Leichlingen: Gasaustritt – alles nur Übung
VON JULIA BERTENBURG - zuletzt aktualisiert: 25.05.2010Leichlingen (RPO). Samstag, 11.45 Uhr: Die Sirenen in Leichlingen heulen, die vier Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr sausen zum Blütenbad. Im Bereich der Umkleidekabinen steigt eine dicke Rauchwolke empor. Übungszeit für die Feuerwehr.
Die Einsatzkräfte machen sich daran, den Rauch von der Straßen aus zu bekämpfen. Auf der anderen Seite laufen zwei Feuerwehrmänner über die Wiese und ziehen einen Schlauch hinter sich her, ein dritter Kollege kommt einen Augenblick später mit einem weiteren Schlauch nach. Was am Samstagmorgen wie ein normaler Einsatz scheint, ist eine Übung, die sich Blütenbadleiter Dirk Brandt mit Horst-Dieter Röhlke, Sicherheitsbeauftragter des Bads, hat einfallen lassen. Das Szenario: Einem Techniker fällt bei Arbeiten im Chlorgasraum eine Gasflasche um. Das Ventil wird beschädigt und die Flasche undicht. Somit kommt es zu einem Chlorgasaustritt, den die Feuerwehr mit einem gelb-grünen Raucherzeuger simuliert.
Desinfizierung
Chlor wird in Schwimmbädern zur Wasseraufbereitung benutzt: Die Badbetreiber desinfizieren das Schwimmwasser und machen es unter Verwendung des Chlors weitgehend bakterienfrei. Chlor wird in speziell gesicherten Technikräumen aufbewahrt. In Leverkusen gab es schon Zwischenfälle mit Chlorgasanlagen in einem Schwimmbad.
Selten, aber auch tödlich
"Chlorgas ist tödlich. Da geht ganz schnell das Licht oben aus", erläutert Dirk Brandt. "Die Leichlinger Bürger müssen sich aber keine Sorgen machen", versichert Feuerwehrchef Horst Schmidtberg, "denn Chlorgasunfälle sind eher selten."
Aber gerade dann sei es wichtig, solche Szenarien zu üben: "Wir müssen wissen, was wir – die Feuerwehr und die Mitarbeiter des Bads – im Ernstfall unternehmen müssen." Bei der Übung am Samstag handele es sich um eine "absolut scharfe Alarmübung", sagt der Feuerwehrchef.
Lediglich Stefan Meiner, Führer des Löschzuges I, und Feuerwehrchef Schmidtberg seien eingeweiht gewesen. Schwerpunkt der Probe liegt auf dem simulierten Chlorgasaustritt, parallel dazu hat man mit einer Nebelmaschine zusätzlich ein Feuer vorgetäuscht, aus dem ein Mitarbeiter des Bads gerettet werden sollte.
Eine halbe Stunde nach Einsatzbeginn wird der "Vermisste" – eine 75 Kilogramm schwere Übungspuppe – von zwei Feuerwehrleuten mit Atemmaske gefunden und ins Freie getragen. "Die Person ist raus, wir brauchen Sanitäter hier", spricht Holger Kindlinger in sein Funkgerät, während sein Kollege René Haslinger die Puppe "untersucht".
Derweil sind vier Brandbekämpfer in dicken, roten Sicherheitsanzügen damit beschäftigt, die Gasflasche in einen speziellen Chlorgasbehälter zu befördern, der von der Werkfeuerwehr Leverkusen angefordert wurde.
Insgesamt ganz gut gelaufen
Am Ende zieht Horst Schmidtberg ein Fazit: "Im Großen und Ganzen ist es gut gelaufen, aber es gibt natürlich noch ein paar Kleinigkeiten, die wir verbessern müssen." Was das im Einzelnen betrifft, diskutiere man bei einer ausführlichen Nachbesprechung in den nächsten Tagen, sagt Schmidtberg.




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