Leichlingen: Als Frauen nichts zu sagen hatten
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 11.07.2008Leichlingen (RPO). Leichlingens größter Sportverein blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Der Verein hat zum Jubiläum ein Sonderheft herausgebracht, in dem u.a. an die Anfänge in der Kaiser-Wilhelm-Halle und den ersten Sportplatz an der Brückenstraße (heute Turnplatz) erinnert wird.
Das Jahr 1883 kann mit einer ganzen Reihe bedeutender Ereignisse aufwarten. Die Brooklyn Bridge wird eröffnet. Der Orient-Express bricht zu seiner Jungfernfahrt auf. Karl Marx, Édoard Manet und Carl Wilhelm Siemens sterben. Franz Kafka und Joachim Ringelnatz erblicken das Licht der Welt. Just in diesem Jahre, Wilhelm I. ist deutscher Kaiser und die Blütenstadt als Stadt gerade einmal 24 Jahre alt, gründen vermutlich 16 Männer im Zuge der Jahnschen Turnbewegung den Leichlinger Turnverein. Der feiert folglich nun sein 125-jähriges Bestehen.
Emanzipation noch weit entfernt
Der Bau des Hallenkomplex Am Hammer war noch viele Dekaden entfernt in diesen ersten Jahren des LTV. Dafür gab es eine „Kaiser-Wilhelm-Halle“, die von den Turnern rege als Übungsstätte genutzt wurde. Treffpunkt war darüber hinaus die Gaststätte „Deutsches Haus“ von Carl Evertz. Von der heute praktizierten Gleichberechtigung der Geschlechter war damals noch keine Spur. Erst nach einigen kontroversen Diskussionen setzte sich in den 1910er Jahren der Vorschlag des damaligen 1. Turnwarts Fritz Jansen durch, ein Damenschauturnen zu veranstalten. Ein Antrag, den Frauen gleiches Stimmrecht zu gewähren wurde – heute undenkbar – von der Mehrheit abgelehnt.
Die 20er Jahre – Turner, Faustballer und Fußballer wurden noch als Leichtathleten zusammengefasst und es gab Disziplinen wie Stabweitsprung, Weithochsprung oder Kugelschocken – bescherten dem Verein nach vielen Jahren Vorlauf endlich die ersehnte eigene Halle. Neben dem Sportplatz an der damaligen Opladener Straße (heute Brückenstraße) wurde sie gebaut und 1927 eingeweiht.
Seitdem ist vieles passiert. Einen guten Eindruck von der Geschichte des größten Leichlinger Sportvereins gibt die Jubiläumsausgabe des LTV-Kuriers. Sie enthält die Geschichte der verschiedenen Abteilungen und eine vom Vorsitzenden Martin Hasenjäger verfasste Chronik des Gesamtvereins.
Im Heft findet sich auch manche amüsante Begebenheit. Die Basketballer des Klubs etwa verdanken ihre Existenz der Begeisterung der Menschen aus Leichlingens damals noch neuer Partnerstadt Marly-le-Roi für die Sportart. Die Franzosen, deren Team gerade Meister der Region Paris wurden, kündigten für den ersten sportlichen Austausch eine Partie im damals in der Blütenstadt noch weitgehend unbekannten Basketball an. Der Vorsitzende Fritz Krautmacher beschloss, der Verein müsse eine Mannschaft aufstellen. Diese Aufgabe übernahm Manfred Immel. Sein Jugendteam unterlag zwar deutlich. Und dennoch bildete diese Partie die Wurzeln der Abteilung, die bis heute Bestand hat. 1965 war das, in dem Jahr also, in dem sich die Fußballer als SC Leichlingen selbstständig machten.
Über 2000 Mitglieder
Die Mitgliederzahlen sind seit der Gründung 1883 immer weiter gestiegen. 1890 wurden 43 Turner verzeichnet, 1900 bereits 112. 1960 freute sich der damalige LTV-Chef über einen Anstieg von 457 auf 558 Mitglieder.
Die magische Grenze von 2000 LTVern wurde nun im laufenden Jahr erstmals übertroffen. Beim Leichlinger Turnverein handelt es sich also um einen überaus gesunden 125-Jährigen.
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