Leichlingen: Brandbrief von der Feuerwehr
VON STEFAN SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 28.07.2010 - 14:30Leichlingen (RPO). Das Verhältnis zwischen der Freiwilligen Feuerwehr Leichlingen auf der einen sowie Stadtverwaltung und Politik auf der anderen Seite ist weiterhin angespannt. Die Wehrführung legte heute ein Schreiben vor, in dem sie unter anderem erneut mangelnde Wertschätzung der Feuerwehr beklagt.
Es waren bittere Pillen, die die Freiwillige Feuerwehr Leichlingen aufgrund der Finanznot der Stadt und des von Landrat Rolf Menzel geforderten Sparpakets zu schlucken hatten. Kein Schlauchtrocknungsturm, keine Ersatzdrehleiter, kein Rüstwagen und in naher Zukunft auch kein Ersatz verschiedener in die Jahre gekommener Einsatzwagen – bei der Feuerwehr setzten Politik und Verwaltung den Rotstift besonders hart an.
Die Wehrleiter Horst Schmidtberg und Ronald Hillbrenner sind offenbar nicht länger bereit, den ihnen abverlangten Verzicht widerspruchslos hinzunehmen. In einem Schreiben an unsere Redaktion beklagten sie mangelnde Achtung der Leichlinger Feuerwehrleute. „Die Wertschätzung gegenüber Menschen, die im Ehrenamt tätig sind, und damit ihre Freizeit, ihre Arbeitskraft – und bei der Feuerwehr auch noch das eigene Wohlergehen – für die Mitmenschen zur Verfügung stellen, sehen wir nicht“, schreiben Schmidtberg und Hillbrenner. Und weiter: „Wieso sollen wir weiterhin Tag und Nacht unsere Gesundheit riskieren, wenn uns mit solch rigorosen Maßnahmen zu verstehen gegeben wird, dass es nicht wirklich ernsthaft den Versuch gibt, die Ausstattung der Feuerwehr mindestens auf dem Niveau zu halten, auf dem es ist?“
Keiner der Feuerwehrleute strebe nach besonderer Behandlung. Man erwarte lediglich „die erkennbar ernsthafte Auseinandersetzung mit den belegbaren Notwendigkeiten und dies zeitnah zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger“.
Im Zusammenhang mit dem Beschluss des Stadtrats, weiter auf einen Schlauchtrocknungsturm zu verzichten, gehen die beiden Wehrleiter sogar noch weiter. Wenn die gewaschenen Löschschläuche zum Trocknen wie in Leichlingen auf den Boden gelegt würden, reduziere dies die Lebensdauer des Materials und erhöhe das Unfall- und Verletzungsrisiko der Feuerwehrleute. Denn die Schläuche, durch die bei Einsätzen Wasser mit 10 bar Druck geleitet werde, könnten platzen. Der Schlauchtrocknungsturm sei folglich weniger ein Wunsch der Feuerwehr, als vielmehr eine Notwendigkeit, urteilen Schmidtberg und Hillbrenner. „Man stelle sich vor, irgendwo wird ein Hochhaus gebaut, aber auf die Installation eines Aufzugs verzichtet. Natürlich kann man auch in so einem Gebäude wohnen, aber mit welchen Nachteilen?“
Schmidtberg und Hillbrenner kritisieren, dass aus ihrer Sicht größere Investitionen in die Feuerwehr nicht aus der vorausschauenden Einsicht geboren wurden, etwas tun zu müssen. „Vielmehr waren so gut wie alle Initiativen gekennzeichnet durch einen unmittelbaren Handlungszwang.“ Als Beispiele führen sie den Totalausfall einer Drehleiter im Jahr 1995 und die unhaltbaren Zustände vor der Erweiterung des Gerätehauses Metzholz an.
Auch der Umgang mit dem Brandschutzbedarfsplan ärgert die Feuerwehrleitung. Schon der im Jahr 2005 verabschiedete Plan enthalte reihenweise notwendige Investitionen, die jetzt wiederum dem Rotstift zum Opfer gefallen seien. „Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Neuauflage des Brandschutzbedarfsplanes seit deutlich über einem Jahr im Rathaus vorliegt“, erinnern Schmidtberg und Hillbrenner. Verabschiedet ist diese Fortschreibung bislang nicht; Bürgermeister Ernst Müller hatte dies im RP-Gespräch für nach der Sommerpause angekündigt.
Eines müsse deutlich werden, fahren Schmidtberg und Hillbrenner fort: „Verzögerungen gehen nicht zu Lasten der Feuerwehr, sie gehen zu Lasten der Menschen, die in Leichlingen leben, zu Besuch sind, dort arbeiten.“
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