Leverkusen: Ein Zuhause für psychisch Kranke
VON BERND GEISLER - zuletzt aktualisiert: 11.04.2011Leverkusen (RPO). Renate Röder hat Pflegekinder großgezogen. Jetzt hat sie Haus und Herz geöffnet für einen Mitbewohner mit psychischen Problemen. Die Leichlingerin nimmt am Projekt "Leben in Gastfamilien" der LVR-Klinik Langenfeld teil.
Leben in Gastfamilien
Gastgeber jeder, der bereit ist, langfristig psychisch erkrankte Menschen in seinem Haushalt aufzunehmen, kann sich melden. Dafür erhält die Gastfamilie ein monatliches Entgelt.
Gäste erwachsene Menschen mit einer psychischen Behinderung, die aber nicht akut erkrankt sind.
Kontakt über LVR-Klinik Langenfeld, Tel. 02173 102-2052;
alpha e. V., Tel. 02196 72190;
Die Kette e. V., Tel. 02202 2561292
Leichlingen/Wermelskirchen So, wie Bernard Leven die Haustür öffnet, ist davon nichts zu spüren, dass er Patient und Gast ist im Hause der Familie Röder in Leichlingen. Unkompliziert, offen und umgänglich führt er ins Wohnzimmer. Der 37-Jährige leidet unter Psychose und lebt in einem eigenen Appartement unter dem Dach des Mehrgenerationenhauses. Als Gast hat er Familienanschluss bei Renate Röder (62) und der Familie ihres Sohnes gefunden. Als Patient betreuen ihn psychiatrisch-medizinisch Birgit Weiß und Hans-Jürgen Wagner von der LVR-Klinik Langenfeld. Die Klinik bietet seit 25 Jahren Leben in Gastfamilien an. Seit Mitte des vergangenen Jahres steht das Angebot auf breiteren Füßen. Die LVR-Klinik Langenfeld kooperiert mit den Vereinen alpha und "Die Kette".
Die Chemie stimmte
Dieser Verbund biete ambulantes Betreutes Wohnen in Gastfamilien im Rheinisch-Bergischen Kreis sowie in Leverkusen, Solingen, Remscheid und Wuppertal an, erläutert Ulrike Böhm vom alpha-Verein Wermelskirchen. Das Modell bewährt sich. "Natürlich muss man sich anfangs aneinander gewöhnen", sagt Renate Röder. Bernard Leven nickt: "Beide Seiten", sagt er. Der Patient spricht aus Erfahrung. Es ist die dritte Familie, bei der er wohnt. Ziemlich genau vor einem Jahr ist er hier eingezogen. Mittlerweile habe er das Gefühl, dass er es im Hause Röder gut getroffen habe, sagt er.
Renate Röder hatte damals spontan auf eine Anzeige der LVR-Klinik in der Zeitung geantwortet, nachdem ein Appartement in ihrem Haus frei geworden war. Natürlich seien alle damit einverstanden gewesen. Birgit Weiß besuchte sie und klärte die Voraussetzungen ab. Beim nächsten Besuch war schon Bernard Leven mit dabei. "Die Chemie stimmte", sagt Renate Röder. Ein Probewohnen wurde vereinbart, das nahtlos ins jetzige Wohnverhältnis überging. Das gegenseitige Kennenlernen sei nicht nur Zuckerschlecken, weiß "Hausmutter" Röder. Sie hat Erfahrung. Die gelernte Schneiderin und Küsterin hat schon so manches Pflegekind großgezogen.
Bernard Leven entwickle sich gut. Das bestätigt auch Birgit Weiß. Er sei im Laufe des letzten Jahres stabiler und ausgeglichener geworden und habe an Selbstvertrauen gewonnen. Er habe sich zum richtigen Hausmann entwickelt, lobt Röder ihren Schützling. Bernard lächelt. Er freut sich über die Anerkennung. Es ist zu spüren, dass er von allen akzeptiert wird. Aber darauf kann er sich nicht ausruhen.
Behütete Atmosphäre
In diesem Sommer heißt das Ziel für ihn: Bewegung in der frischen Luft – Fahrradfahren und Laufen. Er soll auch Kontakt zu anderen außerhalb des Hauses aufbauen. Vielleicht wird ihn Hofhund "Nico" dabei unterstützen? Bernard Levens Blick geht zu Renate. Sie nickt ihm ermutigend zu. Bernard lächelt zurück. Er genießt Freiheit – behütet in schützender Atmosphäre.
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