Leichlingen: Rettet Denkmalschutz das Dach?
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 22.04.2010Leichlingen (RPO). Das Leichlinger Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz. Experten sehen dadurch Chancen, auch das nicht denkmalgeschützte Bahnsteigdach vor dem Abriss zu retten. Unterdessen sorgt ein neuer CDU-Vorstoß für Ärger.
Neue Hoffnung für den Leichlinger Bahnhof. Die umstrittenen Pläne der Deutschen Bahn, das durchgehende Dach des Mittelbahnsteigs im Zuge des anstehenden Umbaus abzureißen und durch drei Wetterschutzhäuschen mit einer Länge von jeweils etwa sechs Metern zu ersetzen, könnten doch noch durchkreuzt werden. Das Zauberwort: Denkmalschutz.
"Wir lassen in der Tat zurzeit in Abstimmung mit den Experten der Oberen Denkmalschutzbehörde prüfen, ob auf diesem Wege die Chance besteht, das Dach zu erhalten", bestätigte Bürgermeister Ernst Müller (SPD) gestern auf Anfrage unserer Zeitung.
Stellwerk-Umstellung
Die Umbaupläne der Bahn stehen im Zusammenhang mit der Umstellung der alten Stellwerktechnik. In Solingen entsteht ein neues elektronisches Stellwerk, das alte in Leichlingen wird überflüssig.
Zwar steht nicht das Dach selbst unter dem Schutz der Konservatoren, wohl aber das Leichlinger Bahnhofsgebäude. Und da könnte Paragraf 9 des NRW-Denkmalschutzgesetzes ziehen. Der besagt nämlich, dass eine konkrete Erlaubnis eingeholt werden muss, wenn jemand "in der engeren Umgebung von Baudenkmälern Anlagen errichten, verändern oder beseitigen will" und damit "das Erscheinungsbild des Denkmals beeinträchtigt".
"Arbeitskreis wird unterlaufen"
Wartehäuschen statt historisches Dach – das könnte durchaus als Beeinträchtigung eingestuft werden. Über die Erlaubnis müsste dann die Untere Denkmalbehörde entscheiden. Und das ist die Stadt.
Die Möglichkeit aufgezeigt hatte Dr. Reinhard Schüren. Der SPD-Ratsherr ist Vorsitzender des Verkehrs- und Betriebsausschusses und gehört der überparteilich besetzten Projektgruppe Bahnhof an, die sich seit März unter Ausschluss der Öffentlichkeit um eine gemeinsame Alternative zum von der Bahn geplanten Umbau bemüht, der viele Leichlinger verärgert hat.
Doch auch um den Arbeitskreis selbst gibt es jetzt Ärger. Denn noch bevor dort ein Ergebnis vorliegt, will die Zählgemeinschaft aus CDU, FDP, UWG und BWL bereits 400 000 Euro in den aktuellen Stadtetat zur Verwendung für 2011 einstellen lassen. Man habe sich von CDU-Arbeitskreismitglied und Ex-Bahner Helmut Langer beraten lassen, sagte Volker Jung (BWL). Im Haupt- und Finanzausschuss wurde der Antrag überstimmt.
Jetzt legte die CDU nach: Die Stadt soll bis zur Ratssitzung kommende Woche die Kosten für zwei Modelle ermittelt, wie der Zugang zum Mittelbahnsteig künftig gestaltet werden soll. Ein Modell stammt von der Bahn selbst – das andere von CDU-Mann Helmut Langer. "Die Aktion ist eine Rolle rückwärts", schimpft Schüren. Wozu solle ein Arbeitskreis überhaupt noch vertraulich versuchen, eine gemeinsame Lösung zu suchen, wenn die CDU jetzt schon öffentlich das Modell ihres Mannes propagiere?
Zumal Langers Pläne ebenfalls nicht unumstritten sind. Er hatte u.a. die Schließung des beschrankten Bahnübergangs für den Autoverkehr gefordert. Begründung: Die Schranken blieben nach der von der Bahn beabsichtigten Schließung des Leichlinger Stellwerks künftig eh deutlich länger unten.
"Dass dies nicht passieren wird", betont der Bürgermeister , "hat die Bahn uns vor zwei Wochen sogar schriftlich mitgeteilt."
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