Leichlingen: Feuerwehr zu spät alarmiert?
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 16.10.2010 - 10:00Leichlingen (RPO). Hätte der Rollstuhlfahrer aus dem Pilgerheim Weltersbach, der 22 Stunden vermisst wurde, früher gefunden werden können? Tatsache ist: Die Feuerwehr wurde erst am Morgen nach dem Verschwinden eingeschaltet. Eine Spurensuche.
In der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „Feuerwehr-Magazin“ findet sich ein Artikel, der vorstellt, wie die Leichlinger Feuerwehr auf dem Gelände des Pilgerheims Weltersbach nach vermissten Personen sucht.
Als „mustergültig“ beschreibt die Zeitung das ausgeklügelte System, das die Grundstücke im und um das Dorf herum in acht Suchzonen einteilt. „Der Löschzug 3 (Metzholz) kann binnen einer Minute Fahrtzeit das Talinnere erreichen und in den Zonen 7, 8 und 4 suchen“, heißt es in dem Bericht. Und weiter: „Für die Mitglieder des Löschzugs 4 (Witzhelden) liegt es quasi auf dem Weg, wenn sie die Zonen 5 und 6 von außen anfahren.“ Doch im Fall des Rollstuhlfahrers, der am Montag von der Heimleitung bei der Polizei als vermisst gemeldet wurde, dauerte es bis Dienstagmittag, ehe die Feuerwehr überhaupt zum Einsatz kam. Eine halbe Stunde später war der Mann gefunden.
Vermisste Personen zu suchen, ist per Gesetz Aufgabe der Polizei. Dafür stehen auch eigene spezielle Einsatzkräfte zur Verfügung. Oft werden aber die Freiwilligen Feuerwehren um Amtshilfe gebeten.
„Hätten ihn um 20.30 Uhr gehabt“
Feuerwehrsprecher Thomas Schmitz ist sich sicher: „Wären wir am Vorabend um 20 Uhr alarmiert worden, hätten wir den Mann wahrscheinlich um 20.30 Uhr gehabt.“ Da stellt sich die Frage: Warum wurde so lange gewartet? Immerhin war der Senior verwirrt und unterkühlt, als er tags drauf abseits eines Wanderweges gefunden wurde, wo er sich mit dem Elektrorollstuhl festgefahren hatte.
„Das war eine einsatztaktische Entscheidung“, erklärte ein Sprecher der Kreispolizei gestern auf Anfrage unserer Zeitung. „Es war ja keineswegs klar, ob der Mann sich tatsächlich auf dem Pilgerheimgelände befand.“ Es habe auch andere Hinweise gegeben, unter anderem dass er zu einem Kiosk in Witzhelden gefahren sein könnte. Statt sofort ein unüberschaubar großes Gebiet mit Feuerwehrhilfe abzugrasen, habe man sich entschieden, erst den Hinweisen nachzugehen.
Die Polizei habe natürlich sofort gesucht: mit eigenen Kräften und einem Suchhubschrauber. Als die Aktion am Abend zurückgefahren werden musste, seien Streifenbeamte dort immer noch weiter unterwegs gewesen. Am Morgen habe man sich dann entschieden, die Feuerwehr hinzuzuziehen. „Ob wir den Mann tatsächlich früher gefunden hätten, wenn wir die Wehrleute früher alarmiert hätten, ist reine Spekulation“, sagt der Sprecher.
Leichlingens Feuerwehrchef Horst Schmidtberg will sich an solchen Spekulationen ebenfalls nicht beteiligen. Er lobte gestern den Einsatz ausdrücklich, bestätigte auf Anfrage aber, dass auch das Thema Kosten angesprochen worden sei. So habe das Leichlinger Ordnungsamt der Polizei versichert, die Feuerwehrbeteiligung nicht in Rechnung zu stellen. Spielte diese Frage auch bei der Einsatz-Entscheidung eine Rolle? „Absolut nicht“, versichert die Polizei mit Nachdruck: Warum auch? Es sei kein einziger Fall im Rheinisch-Bergischen Kreis bekannt, in dem eine Personensuche überhaupt jemals Geldforderungen nach sich gezogen habe.
Am Donnerstag haben Polizei, Stadt und die Feuerwehr zusammengesessen – eigentlich, um das Witzheldener Erntedankfest nachzubesprechen. Doch auch die Suche in Weltersbach wurde noch einmal Thema. Dabei waren sich alle in einem Punkt einig, wie Schmidtberg berichtet: „Beim nächsten Fall dieser Art nehmen die Führungskräfte von Polizei und Feuerwehr sofort Kontakt zueinander auf.“
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