Leichlingen: Magischer Puppen-Prinz
VON SEBASTIAN KUNIGKEIT - zuletzt aktualisiert: 24.11.2009Leichlingen (RPO). Auf Schloss Eicherhof erlebten die Besucher der städtischen Kulturreihe eine ungewöhnliche Aufführung der berühmten Geschichte "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry.
Ein Prinz auf Schloss Eicherhof: Das gibt es nicht alle Tage. Und auch wenn der blaublütige Besucher nur ganz klein und aus Holz war, bescherte er seinen Zuschauern doch manch magischen Moment. Mit liebevoll gestalteten Handpuppen brachte die Bielefelder "Niekamp Theater Company" die bekannte Erzählung "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry auf die Bühne im Spiegelsaal des Schlosses. Die einfühlsame, poetische Inszenierung war der jüngste Höhepunkt der Veranstaltungsreihe "Kultur im Schloss".
Berührende Bilder
Mit einfachen, aber berührenden Bildern präsentierte der Puppenspieler Thomas M. Niekamp den Text des französischen Autoren, der irgendwo zwischen Fabel und autobiografisch angehauchter Erzählung seinen Platz findet. Er selbst schlüpfte dabei in die Rolle des Erzählers, der in der Wüste mit seinem Flugzeug abstürzt und dort auf den kleinen Prinzen trifft. Nach und nach erschließt sich ihm dessen Herkunft, er erfährt mehr über seinen winzigen Planeten und darüber, wie er auf die Erde gekommen ist.
Kultur im Schloss
Die Reihe "Kultur im Schloss" wird am 4. Dezember fortgesetzt. Dann kommt Renan Demirkan zu einer Lesung in den Eicherhof (Beginn: 19.30 Uhr).
Weitere Termine:
17. Januar, 19.30 Uhr: Märchen und Folkjazz aus aller Welt mit "Die "Elwetrische". Karten ab 14. Dezember, 8.30 Uhr, an der Rathaus-Info.
12. Februar, 20 Uhr: Chanson-Abend mit "Die Schoenen". Karten ab 14. Dezember, 8.30 Uhr, an der Rathaus-Info.
Doch dieser fantastische Reisebericht dient nur als Rahmen für kleine Fabeln und Parabeln, welche Grundfragen des menschlichen Daseins mit einfachen, aber extrem ausdrucksstarken sprachlichen Pinselstrichen skizzieren. Das zentrale Thema ist die Freundschaft. "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar", sagt ein Fuchs zum kleinen Prinzen. Diese Verknüpfung von Einfachheit und Poesie, von kindgerechter Erzählung und zeitloser Wahrheit ist es, die dem immerhin mehr als 60 Jahre alten Text seinen bleibenden Wert verschafft.
Niekamp schaffte es, dies in seine Inszenierung zu übertragen. Die Puppen orientierten sich an den Aquarellen, mit denen Antoine de Saint-Exupéry selbst seine Erzählung illustriert hatte. Beeindruckend, wie Niekamp den Figuren mit kleinen Gesten und Stimmveränderungen Leben einhauchte, obwohl doch in kaum einer anderen theatralen Form die Künstlichkeit, das Spiel so offensichtlich ist, wie im Puppentheater. Schließlich konnten die Zuschauer zu jedem Zeitpunkt sehen, dass der Schauspieler seinen kleinen hölzernen Kollegen am Nacken führte.
Die zahlenfixierten Erwachsenen mit ihren merkwürdigen Gewohnheiten bezeichnet Saint-Exupéry in seiner Erzählung leicht spöttisch als "große Leute". Sie hätten vielleicht angemerkt, dass Niekamp, trotz seiner insgesamt beeindruckenden Schauspiel-Leistung, in zwei, drei Momenten doch kleine Textunsicherheiten an den Tag legte – verkennend, dass dies völlig nebensächlich ist. Denn was zählt, ist die Magie des Augenblicks. So konnte man auf den Gesichtern so mancher "großen Leute", die überraschenderweise den Großteil des Publikums im ausverkauften Spiegelsaal bildeten, nach der Vorstellung ein fast seliges Lächeln beobachten.
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