Leichlingen: Burgherren ohne Schatztruhe
zuletzt aktualisiert: 19.10.2009Leichlingen (RPO). Die Familie von Marcus Albanus muss viel Geld und Mühe aufwenden, um den historischen Rittersitz Haus Vorst zu erhalten. Die Anforderungen des Denkmalschutzes sind hoch. Jetzt steht die Sanierung einer im Februar eingestürzten Mauer an – geschätzte Kosten: 135 000 Euro.
In der zur Wupper gelegenen Mauer von Haus Vorst klafft ein großes Loch – im Februar gab das 800 Jahre alte Gemäuer nach. Jetzt kommt auf die Familie Albanus, die Eigentümer des historischen Rittersitzes, eine kostspielige Instandsetzung zu. Marcus Albanus erzählt im RP-Interview von Sorgen und Nöten beim Unterhalt eines historischen Baudenkmals.
Warum ist die Mauer eingestürzt?
Albanus Das Wurzelwerk einer Esche, die oberhalb dieser Mauer wächst, hat den Mörtel zwischen den Steinen gelöst und schließlich nach starkem Frost die Mauer gesprengt.
Was muss jetzt getan werden?
Rittersitz Haus Vorst
Haus Vorst wurde 1297 erstmals urkundlich erwähnt, die ältesten Mauern sind 800 Jahre alt. Ringmauer, Torhaus und Bergfried stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. 1948 kaufte Marcus Albanus' Großvater, der Maler Werner Peiner, die Burg und restaurierte sie. Mehr Infos zu Haus Vorst:
Albanus Als erstes muss der Baum gefällt werden. Das fällt uns schwer, der ist wirklich schön und prägt das Bild von Haus Vorst – aber wenn die Wurzeln weiter wachsen, könnte noch mehr einbrechen. Wenn das Wetter mitspielt, wird das am nächsten Wochenende gemacht. Dann steht wohl im nächsten Jahr die Instandsetzung der Mauer an.
Wie soll die Sanierung aussehen?
Albanus Da gibt es verschiedene Meinungen. Unsere ist: Die Mauer so herrichten, dass sie nicht weiter einbricht, und das Dach von oben abdichten, zum Beispiel mit einem hölzernen Überbau. Dieser Teil der Burg wird ja überhaupt nicht mehr genutzt. Der Denkmalschutz wird aber wohl fordern, dass die Mauer genau so wieder aufgebaut wird, wie sie vorher war und dass wir auch oben jede Fuge des Mauerwerks abdichten lassen. Das wird teuer: Laut einem Angebot kostet diese große Lösung 135 000 Euro.
Wer zahlt das?
Albanus Wir können es nicht. Wenn man auf einer Burg wohnt, denken die Leute immer, dass man irgendwo eine Schatztruhe hat – das ist aber nicht der Fall. Einen Teil der Kosten werden wir natürlich übernehmen müssen. Wir kümmern uns zurzeit um Zuschüsse vom Landesamt für Denkmalschutz und von der Deutschen Stiftung Denkmalpflege. Die Chancen stehen hoffentlich ganz gut. In einem Gutachten kommt Harald Herzog, der "Burgenpapst" des Landschaftsverbandes, zu dem Schluss, dass der Erhalt im öffentlichen Interesse steht. Denn die Mauer gehört zu den Überresten des alten Wohnturms – das ist der älteste Teil von Haus Vorst. Auch aus Leichlingen erfahren wir viel Unterstützung – einige Künstler haben spontan ein Benefizkonzert organisiert. Auch mit der Stadt und der Leichlingen-Stiftung sind wir im Gespräch.
Welche Regeln muss man beim Unterhalt eines Baudenkmals beachten?
Albanus Die Grundregel des Denkmalschutzes lautet: Das Gebäude darf nicht verändert werden. Wir haben noch Glück, dass Haus Vorst nur von außen unter Denkmalschutz steht. Trotzdem: Wir können zum Beispiel keine Standard-Aluminium-Fenster einsetzen, die vollständig isolieren. Fast alle Teile müssen extra angefertigt werden, die gibt es nirgendwo zu kaufen.
Was bringt der Erhalt von Haus Vorst noch mit sich?
Albanus Wir müssen die Burg das ganze Jahr beheizen, sonst kommt Feuchtigkeit rein und Schimmel entsteht. Das sind jährlich circa 25 000 Liter Heizöl. Und immer, wenn man gerade denkt, dass man alles erledigt hat, passiert wieder etwas. Erst vor zwei Jahren mussten wir eine Bio-Kläranlage einbauen, das hat fast 50 000 Euro gekostet. Wir bemühen uns, Haus Vorst zu erhalten und hoffen einfach, dass nicht zu viel auf einmal kommt.
Also ist der Besitz eines solchen Baudenkmals eigentlich eine Last?
Albanus Auf jeden Fall eine finanzielle. Alles, was man hier machen muss, ist immer teurer als in einem normalen Wohnhaus. Man kann keine Standard-Teile verwenden, nichts im Baumarkt kaufen.
Polemisch gefragt: Warum tut man sich das dann an?
Albanus (lächelt) Es ist natürlich schön, hier zu wohnen. Die Lage ist super, mitten im Wald und trotzdem bin ich mit Fahrrad und Bahn in 30 Minuten am Kölner Dom. Als Kind hier aufzuwachsen, ist sowieso toll – auch wenn meine Tochter, die demnächst 14 wird, es zurzeit nicht so super findet, im Wald zu wohnen. Und die Arbeit hier ist nicht nur Belastung, sondern macht auch sehr viel Spaß. Vor allem, wenn man dann noch positive Resonanz von den vielen Besuchern kriegt. Wir wohnen hier ja mit insgesamt 13 Leuten – meine Eltern sowie mein Bruder und ich mit unseren Familien. Jeder trägt seinen Teil zum Erhalt von Haus Vorst bei: Mein Bruder ist eher der Bastler, meine Mutter macht mit viel Freude die Gartenarbeit. Auch das Wohnen in so einem alten Gemäuer hat schon etwas. Ich kann in komplett isolierten Räumen gar nicht schlafen, hier bei uns kommt ja durch alle Spalten Wind.
Sebastian Kunigkeit führte das Gespräch.
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