Leichlingen: Fußbänkchen für den Prinzen
VON SEBASTIAN KUNIGKEIT - zuletzt aktualisiert: 13.11.2006Leichlingen (RPO). Erstmals feierten die Leichlinger Jecken Hoppeditz-Erwachen und Tollitäten-Proklamation zusammen. In der neuen Session regiert ein Dreigestirn. Das hatte es zuletzt im Jahr 1983 gegeben.
Auch die Leichlinger Narren bewiesen am Samstagabend, dass sie die lange Zeit zwischen den Sessionen gut überstanden haben. Beim traditionellen Hoppeditz-Erwachen in der bunt dekorierten Aula herrschte sofort echtes Fastelovend-Gefühl, wurde fröhlich geklatscht, geschunkelt und mitgesungen. Ein Novum war dabei, dass die Sessionseröffnung zusammen mit der Proklamation der Leichlinger Tollitäten stattfand. „Diese Verknüpfung lag auf der Hand, da die sich erst relativ spät gefunden haben“, erklärte Wilfried Keil, Präsident der Vereinigung Leichlinger Karneval (VLK). Positiver Nebeneffekt: Die Veranstaltung am Samstag wurde dadurch deutlich aufgewertet. „Es sind auch einige Besucher mehr da als sonst am 11.11.“, freute sich Keil.
Alaaf und Hoppeditz
„Leichlingen liegt ja zwischen Köln und Düsseldorf“, sagte VLK-Präsident Wilfried Keil. So sei es zu erklären, dass in der Blütenstadt zwar „Alaaf“ gerufen wird, die Traditionsfigur des Leichlinger Karnevals aber der aus Düsseldorf stammende Hoppeditz ist. Mit dessen Erwachen beginnt am 11.11. die Session, in der Nacht von Karnevalsdienstag auf Aschermittwoch endet sie mit seiner symbolischen Beerdigung. In Köln wird dann der Nubbel verbrannt.
So wurde Hoppeditz Michael Pölcher gleich zu Beginn von den Vorsitzenden der Leichlinger Karnevalsvereine aus seiner Kiste geholt. Während er sonst diese Gelegenheit nutzt, um der Politik einen Spiegel vorzuhalten, so schob er dieses Mal sämtliche lokalpolitischen Dauerbrenner beiseite und kam schnell zum wichtigsten Thema des Abends: dass im Februar zum ersten Mal seit 1983 wieder ein Dreigestirn die Regentschaft über die jecken Leichlinger übernehmen wird. „Und ich hab’ gehört, das schönste Mädchen von Leichlingen ist der Bauer? Na ja, in Leichlingen gingen die Uhren immer schon etwas anders“, kommentierte er schmunzelnd die zumindest in Köln noch undenkbare Rollenbesetzung im närrischen Trio der Blütenstadt. Neben Prinz Michael I. (Michael Lintz) und Jungfrau Elektra I. (Egbert Beucher) wird nämlich mit Brigitte Kirstein eine Frau unter dem Namen Konrad I. in die Rolle des Bauern schlüpfen. Dann eröffnete der Hoppeditz offiziell die Session und die Mitglieder der Karnevals-Vereine konnten endlich ihre Mützen aufziehen.
Neben einem bunten Programm mit musikalischer Unterhaltung und Auftritten des JTSC Blau-Weiß, des TSV Rhein-Wupper sowie der Gruppe Show-Live, die ihre aktuellen Tänze präsentierten, stellte das Festkomitee Leichlinger Karneval (FLK) vier neue Ehrensenatoren vor. Neben Robert Justen, Volker Schröder und Michael Schwaller wurde der Chef der Stadtentwicklungsgesellschaft, Christian Scheffs, in die Riege aufgenommen – obwohl er „in dem nicht näher benannten Dorf rheinabwärts wohnt“, wie Ehrensenator Frank Steffes ausführte.
Höhepunkt der Veranstaltung war natürlich die Proklamation des Dreigestirns. Von einem Fanfarenchor begleitet zogen die Tollitäten auf die Bühne, wo ihnen von Bürgermeister Ernst Müller die Ernennungsurkunde überreicht wurde. Fred Boes, Prinz der vorletzten Session, übergab Michael I. die Prinzenfeder; Felix Steffes, Kinderprinz des letzten Jahres, überreichte das Zepter. Ein persönliches Geschenk erhielt der närrische Regent vom VLK-Präsidenten: ein Fußbänkchen in den Farben blau-weiß – damit er auch von der körperlichen Größe her als gleichberechtigter Teil des Dreigestirns auftreten kann.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



