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Leichlingen: Brandbrief von der Feuerwehr

VON STEFAN SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010

Leichlingen (RPO). Das Verhältnis zwischen der Freiwilligen Feuerwehr Leichlingen auf der einen sowie Stadtverwaltung und Politik auf der anderen Seite ist weiterhin angespannt. Die Wehrführung legte gestern ein Schreiben vor, in dem sie unter anderem erneut mangelnde Wertschätzung beklagt.

So entspannt wie auf diesem Foto ist das Verhältnis zwischen Bürgermeister Ernst Müller und den Feuerwehrchefs Horst Schmidtberg (l.) und Ronald Hillbrenner (r.) zurzeit nicht.   Foto: RPO
So entspannt wie auf diesem Foto ist das Verhältnis zwischen Bürgermeister Ernst Müller und den Feuerwehrchefs Horst Schmidtberg (l.) und Ronald Hillbrenner (r.) zurzeit nicht. Foto: RPO

Es waren bittere Pillen, die die Freiwillige Feuerwehr Leichlingen aufgrund der Finanznot der Stadt und des von Landrat Rolf Menzel geforderten Sparpakets zu schlucken hatten. Kein Schlauchtrocknungsturm, keine Ersatzdrehleiter, kein Rüstwagen und in naher Zukunft auch kein Ersatz verschiedener in die Jahre gekommener Einsatzwagen – bei der Feuerwehr setzten Politik und Verwaltung den Rotstift besonders hart an.

"Kein ernsthafter Versuch"

Die Wehrleiter Horst Schmidtberg und Ronald Hillbrenner sind offenbar nicht länger bereit, den ihnen abverlangten Verzicht widerspruchslos hinzunehmen. In einem Schreiben an unsere Zeitung beklagten sie gestern mangelnde Achtung der Leichlinger Feuerwehrleute. "Die Wertschätzung gegenüber Menschen, die im Ehrenamt tätig sind und damit ihre Freizeit, ihre Arbeitskraft – und bei der Feuerwehr auch noch das eigene Wohlergehen – für die Mitmenschen zur Verfügung stellen, sehen wir nicht", schreiben Schmidtberg und Hillbrenner. Und weiter: "Wieso sollen wir weiterhin Tag und Nacht unsere Gesundheit riskieren, wenn uns mit solch rigorosen Maßnahmen zu verstehen gegeben wird, dass es nicht wirklich ernsthaft den Versuch gibt, die Ausstattung der Feuerwehr mindestens auf dem Niveau zu halten, auf dem sie ist?" Keiner der Feuerwehrleute strebe nach besonderer Behandlung. Man erwarte lediglich "die erkennbar ernsthafte Auseinandersetzung mit den belegbaren Notwendigkeiten und dies zeitnah zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger".

Info

Schon im April Kritik

Bei der Jahresdienstversammlung der Feuerwehr im April hatte sich der Unmut der Wehr erstmals mit voller Wucht Bahn gebrochen.

Schon damals hatte es deftige Kritik an städtischen und politischen Entscheidungen gegeben.

Die Abwesenheit von Bürgermeister Müller an jenem Abend war vielen Feuerwehrleuten ebenfalls sauer aufgestoßen.

Im Zusammenhang mit dem Beschluss des Stadtrats, weiter auf einen Schlauchtrocknungsturm zu verzichten, gehen die beiden Wehrleiter sogar noch weiter. Wenn die gewaschenen Löschschläuche zum Trocknen wie in Leichlingen auf den Boden gelegt würden, reduziere dies die Lebensdauer des Materials und erhöhe das Unfall- und Verletzungsrisiko der Feuerwehrleute. Denn die Schläuche, durch die bei Einsätzen Wasser mit 10 bar Druck geleitet werde, könnten platzen. Der Schlauchtrocknungsturm sei folglich weniger ein Wunsch der Feuerwehr, als vielmehr eine Notwendigkeit, urteilen Schmidtberg und Hillbrenner. "Man stelle sich vor, irgendwo wird ein Hochhaus gebaut, aber auf die Installation eines Aufzugs verzichtet. Natürlich kann man auch in so einem Gebäude wohnen, aber mit welchen Nachteilen?"

Die Freiwillige Feuerwehr Leichlingen bei einem Einsatz Anfang Mai in Junkersholz. Die Feuerwehrleute kritisieren, dass aus ihrer Sicht notwendige Investitionen dem Sparzwang der Stadt zum Opfer gefallen sind. Zudem wünschen sie sich mehr Wertschätzung für ihre ehrenamtliche Arbeit.   Foto: RPO
Die Freiwillige Feuerwehr Leichlingen bei einem Einsatz Anfang Mai in Junkersholz. Die Feuerwehrleute kritisieren, dass aus ihrer Sicht notwendige Investitionen dem Sparzwang der Stadt zum Opfer gefallen sind. Zudem wünschen sie sich mehr Wertschätzung für ihre ehrenamtliche Arbeit. Foto: RPO

Ärger um Brandschutzbedarfsplan

Schmidtberg und Hillbrenner kritisieren, dass aus ihrer Sicht größere Investitionen in die Feuerwehr nicht aus der vorausschauenden Einsicht geboren wurden, etwas tun zu müssen. "Vielmehr waren so gut wie alle Initiativen gekennzeichnet durch einen unmittelbaren Handlungszwang." Als Beispiele führen sie den Totalausfall einer Drehleiter im Jahr 1995 und die unhaltbaren Zustände vor der Erweiterung des Gerätehauses Metzholz an.

Auch der Umgang mit dem Brandschutzbedarfsplan ärgert die Feuerwehrleitung. Schon der im Jahr 2005 verabschiedete Plan enthalte reihenweise notwendige Investitionen, die jetzt wiederum dem Rotstift zum Opfer gefallen seien. "Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Neuauflage des Brandschutzbedarfsplanes seit deutlich über einem Jahr im Rathaus vorliegt", erinnern Schmidtberg und Hillbrenner. Verabschiedet ist diese Fortschreibung bislang nicht; Bürgermeister Ernst Müller hatte dies im RP-Gespräch für nach der Sommerpause angekündigt.

Eines müsse deutlich werden, fahren Schmidtberg und Hillbrenner fort: "Verzögerungen gehen nicht zu Lasten der Feuerwehr, sie gehen zu Lasten der Menschen, die in Leichlingen leben, zu Besuch sind, dort arbeiten."

Bürgermeister Müller wollte gestern keine Stellungnahme zum Brief der Feuerwehr abgeben.

Quelle: RP

 
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