Leverkusen: "Das Image der Jäger ist gar nicht schlecht"
zuletzt aktualisiert: 19.10.2011Leverkusen (RP). Interview mit Bernd Hüser, Leiter des Hegerings Leichlingen, über die jüngsten Anschläge auf Ansitze in Leichlinger Jagdrevieren.
Neun Angriffe auf Ansitze in einem Leichlinger Jagdrevier in diesem Jahr: Steigt die Aggressivität gegen Jäger?
Hüser Ich glaube nicht, dass die Aggressivität gegen Jäger zunimmt. Aber es gibt Gegner der Jagd, die über ein hohes Aggressionspotenzial verfügen und die dann ihrer Meinung durch solch kriminelle Handlungen Ausdruck verleihen, wie das Zerstören von Jagdeinrichtungen. Andere lehnen die Jagd aus persönlichen Gründen ab, etwa weil sie der Meinung sind, dass sie nicht mehr in die heutige Zeit passt.
In der Bevölkerung herrscht oft der Eindruck vor, einem Jäger gehe es vor allem darum, Wild zu erlegen. Können Sie sagen, woraus die Aufgaben eines Jägers eigentlich bestehen?
Hüser Wild erlegen gehört zwar zweifelsfrei zur Jagd, ist aber nur eine von vielen Aufgaben des Jägers. Darüber hinaus hat er für die Pflege des ihm anvertrauten Jagdreviers zu sorgen. Im Rahmen der Jagdgesetzgebung unterliegt er der Hegepflicht. Das Ziel ist die Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes, den eigentlich alle wollen. Zu den Aufgaben gehören revierverbessernde Maßnahmen wie die Anlage von Wildäsungsflächen, um Wildschäden im Wald und in der Landwirtschaft zu verhindern oder dem Wild die möglichst ungestörte Nahrungsaufnahme zu ermöglichen. Die Anlage und Pflege von Biotopen gehören zur Arbeit des Jägers – dort, wo es der Grundeigentümer erlaubt – sowie die vielfältigen Aufgaben des Jagdschutzes. Aber auch die Verwertung des wertvollen Wildbrets sowie der Bau und die Instandhaltung jagdlicher Einrichtungen, die eine ordnungsgemäße Bejagung des Wildes ermöglichen. Nicht zu vergessen: Haltung, Ausbildung und Führung von Jagdhunden, ohne die waidgerechte Jagd nicht möglich ist.
Was würde eigentlich geschehen, wenn es die Jagd nicht gäbe?
Hüser Dann würden manche Arten überhand nehmen. Bei uns in NRW wären das zum Beispiel Wildschweine, Rehwild und Rotwild, die Schäden in Wald und Flur verursachen würden. Zuviel Raubwild wie Füchse, Dachse, Marder oder zugewanderte Arten – dazu gehört der Marderhund – würden in unserer Kulturlandschaft andere Arten in ihrem Bestand gefährden, zum Beispiel den Feldhasen oder viele Bodenbrüter. Zuviel Wild würde aber auch die Lebensgrundlagen der Tiere beeinträchtigen oder Wildseuchen und -krankheiten fördern. Aktuelles Beispiel: die Schweinepest bei Wildschweinen.
Was ist zu tun, damit wieder sachlich über die Jagd diskutiert wird?
Hüser Das Image der Jagd beziehnungsweise der Jäger ist überhaupt nicht schlecht, auch wenn das häufig so dargestellt wird. Jüngste Untersuchungen belegen das. In einer repräsentativen ifa-Befragung von 2011 mit 1011 Teilnehmern ab 15 Jahren sagen 88 Prozent, dass Jäger die Natur lieben, 82 Prozent sind der Auffassung, dass Jäger Wildbestände regulieren müssen, und immerhin meinen noch 69 Prozent, dass Jäger vielen seltenen Arten helfen. Immer mehr naturverbundene Menschen interessieren sich für die Jagd und sind bereit, dafür eine umfangreiche Ausbildung und eine schwere Prüfung zu absolvieren. Allein in NRW gibt es laut Landesjagdverband derzeit 82 469 Jagdscheininhaber. Die Diskussion lässt sich versachlichen, wenn die Öffentlichkeit wieder mehr über die Jagd und die Zusammenhänge in der Natur weiß und die Bereitschaft auf allen Seiten besteht, sich guten Argumenten zu öffnen. Es ist aber auch wichtig, dass Kinder und Jugendliche wieder stärker an die Natur herangeführt werden. Erfahrene Jäger unterstützen dabei Schulen und Kindergärten mit den Rollenden Waldschulen bei der Natur- und Umweltbildung.
Peter Korn führte das Interview.
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