Leichlingen: Neuanfang nach langem Leid
zuletzt aktualisiert: 20.11.2009Leichlingen (RPO). Interview Der Leichlinger Haustechnik- und Gartenbau-Unternehmer Michael Fleischer über seinen schweren Neustart nach dem großen Brand auf dem Schäben-Gelände an der Moltkestraße.
Auch SEL beteiligt
Michael Fleischer hatte zwar viele Widerstände zu überwinden, aber zum Glück auch ein paar Unterstützer auf öffentlicher Seite. Dazu zählte auch die Stadtentwicklung Leichlingen. Wie deren Chef Christian Scheffs jetzt mitteilte, habe zur Beruhigung des Unternehmers durch die SEL "einiges beschleunigt" werden können.
Für Michael Fleischer war gestern ein großer Tag. Der 44-jährige Haustechnik- und Gartenbau-Unternehmer konnte ab 8 Uhr endlich beobachten, wie ein 150-Tonnen-Kran mehrere schwere Fertigbauteile für ein neues Dach seines Hauses an der Moltkestraße 35 aufsetzte. Fleischer gehört zu den Hauptgeschädigten des Feuers, das am 20. April vergangenen Jahres in der Wellpappenfabrik Schäben ausgebrochen war – einer der größten Brände seit Jahrzehnten. Im Interview spricht er über den Berg an Problemen, der ihn monatelang an einem zügigen Wiederaufbau hinderte und ihn zwischenzeitlich fast die Nerven hätte verlieren lassen.
Herr Fleischer, können Sie sich noch an den 20. April 2008 erinnern?
Fleischer Glauben Sie mir: Den Tag werde ich nie vergessen. Ich lag im Bett, als ich um 7.30 Uhr den Anruf von der Feuerwehr bekam, dass meine Halle brenne. Als ich an der Moltkestraße ankam, und die riesige Qualmwolke sah, wusste ich sofort: ,Das ist eine Katastrophe.' Ich habe dann noch einen Lkw, einen Mini-Bagger und einen Radlader vor den Flammen retten können, aber zwei Autos sind verbrannt.
Aber damit ging Ihr Ärger erst los . . .
Fleischer Und wie. Ich wollte meinen Firmensitz ja an die Moltkestraße verlegen, hatte das Gebäude erst einen Monat zuvor gekauft. Damit war ich für die Polizei natürlich erst einmal verdächtig, nach dem Motto ,Warmsanierung'. Wie sich dann herausstellte, war das Feuer gar nicht bei mir, sondern in einem Nachbargebäude ausgebrochen. Doch auch mit meiner Versicherung gab es Ärger, weil ich das Haus ja gerade erst erworben hatte. Ich war praktisch nur auf Abriss versichert. Allein der Brandschaden hat mich 380 000 Euro gekostet.
Wie viel haben Sie insgesamt an Geld und Nerven investieren müssen?
Fleischer Alles in allem wird an Geld eine Million zusammenkommen, an Nerven unendlich viel mehr. Wir mussten ja alles selbst machen – monatelang Schutt und Trümmer abtransportieren. Dann brauchte ich ein neues Konzept. Das Haus als Firmensitz weiter zu nutzen, hätte ich ja nicht mehr finanzieren können. Doch um es vermieten zu können, damit es Geld abwirft, brauchte ich diverse Genehmigungen. Und da verschiedene Ämter beteiligt werden mussten, dauerte alles endlos. Wenn sich Baudezernentin Barbara Sauer nicht persönlich eingesetzt hätte, wäre ich verzweifelt.
Wie geht es mit Ihrem Haus denn jetzt weiter?
Fleischer Am 1. Januar eröffnet eine Tanzschule im ersten Stock. Ins Obergeschoss kommen Seminarräume, die ich vermiete, und im Parterre will ich Appartements anbieten – aber dafür brauche ich noch einmal Genehmigungen.
Also wann hat das Haus seine Kosten und Brandschäden wieder eingespielt?
Fleischer Das wird wohl noch mindestens 15 Jahre dauern.
Waren Sie je an dem Punkt, an dem Sie alles hinwerfen wollten?
Fleischer Kurz davor, ja. Aber das entspricht nicht meinem Naturell. Meine Frau sagt immer: ,Du kennst nur eine Richtung, vorwärts.' Das stimmt. Mir war immer klar, dass ich noch einmal neu anfange – nur diesmal bitte ohne Brand.
Peter Korn führte das Interview.
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