Leichlingen: Dem Klimawandel auf der Spur
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 16.11.2009Leichlingen (RPO). Der Deutsche Wetterdienst ehrte Günter Schaaf für 25 Jahre ehrenamtlichen Dienst für das Institut. Der Leichlinger beobachtet 46 verschiedene Pflanzen während des Jahreslauf. Ein Wetterfrosch sei er aber nicht, sagt der 77-Jährige.
"Ich bin kein Wetterfrosch!" stellt Günter Schaaf klar. Häufig wird er so betitelt, aber tatsächlich ist er phänologischer Beobachter und als solcher 25 Jahre lang für den Deutschen Wetterdienst (DWD) im Einsatz. Jetzt wurde er im Leichlinger Rathaus geehrt für die ehrenamtliche Tätigkeit, die wichtiger Beitrag ist für verlässliche Aussagen über eine Klimaveränderung. Pflanzen reagieren auf Temperaturveränderungen, erklärte Dr. Cornelia Perseke-Ockelmann, die im Auftrag des DWD in Geisenheim Urkunde und Medaille überbrachte.
Aufgrund dieser Daten lassen sich langfristig Aussagen über eine Veränderung des Klimas machen. Die organisierte Beobachtung, die Freiwillige an 1300 Stellen in Deutschland regelmäßig notieren, laufe allerdings schon viel länger als die Diskussion über Klimawandel. Der Trend lässt sich auf einen Blick am Balkendiagramm beispielsweise der Forsythie ablesen. Die Mittelwert-Linie zeigt, dass die Blütezeit immer mehr nach vorne rutscht. Auch wenn 2009 mit einem kalten Winter einen Ausreißer brachte.
Der Wetterdienst
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) ist der meteorologische Dienst der Bundesrepublik. Hauptaufgabe: vor wetterbedingten Gefahren warnen, Klima überwachen. Er betreibt das nationale Klimaarchiv.
Fast täglich unterwegs
Wenn die Haselnusssträucher auszutreiben beginnen und die ersten Schneeglöckchen sich öffnen, dann ist für Günter Schaaf die kurze Winterpause vorbei und er beginnt mit den phänologischen Aufzeichnungen, die er das ganze Jahr über in ein Heft einträgt. Fast täglich ist er in seinem Beobachtungsraum Witzhelden auf einer Höhe von 200 Metern über Normalnull unterwegs und sieht nach, wie weit Forsythie, Stiel-Eiche oder schwarzer Holunder stehen. Er registriert Blüte und Blattentfaltung, später Früchte und im Herbst die Zeitpunkte der Blattverfärbung und des Blattfalls.
Wie man Phänologe wird? Günter Schaaf las vor 25 Jahren eine kleine Zeitungsmeldung und dachte sofort, dass dies die richtige Tätigkeit für ihn sei. Denn er ist naturverbunden und war schon von Berufs wegen jeden Tag draußen. Seit 1955 arbeitete er als Talsperrenmeister an der Sengbachtalsperre. Da war er nicht nur für die Staumauer zuständig, sondern zugleich als Forstschutzbeauftragter für das gesamte Niederschlagsgebiet der Wasserschutzzone. Er nahm Kontakt zum Wetterdienst auf und startete mit den Aufzeichnungen in seinem Beobachtungsgebiet. 46 verschiedene Pflanzen hat er auf seiner Liste, in der pro Jahr 167 Beobachtungen festgehalten werden.
Die Blütezeit verschiebt sich
Insgesamt hat er in 25 Jahren 1935 Daten notiert und an den Wetterdienst geleitet. In den 25 Jahren seiner Tätigkeit kann er einen deutlichen Trend feststellen: "Die Blütezeit der Pflanzen hat sich zeitlich nach vorne verschoben." Ob diese Entwicklung weitergeht, will er beobachten. Denn noch will sich der 77-Jährige nicht zur Ruhe setzen.
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