Leichlingen: Problem im Kreis: männlich, berauscht, zu schnell
VON STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 15.02.2011Leichlingen (RPO). Die Polizei im Rheinisch-Bergischen Kreis hat ein Problem. Es ist männlich, fährt zu schnell, vielfach zusätzlich unter Alkohol- oder Drogeneinfluss und sitzt in den meisten Fällen allein im Auto.
"19 Prozent aller Unfälle im Rheinisch-Bergischen Kreis (RBK) werden von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren verursacht", sagt Polizeioberrat Albert Hebborn gestern Nachmittag im Odenthaler Haus der Begegnung.
Dort präsentierte die Behörde ihre Verkehrsunfallstatistik 2010. Und dabei stellte sich schnell heraus: Vor allem die 18- bis 24-Jährigen haben ein überproportional hohes Unfallrisiko. Der ganz klare Grund: Alkohol- und Drogenmissbrauch. Der Beamte: "Wir haben eine extrem hohe und auffällige Zahl von jungen Erwachsenen, die erwischt werden."
Dabei ist man im Kreis auf einem ganz guten Weg. Hebborn: "Im letzten Jahr haben wir 26 000 Kontrollen durchgeführt und dabei 200 Drogenfahrten mehr erkannt als im Jahr davor." Der Kreis wurde nämlich mit hochmodernen Testgeräten ausgestattet, die Kollegen ausführlich geschult. "Seitdem liegt unsere Trefferwahrscheinlichkeit, wenn wir glauben, jemand stehe unter Drogen, bei über 90 Prozent", berichtet der Beamte stolz. Das Problem: Während man Alkohol-Konsum gut erkennt (Geruch, Augen, Sprache, Bewegungen), haben Drogen viele verschiedene Wirkstoffe, deren unterschiedlichste Auswirkungen nicht allgemein bekannt und erkennbar sind.
Außerdem gibt es keinen festen Wert für eine absolute Fahruntüchtigkeit wie beim Alkohol. Bei 80 bis 90 Prozent der Erwischten wurde Cannabis im Blut gefunden – "oft im Mischkonsum mit Amphetaminen", sagt Hebborn. Rolf Menzel stimmte das Thema nachdenklich: "Das ist ein Trend, den wir unbedingt bekämpfen müssen", bekräftigte der Landrat.
Unfälle auf dem Höchststand
Insgesamt sieht es Rheinisch-Bergischen Kreis so aus: Die Verkehrsunfälle mit Personenschaden sind um 12,7 Prozent zurückgegangen auf 955. Weniger gut: Der Anstieg der Gesamt-Unfälle ist auf dem höchsten Stand der letzten zehn Jahre (7584). "Das ist aber kein Widerspruch", erklärte Polizeidirektor Manfred Frorath. Beides habe die gleiche Ursache. In den extremen Winterwetter-Monaten habe die Zahl der leichten Verkehrsunfälle stark zugenommen, während die der schweren stark abgenommen habe.
Die Zahl der Verunglückten ging in 2010 deutlich zurück: Bei Schwerverletzten um 12,4 Prozent (179), bei Leichtverletzten um 14,4 Prozent (955), bei Kindern um satte 20,4 (86) und Senioren um 20,5 Prozent (120). Nur die Jugendlichen (15 bis 17 Jahre) tanzen aus der Reihe: Bei ihnen sank die Zahl lediglich um acht Prozent auf 81. Trotz aller positiven Nachrichten mahnt der Landrat: "Jetzt bloß nicht sparen – wir können noch eine erheblich Anzahl mehr Beamte gebrauchen."
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