Leichlingen: 35 000 Fans beim Erbslöh-Kurs
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 26.11.2009Leichlingen (RPO). Der Motorsport hatte in Leichlingen einst einen hohen Stellenwert. Fritz Rossky, Ehrenvorsitzender des Motor-Sport-Clubs Leichlingen, hat Erinnerungen daran zusammengetragen und nun dem Stadtarchiv übergeben.
"Ahnenforschung"
Der MSCL gehört dem ADAC an. Rossky ist immer noch auf der Suche nach Hinweisen auf den nach dem ersten Weltkrieg gegründeten Leichlinger Motor-Sport-Club, von dem nur wenig bekannt ist. Die Mitglieder des MSCL treffen sich an jedem ersten Donnerstag im Monat abends im Lokal "Wupperblick" (Brückerfeld).
Wenn er von damals erzählt, dann beginnen die Augen von Fritz Rossky zu strahlen. Der frühere Rallye-Pilot hat Ende der 40er-, Anfang der 50er-Jahre die Anfangstage des Motor-Sport-Clubs Leichlingen miterlebt. Das gemeinsame Motorrad-Fußball-Spiel (heute Motoball) auf einem Sportplatz, vor allem aber die legendären Moto Cross-Rennen in der Blütenstadt. Bis zu 35 000 Zuschauer kamen zu Höchstzeiten zum Schulbusch – bei einer Einwohnerzahl von knapp 9 000. Noch heute finden sich im Wald hinter dem Schwimmbad vereinzelt Reste des Erbslöh-Kurses.
"Das erste Rennen dort war eine Sensation für die Stadt", erinnert sich Rossky an seine einzige Teilnahme. Das Starterfeld war erlesen. Unter anderem nahm ein junger Mann Mitte 20 teil, der später auf vier Rädern für Furore sorgen sollte: Wolfgang Graf Berghe von Trips. Die Erinnerungen an das Zusammentreffen mit dem künftigen Formel 1-Fahrer und andere Vorkommnisse aus 60 Jahrzehnten Klubgeschichte sind unbezahlbar. Damit auch künftige Generationen sich noch ein Bild machen können von der Leichlinger Motorsport-Vergangenheit, hat der Ehrenvorsitzende des MSCL alle Unterlagen und Zeitungsartikel gesammelt. Dieses papierne Gedächtnis vermachten er und der Klub nun dem Stadtarchiv.
Sieben große Bände umfasst die Chronik, zusätzlich einen kleinen Band mit Urkunden und Papieren, zwei Bücher (in denen der MSCL erwähnt wird), Straßenkarten und Videoaufnahmen der von 1989 bis 1998 durchgeführten Oldtimer-Rallyes des Klubs. Bürgermeister Ernst Müller und Stadtarchivar Uwe Boelken hatten sichtlich ihre Freude an der Entdeckungsreise durch die Unterlagen. Dort finden sich Hinweise auf die zehn Jahre veranstalteten Moto Cross-Wettbewerbe, die Einzel-Zeitfahren auf dem anspruchsvollen Klingenkurs von Wupperhof nach Orth, besagte Oldtimer-Veranstaltungen und die Erfolge der Leichlinger Motorsportler: den Europameister-Titel für GT-Fahrzeuge, von Hartwig Bertrams 1975 auf einem Porsche erzielt, oder die nationalen Meisterweihen für Moto Crosser Willi Braun (1958/1959). Wie bei Rossky, der bis 1968 mit Rallyewagen (VW spezial und Porsche) Erfolge sammelte, liegen deren Erfolge lange zurück.
Nur zwei der 37 Mitglieder sind noch aktiv. Dieter Ohligschläger (Kadett C) und Helmut Harich (Fiat 128 Coupe) nehmen an Youngtimer-Wettbewerben teil – stets unterstützt von "Schrauber" Peter Proch. Es fehlt dem MSCL zwar nicht an Geschichte, aber an Nachwuchs. "Kein Wunder, Motorsport ist ein ziemlich kostspieliges Hobby", sagt der Ehrenvorsitzende.
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