Leichlingen: Phosphorgranate geangelt
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 09.06.2008Leichlingen (RPO). Schreck in der Abendstunde: Ein Angler entdeckt in der Wupper in Leichlingen-Mitte eine stark verrostete, undichte US-Granate (81 Millimeter). Es entweichen ätzende Dämpfe. Angler und eine Polizistin wurden leicht verletzt.
Mit einem solchen Fang hat er nicht gerechnet. Ein Angler stieß Samstagabend an der Leichlinger Wupper in Höhe Pastorat, also im Innenstadtbereich, auf eine verrostete Phosphorgranate. Die gefährliche 81 Millimeter „Mörsergranate“ mit weißem Phosphor (Brand- und Nebelmittel) sorgte für einen Großeinsatz: Aus der Granate trat rötlich-weißes Gas aus – Salzsäure, die Atemwege und Haut verätzen kann. Der Angler, der sein Fundstück angefasst hatte, und eine Polizistin wurden leicht verletzt. Rund um die Granate sperrten die Einsatzkräfte weiträumig ab.
Für elf der Leichlinger Brandbekämpfer war dieser Einsatz gewissermaßen die Feuertaufe. Die Feuerwehrleute hatten nur eine Stunde zuvor im Leverkusener Chempark ihre Urkunde zum bestandenen ABC-Lehrgang, bei dem der Umgang mit atomarer, biologischer und chemischer Gefährdung Thema ist, erhalten. Nach erfolgreichem Ende des Einsatzes machte der Scherz die Runde, dieser Granateneinsatz sei Teil der Schulung gewesen. Vorher nahmen alle Beteiligten die Gefährdungm sehr ernst.
Zwei Leichtverletzte
Polizistin und Angler (Mitarbeiter des Wupperverbandes) kamen vorsorglich ins Krankenhaus. Sie konnten es schnell wieder verlassen. Der Angler musste von Zuhause abgeholt werden. Weil in seinem Auto Gerüche festgestellt wurden, entsorgte die Feuerwehr Kleidungsstücke und Teil der Autoverkleidung.
Küster-Party fand jähes Ende
200 Meter betrug der Sperrradius. In diesen Bereich wurden weder Fußgänger noch Fahrzeuge gelassen. Die Evakuierung der Häuser wurde vorbereitet, unterblieb dann aber. Die Feuerwehrleute mussten Atemschutz und Schutzkleidung tragen. Die EM-Grillfete des Küsters auf der anderen Wupperseite fand ein jähes Ende.
Bis zum Eintreffen eines Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes bereitete sich die Feuerwehr auf alle Eventualitäten vor. Ein Lastwagen mit Sand wurde herbeigeschafft und auch ein Radlader. „Die Einsatzleitung überlegt, die Granate eventuell mit Sand abzudecken“, berichtete zu diesem Zeitpunkt Feuerwehr-Pressesprecher Ralf Hasenjäger. Doch Feuerwehr-Chef Horst Schmidtberg entschied sich dagegen. Zu groß schien die Gefahr, dass der Sand die Granate weiter beschädigen und möglicherweise sogar eine Explosion hervorrufen könne.
Groß war die Erleichterung, als der Kampfmittelexperte die Phosphor-Granate identifizierte, inspizierte und für alle Augenzeugen höchst überraschend mit dem Fundstück umging. Er beförderte es kurzerhand ins Wasser und bannte so zunächst die Gefahr. Rund zwei Stunden nach der Alarmierung (17.36 Uhr) war die Erleichterung deutlich den Beteiligten anzumerken. Liegen blieb die Granate natürlich nicht in der Wupper. Sie wurde in einem Fass luftdicht verstaut und abtransportiert.
An dem Einsatz waren zunächst alle Leichlinger Löschzüge beteiligt. Kollegen aus Burscheid lösten dann jedoch den Löschzug III ab, da dieser am Abend eine Veranstaltung hatte. 65 Feuerwehrleute aus der Blütenstadt, 24 aus Burscheid, sechs Polizeibeamte waren beteiligt. Und auch das DLRG war gefragt. Es sperrte den Fluss auf dem Wasser rechtzeitig vor der Fundstelle und musste dabei manchen Wupper-Paddler aus dem Wasser weisen.
138 Personen (inclusive Kreisbrandmeister, Kampfmittelräumer, leitender Notarzt und Dekontaminationszug Kürten) zählte der Einsatz laut Feuerwehrsprecher Ralf Hasenjäger insgesamt.
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