Leichlingen: Kunst als Werbeträger
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 14.06.2008Leichlingen (RPO). Wenn es Sommer wird in der Blütenstadt, dekorieren Geschäftsleute ihre Auslagen im Schaufenster gerne mit Bildern oder Skulpturen. Zum 21. Mal schon findet derzeit die Leichlinger Straßengalerie statt.
Ein Schaufensterbummel macht derzeit auch Spaß, wenn man nicht unbedingt die Absicht hat, ein neues T-Shirt, eine Brille oder ein Parfüm zu kaufen. Denn in 25 Leichlinger Geschäften sind bis zum 29. Juni Kunstwerke die besonderen Hingucker. Es sind fünf Händler weniger als im Vorjahr, als Kulturamtsleiter Michael Völker stärker versuchte, die Leichlinger Tradition auch nach Witzhelden zu exportieren. Doch auf dem Berg sei das Interesse einfach nicht so groß, musste er feststellen.
Unterschiedliche Stile
Nur Regine Evertz, die selbst in Witzhelden wohnt, stellt in beiden Ortsteilen aus. Ihre mehr oder weniger abstrakten Bilder, die bei Enjoy an der Brückenstraße zu sehen sind, hat sie farblich genau passend auf die Kleidung in den Schaufenstern abgestimmt. In dieser Straße ist die Kunst besonders dicht vertreten und es sind sehr unterschiedliche Stile und Handschriften, die sich da auf wenigen Metern abwechseln.
Offene Ateliers
Im Rahmen der Straßengalerie öffnen einige Künstler an diesem Wochenende ihre Ateliers.
Samstag: Regine Evertz, Scharweg 31, 11 bis 18 Uhr; Ilse Hangert, Am Murbach 5, 15 bis 18 Uhr.
Sonntag: Ilona Butz, Ziegwebersberg 17, 11 bis 18 Uhr; Anni Losacker, Johannisberg 11 a, 11 bis 13 und 14 bis 18 Uhr; Gisela Schulz-Zapp, Haswinkel 2, 11 bis 17 Uhr.
Am 21. Juni öffnen Vincent, Kirsten und Michael van den Bogaard ihre Räume in Leysiefen 11 von 14 bis 17 Uhr.
In der Buchhandlung Langen stellt Peter Berth aus. Er zeigt Leichlinger Bäume in einer von ihm entwickelten Monotypietechnik und eine weitere Variante des Themas, das ihn in diesem Jahr wohl besonders beschäftigte: das Richter-Fenster im Kölner Dom. Dazu hat er bereits im Sinneswald einen bildnerischen Kommentar abgegeben. Ein krasser Gegensatz zu diesen farbenfrohen Bildern sind die weichen, leicht vernebelten Landschaften von Ilse Wedekind, die zum Träumen einladen und Assoziationen wie Urlaub, Freiheit und Weite wecken. Wieder anders die eher surrealistischen Bildfindungen von Wolfgang Ahrens oder die flüchtigen Aquarelle von Rita Peparolo und Ute Hoffmann, die sich für einen gemeinsamen Schauplatz entschieden haben.
Wer die Straße zum Brückerfeld überquert, findet weitere Aspekte der lebhaften Leichlinger Künstlerszene. Nostalgische Motive in akkuraten Federzeichnungen von Adolf Göttel, die groben und kantigen Holz-Skulpturen von Gisela Schulz-Zapp oder die verschwommenen Strandbilder von Ralph Orange. Der Fotograf und sein Kollege Johannes Deutsch, der das Weltgeschehen durch den Boden einer Flasche betrachtete, sind zum ersten Mal bei einer Straßengalerie dabei. Insgesamt stellen 26 Künstler aus. Alle Namen, Standorte und Privatadressen sind in einem Heftchen aufgelistet, das in den teilnehmenden Geschäften ausliegt.
Eröffnet wurde die Straßengalerie dieses Mal im Rahmen der Kunst- und Klangmeile, die der Bildhauer Berthold Welter für eine besondere Aktion nutzte. Mit der Schubkarre fuhr er seinen Stein samt Werkzeug durch die Stadt und machte an mehreren Stationen Halt, um dort das Tagesgeschehen in weichen Tuffstein zu meißeln. So entstand eine Skulptur, die Geschichten erzählt von Künstlern, Musikern und Instrumenten und dem Obstangebot nebenan. Den fertigen Stein hat Welter wie zufällig im Stadtpark verloren.
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