eingeweiht. Ärger beim Altstadtfest Der Kreis kontrolliert die Imbissstände, die Stadt verbietet das Trödeln in den Gassen zwischen Goethe- und Islandstraße – das sorgt für viel Unmut bei den Hückeswagenern.
oktober
„Staatsbesuch“ Bundespräsident Köhler ist zu Gast bei der Gefährdetenhilfe und zeigt sich tief beeindruckt. In Bever ertrunken Nach dem Besuch einer Party fällt ein 54-jähriger Wermelskirchener ins Wasser und wird am nächsten Tag tot unter einem Bootssteg entdeckt. Entlassungen Die weltweite Finanzkrise hat nun auch Hückeswagen erreicht: Der Automobilzulieferer ixetic entlässt seine 50 Leiharbeiter.
November
Jubiläum Der TV Winterhagen feiert sein 80-jähriges Bestehen mit einem großen Show- und Mitmachprogramm. Mehr Sicherheit Die Stadt lässt im Schlosshagen 30 Bäume fällen, die ein Gutachter als Gefahr für Fußgänger und Autofahrer einstuft.
Dezember
Friede, Freude, Reibekuchen Der Weihnachtsmarkt kommt bestens an – ebenso die sieben Meter hohe Holzpyramide vorm Schloss. Von Krise keine Spur Die Stadt steht finanziell so gut wie nie zuvor da. Dieses Resümee zieht Bürgermeister Ufer in seiner Haushaltsrede.
Dreieinhalb Kilometer wird sie lang sein, seit mehr als 30 Jahren wird auf sie gewartet, geschätzte 16 Millionen Euro an Baukosten soll sie nach derzeitigen Berechnungen kosten – die äußere Ortsumgehung auf der Trasse der K 5 soll nun endlich gebaut werden. 2008 ist das Jahr, in dem das Planfeststellungsverfahren anläuft. Bei seinem Kurzbesuch am 6. April hatte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee der Stadt die erhoffte Zusage gemacht: „Für den Bund ist klar, dass die Ortsumgehung notwendig ist“, versicherte der SPD-Politiker damals gegenüber der Verwaltungsspitze und im Beisein von Vertretern aller Ratsparteien im Schloss. Tiefensee nannte zwei zwingende Gründe, die für den Bau der äußeren Ortsumgehung sprechen: „Die Anzahl der Kraftfahrzeuge durch den Ort gibt das allemal her, und außerdem sind die Möglichkeiten für die Stadtgestaltung und -entwicklung groß, die sich daraus ergeben.“
Groß war auch das Interesse der Hückeswagener an den Plänen für die äußere Ortsumgehung; bis zum 3. Dezember hatten sie Zeit, ihre Einsprüche und Einwendungen bei der Stadt vorzubringen. Inzwischen sind die Planunterlagen mitsamt den dazu gehörigen Akten mit den Erläuterungen an die Bezirkregierung in Köln zurückgeschickt worden, wo die Einsprüche gesichtet und zur fachlichen Stellungnahme an den Landesbetrieb Straßen weitergegeben werden. Klappt alles reibungslos, könnte 2012 mit dem Bau begonnen werden.
Januar
Schlechter Start ins neue Jahr Eine Silvesterrakete setzt das Dach der Familie Buß an der Großberghauser Straße in Brand; Sachschaden: 250 000 Euro. Großeinsatz nach Suizid-Androhung Rettungskräfte finden 20-Jährigen nach gut 90-minütiger mitternächtlichen Suche schlafend in einem Waldstück nahe der Wupper-Vorsperre.
Februar
Da simmer dabei Die Jecken strömen zum Rosenmontagszug, auch wenn’s in Strömen regnet. Knapp vorbei Beim „einslive-Schulduell“ des Radiosenders beantworten die Realschüler zwar alle Fragen richtig, sind aber ein paar Sekunden zu langsam fürs Finale. Ganz vorbei Die Wiehagener Firma Weger muss Insolvenz anmelden.
März
Riesenüberraschung Die Prellball-Mädchenmannschaft des TV Winterhagen holt sich in Zeilhardt bei Darmstadt die Deutsche Meisterschaft der Jugendklasse C/D. Akute Geldnot Die DLRG-Ortsgruppe ist in finanziellen Schwierigkeiten, denn die Zuschüsse werden weniger oder bleiben ganz aus. Drama an der Kölner Straße Bei einem Hausbrand werden zwei Bewohner schwer verletzt; der Hund der Familie verendet in den Flammen. Neuer „Durchblick“ Im Stadtpark werden reichlich Bäume und Sträucher gefällt. Somit wird die Sicht frei auf die Johanniskirche und die Gemeinschafts-Grundschule.
April
Fünf Jahre Haft Für den mehrfachen sexuellen Missbrauch seiner Stieftochter muss ein 46-Jähriger hinter Gitter. Ärger bei den Katholiken Weil Pfarrer Klein die Jugendmesse auf dem Schlossplatz zum Kolping-Jugendtag „aus liturgischen Gründen“ nicht erlaubt, starten die Jugendlichen eine Protestaktion. Bauern-Protest Hückeswagener Landwirte demonstrieren vor der Aldi-Filiale in der Stadt gegen die Milchpreis-Senkung der Discounter.
Mai
Hunde-Polizei auf Streife Verwaltung schickt Kontrolleure durch die Stadt, die nicht angemeldete Vierbeiner aufspüren sollen. Mehr als 240 Hunde werden anschließend von ihren Haltern angemeldet. Post verschwunden Immer mehr Hückeswagener melden sich, deren Briefe – zum Teil mit wertvollem Inhalt – nicht angekommen sind. Die Post fahndet nun nach dem Dieb. Millionen-Investition Die Firma ixetic erweitert für fünf Millionen Euro ihre Produktionshalle im Gewerbegebiet Winterhagen-Scheideweg, weitere Millionen sollen folgen. Tod auf der K 11 Bei einem Wendemanöver einer 23-jährigen Autofahrerin unterhalb von Mickenhagen kann ein 43-jähriger Motorradfahrer nicht mehr bremsen. Er stirbt noch am Unfallort.
Juni
Geheimnummern ausspioniert Unbekannte haben Minikameras oberhalb der Geldautomaten der Deutschen Bank an der Bahnhofstraße installiert; mehr als 65 Opfer stellen später hohe Abbuchungen fest. Trauriges Ende Die Holzbrücke über der Vorsperre stürzt ein; niemand wird verletzt. Ein paar Tage später hätte sie ohnehin abgerissen werden sollen.
Juli
Tschüss! Den Chirurg Dr. Gerd Doppstadt zieht’s mit seiner Praxis nach Wipperfürth. Hückeswagen wäre damit ohne Unfallchirurgen. „Einfach Wahnsinn“ Die Autofahrer reagieren zwischen Resignation und Wut – angesichts von Spritpreisen von 1,50 Euro und mehr. Wiehagen ohne Telefon Weil ein 27-Jähriger am Schmalbeinsweg einen Verteilerkasten zu Schrott fährt, können die Wiehagener nicht mehr telefonieren. Gut Schuss Jörg Hofmann ist der neue Schützenkönig. Ungewöhnlicher Unfall Ein 25-jähriger Wermelskirchener erleidet einen Krampfanfall und rast mit seinem Wagen an der Kreuzung Friedrichstraße/Bachstraße gegen einen Laternenmast.
Manfred Hücker war sichtlich frustriert. „Vor 14 Tagen hatten wir wieder großen Vandalismus in der Stadt, mit zerstörten Scheiben und so weiter. Wir müssen uns etwas einfallen lassen!“, hatte der CDU-Politiker Ende August in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses von der Verwaltung gefordert. Auch der Bürgermeister war es leid angesichts zunehmender Zerstörungen im Stadtbereich. So ließ Uwe Ufer die Katze aus dem Sack: „Wir haben vor, die Straßenordnung zu ändern. Der Genuss von Alkohol im Innenstadtbereich soll verboten werden.“ Damit will die Verwaltung dem Vorbild Radevormwalds folgen: In der Nachbarstadt ist das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit seit einem Jahr tabu und wird konsequent verfolgt.
In seiner Sitzung am 12. Dezember sprach sich der Rat mit großer Mehrheit für eine neuen Straßenordnung und damit das Alkoholverbot für einen fest eingegrenzten Bereich innerhalb der Innenstadt aus; lediglich die Grünen votierten dagegen. Deren ablehnende Haltung hatte im November zu einer großen Diskussion unter den BM-Lesern geführt. Viele hielten ein Alkoholverbot für ein probates Mittel, den Vandalismus einzudämmen. Andere wiederum warnten, dass das Problem nur verlagert werde.
Das Alkoholverbot soll nun ab März in Kraft treffen. Bis dahin soll im Sozialausschuss mit Experten über „flankierenden Maßnahmen“ beraten werden, wie das Problem öffentlicher Trinkgelage an den Wurzeln zu packen ist.
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